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IT-Spezialisten gesucht : Den Virenjägern auf der Spur

Heinz-Hubert Weusthof sucht für IBM die Besten der Besten. Keine einfache Aufgabe. Bild: dapd

Sichere IT-Systeme sind wichtig für die Wirtschaft. Wegen der großen Nachfrage bilden die Hochschulen mehr Experten aus.

          Als Heinz-Hubert Weusthof an der Universität Dortmund Informatik studierte, waren viele Computer noch so groß wie Schränke, so schwer wie Autos und hatten Preise so hoch wie die von Häusern. Gerade erst war der erste PC aus der Taufe gehoben worden, das Internet war allenfalls eine Spielwiese für Wissenschaftler, und Computerviren schienen ein theoretisches Problem zu sein.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Heute ist Weusthof einer der Entwicklungsdirektoren von IBM. Seine Thema: Sicherheit für Computer und Netzwerke. Sicherheit, sagt er, sei nicht billig, aber sie nicht zu haben, werde teuer. So sucht er die Besten der Besten. Keine einfache Aufgabe.

          Das Schutzbedürfnis ist groß

          “Erfahrene Spezialisten für IT-Sicherheit sind schon heute schwer zu finden. Das erschwert den Kampf von Unternehmen und Behörden gegen die wachsende Zahl der Cyberangriffe“, sagt Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbandes Bitkom in Berlin. Es geht um Viren und Trojaner, um Nachrichtenmüll und digitale Heckenschützen, um Fälschung, Diebstahl und Betrug im Datennetz. Die Ordnungshüter der digitalen Welt haben alle Hände voll zu tun. Sie stehen hoch im Kurs und potentielle Arbeitgeber Schlange.

          Ob Bachelor oder Master, Juraabsolvent, Doktor oder einfach nur Student, Unternehmen picken sich ihre Kandidaten oft direkt aus den Vorlesungen heraus und legen ihnen gutdotierte Verträge vor. Kein Wunder: Nach Angaben des Bundesministeriums des Inneren wird das Internet allein in Deutschland im Sekundentakt attackiert. Das hat Folgen für die gesamte Wirtschaft, und die gehen in die Milliarden. Das Schutzbedürfnis ist groß, Nachfrage schafft Angebot.

          „Wenn die Studenten eine Bewerbung schreiben müssen, ist das viel“

          Universitäten, Hochschulen und Institute wie die in Bochum, Kassel, Passau, Darmstadt, München, Aachen oder Ilmenau haben sich in den vergangenen Jahren des Themas angenommen. Sie haben den Kampf gegen die Viren ganz oben auf ihre Agenda gesetzt, von der Forschung bis zur Lehre. Den Bachelor kann jeder machen, der ein Abitur hat und gut in naturwissenschaftlichen Fächern ist. Das Masterstudium verlangt einen guten Bachelor, der Aspirant für einen Doktor braucht einen guten Masterabschluss.

          Das Studium zahlt sich aus. „Wenn unsere Studenten eine Bewerbung schreiben müssen, ist das viel“, sagt Christof Paar, Professor an der Ruhr-Universität Bochum, der am dortigen Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit unterrichtet und auf eingebettete Systeme spezialisiert ist, ohne die im Auto- oder Maschinenbau heute nichts mehr läuft. Die Uni Bochum hat sich seit Mitte der neunziger Jahre zu einer der renommiertesten Einrichtungen in Lehre und Forschung zur IT-Sicherheit nicht nur in Deutschland entwickelt.

          Sogar einen Fachanwalt für IT-Recht gibt es mittlerweile

          Während sich die Ruhr-Universität auf technische Expertisen rund um die IT-Sicherheit konzentriert, bearbeitet die Universität Passau mit dem Institut für IT-Security und Security Law den juristischen Rahmen. Dirk Heckmann, Staatsrechtler in Passau und bundesweit einer der Aufbauhelfer des Fachs, sagt: „Die Thematik hat sich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten quasi aus dem Nichts entwickelt. Heute ist sie allgegenwärtig. Denken Sie nur an Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung, Privatsphäre, Facebook oder Google. Mittlerweile gibt es auch einen Fachanwalt für IT-Recht.“

          Für IT-Riesen wie Hewlett-Packard oder IBM ist die Sicherheit von Computern, Software und Kommunikationsnetzen ein vielversprechendes Geschäft. Sie haben in den vergangenen Jahren für Milliarden von Dollar kleine Antiviren-Software-Anbieter aufgekauft, die Geschäftsbereiche vergrößert und Tausende Stellen geschaffen. Doch die Angreifer scheinen den Verteidigern immer einen Schritt voraus zu sein oder, wie es IBM-Entwicklungsdirektor Weusthof ausdrückt: ein Wettlauf wie der von Hase und Igel. Fragt sich nur, wer Hase und wer Igel ist.

          Datensicherung studieren

          Ruhruniversität Bochum
          Ein Bachelor und zwei Masterstudiengänge in IT-Sicherheit

          Universität Passau
          Die juristische Seite

          Technische Universität München
          Die TUM hat mit Claudia Eckert eine der führenden Professorinnen auf dem Gebiet

          TU Darmstadt
          Master in Informatik am CASED

          Bundesbildungsministerium
          Das Ministerium hat 2011 drei Kompetenzzentren für Cyber-Sicherheit ausgelobt. KASTEL am Karlsruher Institut für Technologie, Kompetenzzentrum für IT-Sicherheitsforschung der Universität des Saarlandes, European Center for Security and Privacy by Design an der TU Darmstadt

          Hochschule Aalen
          Bachelor IT-Sicherheit

          Hochschule Offenburg
          Bachelor Unternehmens- und IT-Sicherheit

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