https://www.faz.net/-gyl-x6ac

Kommerz auf dem Campus : Werbemarkt Hochschule

  • -Aktualisiert am

Hochschulen verzichten auf Einnahmen

Ähnlich argumentieren viele größere Hochschulen. Ihnen fehle das Personal, heißt es, um sich selbst um ihr Werbegeschäft zu kümmern. Als Konsequenz verzichten sie auf stattliche Mehreinnahmen. "Wir sind leider immer noch chronisch unterbesetzt", klagt etwa der Marketingbeauftragte der Uni Köln, Eckhard Rohde. Eigentlich leitet er den Universitätssport. "Die Werbegeschichte mache ich nur so nebenher." Genaue Zahlen zu ihren Werbeeinnahmen will die größte Universität Deutschlands nicht nennen. Doch Rohde kündigt an, die bald auslaufenden Verträge auf den Prüfstand zu stellen. "Wir müssen wirklich schauen, ob wir da nicht über den Tisch gezogen werden."

Auch Eckhard Rode arbeitet mit der Deutschen Hochschulwerbung zusammen. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Marktführer, will aber zu weiteren Details seiner Geschäfte öffentlich nicht Stellung nehmen. Deshalb ist auch nicht bekannt, mit wie vielen Universitäten der Firmeninhaber Athanasios Roussidis ähnliche Verträge geschlossen hat wie mit der Bremer Alma mater. Neuere Abkommen, etwa mit der Fachhochschule Köln, bringen den Hochschulen dem Vernehmen nach allerdings etwas mehr Geld ein.

Das könnte eine Reaktion darauf sein, dass sich in den vergangenen Jahren einige frühere Partner von dem Düsseldorfer Vermarkter abgewandt haben. Das Studentenwerk Siegen etwa oder die Ruhr-Universität Bochum, die mit ihrem neuen Kooperationspartner dreimal so viel verdient wie zuvor. Die Branche, in der Campusdirekt, Boomerang und Varifast weitere Akteure sind, gilt als äußerst umkämpft. Von Kundenklau und anderen Gemeinheiten ist die Rede. "Da laufen teilweise eigenartige Geschäfte. Einerseits bekämpfen sie sich, andererseits wird bei großen Kampagnen, die verteilt werden müssen, auch wieder zusammengearbeitet", sagt ein Unternehmer, der seinen Namen in diesem Zusammenhang lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Unsicherheit über die Preise

"Bei vielen Kollegen an den Unis herrscht wahrscheinlich noch eine gewisse Unsicherheit über die Preise", sagt Jochen Taaks aus Hamburg. "Sicherheit bekommt man aber vor allem dadurch, dass man sich untereinander austauscht." Nicht alle Hochschulen können gleich viel Geld verlangen. "Die Vermarktung einer Hochschule mit weniger als 6000 Studenten, ohne herausragenden Fachbereich und in einer strukturschwachen Gegend ist natürlich schwieriger als die einer Technischen Universität mit 20 000 Studenten", erläutert Stefan Hönnemann, der Geschäftsführer des Kölner Vermarkters Campusservice.

Ein nicht zu vernachlässigendes Kriterium ist aber auch, wie viel Werbung eine Hochschule auf ihrem Gelände überhaupt zulässt. Denn längst nicht alle Rektoren und Senate sind bereit, ihre Universität für den Werbemarkt zu öffnen. In der öffentlichen Diskussion zur Erschließung neuer Geldquellen etwa wird deutlich mehr auf das klassische Spendensammeln gesetzt, das in der Fachsprache "Fundraising", heißt. "Vielen Rektoren ist das lieber", berichtet Marita Haibach aus Wiesbaden, die Universitäten beim Geldsammeln berät. "Das hat einen edleren Tenor, als wenn man eine kommerzielle Gegenleistung bringen muss."

Auch manche Studenten sehen das so, Paul Hecker zum Beispiel, der an der Bremer Universität eingeschrieben ist. "Bei all der Werbung auf dem Campus fühlt man sich am Ende doch ein bisschen verkauft", sagt er. Nur ein paar Kilometer weserabwärts ist die Entwicklung schon deutlich weiter: Die private International University verkaufte Ende des vergangenen Jahres ihren Namen an einen Sponsor. Bis zum Jahr 2011 heißt sie nun offiziell "Jacobs University".

Weitere Themen

Topmeldungen

Rentenangleichung : Das Märchen von der Armut

Bald werden die Renten im Osten denen im Westen gleichgestellt sein. Manchen gilt das als Vollendung der deutschen Einheit. Es hat aber auch seine Tücken.

Vegane Ernährung : Arbeit ohne Heiligenschein

Immer mehr vegane und vegetarische Lebensmittel kommen auf den Markt. Um sie herum gibt es jede Menge Berufe. Wie ideologisch muss man sein, um in der Branche klarzukommen?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.