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Kosten des MBA : Der lange Weg in die Gewinnzone

Bild: Fotolia

Ein MBA ist teuer: Zu den Studiengebühren kommen Kosten für Reisen, Miete und Verdienstausfälle. Wie lange dauert es, bis sich die Investition in die Karriere amortisiert? Und lohnt sie sich überhaupt? Mit Fallbeispielen.

          Zeit ist Geld, das weiß Kathleen Fitzgerald, immerhin unterrichtet die zierliche Frau an der Managerschule der Universität von Chicago Rechnungslegung. Ihr Redetempo ist auf Schnellhörer und Schnellmerker getrimmt, der Titel ihres Vortrags auf Zahlenmenschen: „Wie errechnet man die Rendite eines MBA-Programms?“ Nur eine halbe Stunde Zeit gibt sie sich dafür, und wie es sich für eine Wirtschaftsexpertin gehört, steht am Ende keine Zauberformel, sondern ein Excel-Arbeitsblatt. Am Anfang aber müssen sich die zwölf Zuhörer, die zu der Informationsveranstaltung des Anbieters aus Chicago in den Konferenzraum eines Frankfurter Hotels gekommen sind, eine abschreckend klingende Warnung anhören. „Unser europäisches Executive-MBA-Programm kostet knapp 80.000 Euro Gebühren“, sagt Fitzgerald. „Und das sind längst nicht alle Ausgaben, die Sie haben werden.“

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was nicht viel kostet, ist auch nicht viel wert – mit dieser Weisheit aus dem Volksmund können die Anbieter von MBA-Programmen gut leben. Der „Master of Business Administration“ ist eine der teuersten Weiterbildungen, für die sich Berufstätige entscheiden können. Ein oder zwei Jahre dauern die meisten dieser Programme, die Fachkräfte zu Führungskräften machen und Spezialisten den Blick für das große Ganze geben sollen. Unter ihren Anhängern gelten sie als die Aufstiegsformel schlechthin, als Schlüssel zur Management-Karriere – und dafür lassen sich die führenden Anbieter eben auch erstklassig bezahlen: An der Harvard Business School, deren 1908 aus der Taufe gehobener MBA als einer der ältesten überhaupt gilt, sind für das Standardprogramm rund 44.000 Dollar fällig; die renommierte spanische Managerschmiede IESE verlangt fast 68.000 Euro Studiengebühren; auch etablierte deutsche Adressen wie die Mannheim Business School sind nichts für Schnäppchenjäger: 29.000 Euro kostet dort die Teilnahme am zwölfmonatigen Vollzeit-Programm. Da stellt sich die Frage, auf die Kathleen Fitzgerald an diesem Abend eine Antwort verspricht, fast von selbst: Lohnt sich das? (Klicken Sie sich dazu auch durch unsere Fallbeispiele: Fünf Fallbeispiele zur Rendite eines MBA-Studiums)

          230 Programme allein in Deutschland

          Für die MBA-Schulen selbst offenbar schon. Jedenfalls nimmt ihre Zahl beständig zu: Rund 2000 Anbieter mit mehr als 5000 verschiedenen MBA-Programmen gibt es schätzungsweise auf der Welt. Allein in Deutschland sind es einer Studie der Personalberatung Staufenbiel zufolge zurzeit 230 verschiedene Programme von 130 Anbietern; neben Mannheim gehören hier die Handelshochschule in Leipzig, die WHU in Vallendar und die Goethe Business School in Frankfurt zu den angesehensten Adressen. Übereinstimmend behaupten sie zwar, dass nicht der MBA mit seinen happigen Kosten für Dozenten, Räume und Material Geld in ihre Kassen bringt, sondern erst die sogenannten Executive-Weiterbildung, die eigens auf Unternehmensbedürfnisse zugeschnitten ist. Aber ohne zufriedene MBA-Absolventen keine Executive-Kunden, so lautet für sie die einfache betriebswirtschaftliche Gleichung.

          Für die Teilnehmer dagegen ist die Kosten-Nutzen-Rechnung komplizierter. Elf variable Faktoren hat Kathleen Fitzgerald in ihr Datenblatt aufgenommen, hier sind zum Teil handfeste individuelle Auskünfte gefordert: Wie hoch ist das derzeitige Gehalt? Wie viel Geld verlangt die auserkorene Managerschule für ihr MBA-Programm? Welche Reisekosten fallen darüber hinaus an? Und wie viele Erwerbsjahre bis zur Rente sind voraussichtlich noch übrig, in denen sich die Investition in die Karriere bezahlt machen kann?

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