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Islamwissenschaften : Wie übersetzt man noch mal Dschihad?

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Konzentration! Übersetzerkabine für Islamwissenschaftler am Orientalischen Institut der Uni Leipzig. Bild: Matthias Lüdecke

In der Islamwissenschaft gilt Konferenzdolmetschen als besonders herausfordernd. Arabisch treibt manchen zur Verzweiflung, aber potentielle Arbeitgeber stehen Schlange – darunter die Nachrichtendienste.

          Flüchtlingskrise und Terrorgefahr haben vieles verändert in Deutschland – auch einen Studiengang, der vorher als eher unterbelichtete Nische für Freunde exotischer Fächer galt. Inzwischen aber ist die Islamwissenschaft in den Fokus gerückt. Die Studentenzahlen steigen, und sogar Geheimdienste zeigen Interesse an Absolventen. Früher mag der eine oder andere geringschätzig gefragt haben: „Wer studiert denn so etwas?“ Heute hingegen wäre angebracht: „Sind die Spezialisten auf diesem Gebiet wichtiger denn je?“

          Offiziell heißt das Fach, das sich hierzulande mit dem islamischen Kultur- und Sprachraum befasst, Islamwissenschaft/Arabistik und wird an 28 Universitäten und pädagogischen Hochschulen angeboten. „Von Europa bis nach Sudan und von Java bis Marokko erstreckt sich geographisch die islamische Religion und Kultur“, sagt Gudrun Krämer, Leiterin des Instituts für Islamwissenschaft an der Freien Universität (FU) Berlin. „Sie reicht vom siebten Jahrhundert nach Christus bis in die Gegenwart.“ Dieser immense Umfang, geographisch wie zeitlich, ist Gegenstand dieses kulturwissenschaftlichen Studiums. Die Zahl der Muslime wird auf 1,6 Milliarden geschätzt, davon leben etwa 4,5 Millionen in Deutschland. Gleichzeitig hat Arabisch mit etwa 300 Millionen Muttersprachlern bei weiteren 100 Millionen Zweitsprachlern die Funktion der Lingua franca. Es wurde im Jahr 1973 zur sechsten UN-Sprache ernannt.

          „Das obligatorische Erlernen der arabischen Sprache im Studium der Arabistik und Islamwissenschaft ist zunächst Mittel zum Zweck“, sagt Eckehard Schulz, Professor für Arabische Sprach- und Übersetzungswissenschaft am Orientalischen Institut der Universität Leipzig. „Die Sprache soll die Studenten in die Lage versetzen, Originalquellen zu lesen und sich dadurch mit der Kultur zu beschäftigen.“ Da kaum Studenten solche Sprachkenntnisse mitbringen, erfolgt parallel zur jeweiligen inhaltlichen Ausrichtung eine intensive Sprachvermittlung. Das gilt auch für die arabischen Muttersprachler, die der Unterrichtssprache des modernen Hocharabischs meist nicht mächtig sind und nur einen der Dialekte beherrschen. Der Strukturaufbau der arabischen Sprache erleichtert den zügigen Spracherwerb allerdings: Durch Ableitungen der Wortwurzel vervielfältigt sich der Wortschatz in nur wenigen Semestern. „Allerdings sollten Studenten Leidenschaft für diese Sprache aufbringen“, sagt Judith Zepter, Arabisch-Lektorin in der Abteilung Geschichte und Kultur des Vorderen Orients der Universität Hamburg, „und auch wirklich fleißig sein. Nur dann ist die Sprache erlernbar.“

          Die Zahl der Studenten hat sich verdoppelt

          Das Studienfach Islamwissenschaft, für das es in Deutschland keinen Numerus clausus gibt, bietet eine enorme Bandbreite, die sich über die Fachdisziplinen Philologie, Literatur, Geschichte, Theologie, Recht, Politik, aber auch Kunst und Sozialwissenschaft in den jeweiligen Epochen und Regionen erstreckt. Die deutschen Universitäten decken diese Vielfalt – je nach eigener Entstehungsgeschichte – mit unterschiedlichen Zuschnitten und Bezeichnungen der Institute ab. Diese reichen vom „Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaften“ an der Universität Bochum über „Islamische Kunstgeschichte und Archäologie“ an der Universität Bamberg bis zum „Institut für den Nahen und Mittleren Osten“ an der Universität München.

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