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Selbstvermarktung von Unis : Klappern auf allen Kanälen

  • -Aktualisiert am

Dreh für „ersti.tv“, einem studentische Internetsender der Universität Mainz, der Neulinge über das System Uni informiert. Bild: Frank Röth

Youtube oder Facebook spielen bei der Kommunikation der Hochschulen mit ihren Studenten eine immer größere Rolle. Ob sie auf diesen Kanälen allerdings wirklich an der richtigen Adresse sind?

          Er habe sich früh für den Menschen interessiert, sagt der namenlose Medizinstudent im schwarzen T-Shirt. Die naturwissenschaftlichen Fächer hätten ihm in der Schule auch immer Spaß gemacht. Heute studiert er Medizin in Leipzig, und er gibt allen, die sich für ein Medizinstudium interessieren, Ratschläge: Man müsse gut und effektiv lernen können, um Arzt zu werden. Etwa 150 Euro für Bücher sollte man pro Semester einplanen. Dafür könne man in Leipzig aber günstig wohnen. Ein Statement per Video, wie es sie millionenfach auf dem Portal Youtube gibt. Und ein beliebtes dazu: Knapp 25.000 User haben den achtminütigen Clip mit dem angehenden Arzt bereits angeklickt. Doch der Mediziner in spe hat ihn nicht auf eigene Faust hochgeladen. Er sendet über den offiziellen Youtube-Kanal der Universität Leipzig. Schon im Jahr 2013 waren 145 deutsche Hochschulen mit eigenen Kanälen auf Youtube vertreten, wie eine Studie des Hamburger Unternehmens „Bildungsweb“ damals ergab.

          Zwei Studenten der Uni Bonn interviewen einen Professor in den Botanischen Gärten der Hochschule für das „Uni Bonn TV“.

          Inzwischen dürften es noch mehr geworden sein. Allein unter dem Suchbegriff Universität finden sich knapp 3000 Kanäle auf dem Videoportal. Youtube gehöre zum Social-Media-Engagement einfach dazu, findet Julia Wandt, Pressesprecherin der Universität Konstanz und ehrenamtlich Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Hochschulkommunikation. „Vor fünf Jahren haben wir noch diskutiert, ob Hochschulen überhaupt in sozialen Medien aktiv sein müssen“, erinnert sich die Kommunikationsexpertin. Diese Frage habe sich inzwischen erledigt.

          Denn die Zielgruppe ist eben vor allem dort unterwegs: Junge Leute mit Studieninteresse oder Forschungsnachwuchs - sie alle sind auf Facebook, verfolgen Twitter und schauen nicht mehr nur Fernsehsendungen, sondern vermehrt Online-Videos. Und egal, ob es um Forschungskommunikation oder um Marketing für kommende Studenten geht: Wer die jungen Leute erreichen wolle, komme um Youtube und Co. nicht mehr herum, sagt Julia Wandt. Videoplattformen können einerseits als zusätzlicher Kanal der üblichen Hochschulkommunikation dienen: Man kann Berichte über Ereignisse oder Veranstaltungen an der Hochschule filmen und hochladen - mehr oder weniger professionell, mehr oder weniger interessant. Hochschulen können auf Youtube aber auch klassische Imagefilme präsentieren. Beides soll für die Lehre und Forschung an Hochschulen werben, Wissenschaftler, Mitarbeiter anderer Forschungsinstitutionen, Studenten und Studieninteressierte können sich buchstäblich ein Bild machen. Dementsprechend vielfältig ist das Angebot, das Hochschulen auf Youtube und ähnlichen Plattformen machen.

          Videos für mehr Forschungsförderung

          Die Universität Wien zum Beispiel feiert in diesem Jahr ihr 650-jähriges Bestehen mit einer von Videos begleiteten Kampagne. Wiener Wissenschaftler erklären in Kurzvideos, was sie in ihrer Forschungsarbeit am meisten interessiert: Eine Biochemikerin referiert, wie Leben entsteht; ein Historiker beschäftigt sich mit der Frage, ob die Menschen aus der Geschichte klug werden; und ein Quantenphysiker untersucht, warum sehr kleine Teilchen gleichzeitig an zwei Orten sein können, der Mensch aber nicht. Für die Kampagne spielen diese Videos eine große Rolle, sagt Alexandra Musat von der Öffentlichkeitsarbeit der Uni Wien. Das Motto der Kampagne laute „Wir stellen die Fragen“ - die Kurzfilme setzten es sehr verständlich um. Youtube-Filme dienen hier also der klassischen Imagewerbung.

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