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Landwirtschaft : Viehzucht mit Diplom

  • -Aktualisiert am

Streicheln nur mit Uni-Abschluss Bild: fotolia

Längst müssen Landwirte mehr können als Felder beackern. Viele haben studiert und kennen sich mit Computern genauso gut aus wie mit Chemie.

          Der Oldtimer bleibt im Stall. Mit hinaus darf an diesem bedeckten Julimorgen nur der Traktor vom Typ New Holland TS115 mit Klimaanlage, Radio und vielen anderen Funktionen, die das Leben erleichtern. Als die Maschine dann mit Tempo 30 über die Landstraße fährt, bildet sich sofort eine Autoschlange, gefährliche Überholmanöver inklusive. Landwirt Stefan Leister passt besonders gut auf. Auf dem Acker lässt er dann per Knopfdruck das Pfluggerät hinunter. Der Acker vor ihm ist überschaubar: 20 Reihen Stoppelfeld untermengen, Zeit zum Nachdenken.

          Leister bewirtschaftet einen der knapp 400 000 Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland. Den hat der Bad Homburger Bauer von seinem Vater übernommen. Traktorfahren findet der diplomierte Agrarwirt zwar langweilig, trotzdem kommen ihm hier auf dem Feld immer wieder gute Einfälle für seine Arbeit.

          Neue Herausforderungen für Bodenständige

          Der eigentlich so bodenständige Beruf des Landwirts sieht sich neuen Herausforderungen gegenüber. Eine gute Ausbildung ist die Basis, Weiterbildung unabdingbar. Engagement kann sich auszahlen, denn mit der Landwirtschaft geht es bergauf. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen. Gerade der Getreidepreis hat zugelegt. Das ist auf die Dürre in Australien und Missernten in den ostasiatischen Schwellenländern zurückzuführen.

          Erst Unkraut jäten, dann wieder an den PC: Landwirt Stefan Leister

          Auch wird in Deutschland immer mehr Land für die Gewinnung von Bioenergie genutzt und fällt für den Anbau von Lebens- und Futtermitteln aus. Doch es gibt auch Schattenseiten: Den deutschen Landwirten bricht der Zuckerrübenanbau weg, weil brasilianische Großgrundbesitzer die Landarbeiter zu Niedriglöhnen arbeiten lassen und den Zucker billig anbieten.

          Dennoch baut Leister auch Zuckerrüben an. "Mein Vater hat mir davon abgeraten, Bauer zu werden, aber ich wollte den Hof trotzdem übernehmen", sagt der 43 Jahre alte Landwirt, für den das Wort "Bauer" keinen negativen Beigeschmack hat. Was die 40 Hektar abwerfen, reicht zum Auskommen. Auf 39 Hektar wachsen Getreide, Zuckerrüben und Raps, mit dem vierzigsten, einem Bauerngarten, in dem sich die Kundschaft auf Treu und Glauben selbst bedient, verdient Leister sein Urlaubsgeld.

          „Mein Land ist mein Arbeitsplatz“

          Die ganze Familie arbeitet mit. Auch die Kinder, die das Gymnasium besuchen, helfen - zumindest, wenn sie wollen, wie der Vater sagt. Sein Hobby ist die Bienenzucht. Für mehr reicht die Zeit nicht.

          "Das Land ist nur mein Arbeitsplatz", sagt Leister, "heutzutage wird es den Bauern unter den Füßen weggezogen für Bauland. Solange es den Leuten gutgeht, genießt die Landwirtschaft wenig Ansehen. Aber wenn Hunger herrschte, kämen sie zu uns. Die Arbeit ist hart, aber ich bin mein eigener Herr und kann mir Zeit für die Familie nehmen. Das kommt auch den Kindern zugute." Das Wichtigste für einen Landwirt sei eine profunde Ausbildung. Jeder Landwirt sei auch sein eigener Betriebswirt, die Arbeit auf dem Feld gehöre ebenso dazu wie die am Computer. Leister mag beides.

          Er hatte sich nach dem Abitur für ein Fachhochschulstudium entschieden, weil ihm das praxisnäher und vielseitiger erschien. "Heute hätte ich die Möglichkeit, im Landmaschinenhandel, in der Saatgutproduktion oder etwa auf dem Landwirtschaftsamt zu arbeiten, wenn es mit dem Hof bergab ginge", sagt er.

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