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Karriere am Computer : Wo Welten und Spiele gemacht werden

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Leidenschaftliche Daddler gesucht Bild: dpa

Die Computerspielebranche boomt. Dennoch gibt es erst wenige Studiengänge, die auf die Zusammenarbeit von Informatik und Design spezialisiert sind.

          Farne und Felsen, dazwischen ein Elf – als Hüter des Waldes, den die Menschen bedrohen. Mit Pfeil und Bogen jagt der Held die Eindringlinge durch das Computer-Spiel „Tainted Leaf“. Die künftigen Medieninformatiker Andreas Stiegler und Isolde Scheurer in Stuttgart haben es sich einfallen lassen. Auf einer Insel Verbündete gegen einen Widersacher zu finden, darum geht es indes beim Spiel „Omertà“ von Jana Reinhardt und Friedrich Hanisch, die für den Studiengang „Multimedia/Virtual Reality-Design“ in Halle eingeschrieben sind. In ihren Semesterprojekten schaffen sie eine eigene Welt mit neuen Charakteren, sie verknüpfen Grafik und Logik – das reizt sie an ihrem Studium.

          Informatik oder Design, das sind die einschlägigen Fächer, mit denen Studenten später in der Spiele-Branche landen können. In der Jobbörse von Game, dem Bundesverband der Spieleentwickler, werden eine Vielzahl von Programmierern, 3-D-Grafikern, Software-Spezialisten und Projektleitern gesucht. „Seit längerer Zeit schon herrscht eine große Nachfrage an qualifizierten Kräften“, heißt es auch vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). Das verspricht gute Chancen für Neueinsteiger in einer Branche, die in Deutschland derzeit einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro anpeilt.

          Geht es nach den Wünschen der Industrie, sollen die anspruchsvollen Jobs dabei nicht irgendwelche angelernten Kreative oder Informatiker übernehmen, sondern systematisch ausgebildete Welten- und Spielemacher. Solche, die nicht nur leidenschaftlich daddeln und den Markt kennen, sondern sich überdies auf die zunehmende Spezialisierung der Branche eingerichtet haben. Zugleich sollen sie an das enge Teamwork gewöhnt sein, in dem die Spiele von morgen entstehen.

          Von Elfen und Ikea-Kassen

          Doch gerade an der dafür nötigen Ausbildung hapert es: Obwohl die Branche boomt und sich das Fachwissen mächtig ausgeweitet hat, finden sich kaum passende Studienangebote an den öffentlichen Hochschulen. Schon gar nicht solche, die auf die Schnittstellen beim Entwerfen und Entwickeln oder auf ein gemeinsames Verständnis der Spielemacher zielen. Zum Vorreiter einer planmäßigen Ausbildung wurden indes private Anbieter wie die Games Academy. In ihren kostenpflichtigen Kursen gehören das Zeichnen und Modellieren der Spielfiguren sowie die Animation zum Programm. Sie bieten sich für Leute an, die schnell praktisch arbeiten wollen und wissen möchten, wie man die Werkzeuge dafür bedient.

          Manchen lockt aber die Breite und Tiefe einer akademischen Ausbildung mehr, gerade auf der Suche nach neuen Ideen. „In der Industrie wird auf die immer gleichen Elfen gesetzt“, kritisiert etwa Jana Reinhardt. „Im Studium kann man mal was machen, was nicht den aktuellen Style-Standards entspricht.“ Das gilt auch für die angewandte Programmiersprachen, für Soft- und Hardware. „Da bekommt man mehr die neuen, experimentellen Sachen mit“, lobt Andreas Stiegler, „und kann sie ausprobieren.“ Etwa mit Blick auf die stetig wachsende Sparte der sogenannten Serious Games: Sie dienen zur Aus- und Weiterbildung – sei es für Mitarbeiter an den Kassen schwedischer Möbelhäuser, sei es für ins Ausland entsandte Manager.

          Von diesem Trend hat auch Frank Milde profitiert. Er wurde nach seinem Praktikum vom Darmstädter Unternehmen Mea-Soft gleich in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. „Ich sitze an der Version 2.0 unserer Schulung für Vertriebler“, sagt der 24 Jahre alte Medieninformatiker. „Nach Stuttgart bin ich nur für ein halbes Jahr zurück und arbeite von da aus, um noch den Bachelor zu machen.“

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