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Klimawissenschaftler : Mit Forschung gegen Fake-News

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Ein Fall für Klimaforscher: Ein schmelzender Eisberg in Grönland. Bild: dpa

Wer sich an der Uni mit der Erderwärmung, schmelzendem Packeis oder Rekordsommern beschäftigt, muss kein Umweltheiliger sein. Allerdings hilft ein dickes Fell.

          Mit dem Studium hat alles angefangen, die Liebe zur Dunkelheit, zur Stille und zur Wildnis. Genauer war es ein Auslandsjahr, das den Studenten der Meteorologie nach Spitzbergen und damit zur Polarforschung brachte. Seitdem ist Dirk Notz der Inselgruppe am Nordrand Europas komplett verfallen, sagt er und schwärmt von einer Landschaft aus gefrorenem Licht, das sich bis zum Horizont erstrecke, von Farbenspielen, knirschendem Schnee und Dunst vorm Gesicht. Eine Wortwahl, die man nicht unbedingt von jemandem erwartet, der Mathe und Physik schon in der Schule „total spannend“ fand, sich mit Mikrostrukturen des Meereises ebenso befasst wie mit den komplexen Wechselwirkungen zwischen Eis, Ozean und Atmosphäre, für die er eigene Computerprogramme schreibt.

          Doch Vorsicht, das ist genau das Schubladendenken, das dem Klimaschutz nicht weiterhilft – meinen jedenfalls die Klimaforscher. Sie arbeiten nicht nur international, sondern auch interdisziplinär, verbinden Natur- und Sozialwissenschaften, Politik und Physik – bisweilen auch mit Poesie. Dirk Notz ist Leiter der Forschungsgruppe „Meereis im Erdsystem“ am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie mit derzeit acht Mitarbeitern, darunter Masterstudenten, Doktoranden und Post-Docs.

          Dass sich die Fläche und Dicke des Packeises in den vergangenen 30 Jahren jeweils halbiert hat, entnehmen die Forscher den Messungen der Satelliten – und beschäftigen sich mit den Folgen: „Das Meer frisst sich immer weiter vor in Richtung Nordpol, und wir verlieren einen mystischen Ort.“ Mehr noch: Das Weltklima verändert sich weit über aktuelle Extremwetterlagen hinaus. „Extreme Sommer werden häufiger“, bestätigt Notz, der zugibt, dass auch ihn die Hitze dieses Sommers überrascht hat. „Aber das hätte auch ohne Klimawandel passieren können“, sagt er.

          Nicht täglich am Computer sitzen

          Wetterprognosen gehören allerdings nicht zu dem Terrain, auf dem der promovierte Meteorologe sich bevorzugt bewegt. Der 43-Jährige hat die „Physik der Atmosphäre“ studiert, weil er sich für Natur, Umwelt und Klimafragen interessierte. Das ist die eine Grundmotivation von Klimaforschern. Die andere heißt: etwas bewirken und schaffen zu wollen – das sagt Ingo Bräuer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, kurz PIK. Der promovierte Biologe ist hier Leiter für Wissenschaftskoordination und Transfer, eine Schnittstelle von Forschung und Gesellschaft: „Wie wirkt sich eine vier Grad wärmere Welt aus?“ wollen etwa Versicherungen oder Weltbank von den Klimaforschern wissen. „Beim Klimaschutz ist zunehmend Beratung gefragt“, weiß Bräuer.

          Rund 200 Wissenschaftler sind beim PIK beschäftigt, mehrheitlich befristet für eine Promotion oder Post-Doc-Stelle, darunter viele Physiker. „Wir arbeiten mit Daten. Labore oder Forschungsschiffe haben wir nicht, aber einen eigenen Supercomputer, der unsere Klimamodelle berechnet“, sagt Bräuer. Die numerische Modellierung ist ein wichtiger Teil der Klimaforschung, weshalb auch Geographen, Meeresbiologen oder Geochemiker an Mathe und Informatik nicht vorbeikommen. Für die Beratung und Arbeit in internationalen Organisationen sind aber auch Kenntnisse in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gefragt. Eine thematische Gratwanderung, auf die der internationale Masterstudiengang „Integrated Climate System Science ICSS“ an der Universität Hamburg vorbereiten möchte.

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