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Karrierewege : Ein Leben nach dem Sport

  • -Aktualisiert am

Nach dem Rennen fängt der Wettkampf um einen guten Job an. Bild: © fotolia.com

Wenn sie bei Olympischen Spielen auf dem Treppchen stehen, sind Topathleten die Größten. Anders sieht es nach dem Karriereende aus. Denn Sport und Beruf zu vereinbaren gestaltet sich für viele Spitzensportler schwieriger als der Gewinn einer Goldmedaille.

          Just in diesem Moment macht Claudia Bokel das, wovon viele ihrer Kommilitonen träumen: Sie ist auf Weltreise. Innerhalb von vier Wochen geht es nach Japan, Kuba, Kanada, Australien - die Degenfechterin lässt es sich gutgehen, könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Der Trip ist Teil der Olympiaqualifikation für die kommenden Olympischen Spiele, die Fechter müssen zu diesem Zweck Turniere in aller Welt absolvieren. Neben dem Ziel Peking 2008 und der anstrengenden Reiserei hat sich die 33 Jahre alte Spitzensportlerin Bokel zudem zur Aufgabe gemacht, ihr Chemiestudium abzuschließen. „Ich werde einen Monat nicht zu Hause sein“, sagt sie. „Also werde ich mein Chemiebuch wieder mitnehmen. Zusätzlich zum Qualifikationsdruck will ich mit dem Lernen so weit sein, dass ich zwei der drei nötigen Prüfungen mache, wenn ich zurückkomme.“ Kaum ein Kommilitone, der jetzt noch neidisch auf die vierwöchige Reise von Claudia Bokel blicken wird.

          Die wenigsten Topathleten können vom Profisport leben. Abgesehen von den hochbezahlten Fußballern in der Ersten Bundesliga, von manchen Schwimmern, die nach der Karriere zu Moderatoren avancieren und sich gutdotierte Werbeverträge sichern, und abgesehen von den wenigen berühmten Tennisspielern, die bei Spitzenkämpfen satte Preisgelder kassieren, ist der Spitzensport ein Zuschussgeschäft.

          Ohne finanzielle Hilfe geht es nicht

          Die Athleten sind auf Unterstützung der Eltern und auf die Stiftung Deutsche Sporthilfe angewiesen. Allein die Zahlen der Stiftung belegen, dass es ohne finanzielle Hilfe nicht geht. Seit ihrer Gründung hat die Deutsche Sporthilfe rund 350 Millionen Euro in 40 000 deutsche Sportlerinnen und Sportler gesteckt. 90 Prozent aller Medaillen deutscher Athleten bei den Olympischen Spielen und bei Welt- und Europameisterschaften wurden von Athleten gewonnen, die von der Sporthilfe gefördert wurden. Derzeit sind es 3800 Sportler und 600 Internatsschüler in mehr als 50 Sportarten, denen jährlich mit Geldern in Höhe von zehn bis zwölf Millionen Euro unter die Arme gegriffen wird.

          Diese Hilfe regelt jedoch nicht das Leben nach dem Sport. Leistungssportler müssen, wenn sie nach dem Karriereende nicht auf der Straße landen wollen, parallel zum intensiven Training eine Ausbildung absolvieren. Zwar helfen Stiftungen, Sportverbände, die Bundeswehr, die Bundespolizei und auch die Wirtschaft, aber eine zentrale Anlaufstelle fehlt. Das liegt nicht nur an der föderalen Struktur der deutschen Politik, die Sport in erster Linie zur Ländersache erklärt; es liegt auch an den unterschiedlichen Sportarten. Während Biathleten bei der Bundespolizei gut aufgehoben sind und viele Fechter es schaffen, neben dem Sport ein Studium zu absolvieren, haben Leichtathleten wegen des intensiven Trainings oft kaum Zeit für eine Ausbildung.

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