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Wunschberuf für Studenten : Traumgehälter und steile Aufstiege im Investmentbanking

  • -Aktualisiert am

Die Bankentürme bleiben für viele ein Traum-Arbeitsplatz. Bild: dpa

Viele Studenten wollen Investmentbanker werden. Trotz des miesen Rufs der Branche, trotz des großen Stellenabbaus. Denn Gehälter und Aufstiegschancen bleiben spitze.

          Investmentbanking ist wie Leistungssport“, sagt Federico Krader. Beides erfordere volle Hingabe. Der 21 Jahre alte Student steht kurz vor seinem Bachelorabschluss in Wirtschaft und hat schon einen Einstiegsvertrag von einer Schweizer Investmentbank in der Tasche. Dafür musste er viel tun: Praktika bei Goldman Sachs, einer kleineren Investmentbank in Frankfurt und der italienischen Mediobanca, ein teures Studium an der privaten European Business School.

          Krader ist dort immer noch einer von vielen - jedoch ist das Berufsziel Investmentbanker, das bis vor wenigen Jahren bis zur Finanzkrise ungeheuer beliebt war, für die Wirtschaftsabsolventen weniger attraktiv geworden. Denn die Finanzkrise hat nicht nur am Ruf der Branche genagt, sondern auch am Berufsbild des Investmentbankers: Zinsmanipulationen, Boni-Exzesse, Nahrungsmittelspekulationen. So verwundert es kaum, dass dieser für viele Absolventen nicht mehr der Traumberuf ist. Eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte unter knapp 110.000 Wirtschaftsstudierenden an mehr als 1000 Universitäten auf der Welt zeigte, dass von 2008 bis 2013 die Beliebtheit des Berufes um fünf Ränge auf Platz 35 von insgesamt 100 abgefragten Berufen gefallen ist. Besonders in Deutschland hat das Renommee arg gelitten. Während der Karrierewunsch Investmentbanker in Südafrika oder in Schwellenländern wie China oder Brasilien weiter auf den oberen Plätzen rangiert, ist er in Deutschland auf Platz 64, so weit unten wie in keinem anderen Land.

          „Das ist ein schallender Weckruf für Investmentbanken“, sagt Hans-Jürgen Walter, Partner bei Deloitte und Leiter Finanzdienstleistungen Deutschland. Ein Grund für das schlechte Abschneiden des Investmentbankings in Deutschland ist laut der Studie vor allem die größere Beliebtheit der Automobil- und Fertigungsindustrie, in der die meisten Absolventen später arbeiten wollten.

          90-Stunden-Woche

          Anders Federico Krader: Er beteuert, dass sein Herz für die Finanzbranche schlage. Schon als Jugendlicher habe er sich für Aktien begeistern können. Und angesichts einer 90-Stunden-Woche, die im Investmentbanking eher die Regel als die Ausnahme ist, muss man den Job nach Ansicht von Karriereberatern wirklich lieben. „Die Hochschulabsolventen, die ins Investmentbanking wollen, sind sehr risikofreudig, sie lieben den direkten Wettbewerb, und sie wissen auch, auf was sie sich einlassen“, meint Karin Reuschenbach-Coutinho, Leiterin des Karriereservices der Frankfurt School of Finance and Management, einer Kaderschmiede für angehende Investmentbanker. Wer bei einer der großen Banken anheuern will, muss bekanntlich einiges mitbringen: eine schnelle Auffassungsgabe, sehr gute Noten, hohe Einsatzbereitschaft.

          Die Großbanken haben in den letzten Jahren immens Stellen abgebaut. Das Investmentbanking traf es am gröbsten. Die Schweizer Bank UBS beschloss, bis 2015 auf der Welt 10 000 Stellen zu streichen. Die Deutsche Bank kündigte an, 1500 Investmentbanker zu feuern. Dennoch sei der Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften hoch, heißt es aus Branchenkreisen. Etwa die UBS oder Branchenprimus Goldman Sachs winken auch im sechsten Jahr nach der Krise mit überdurchschnittlich hohen Einstiegsgehältern von bis zu 75000 Euro plus Boni.

          Wo die Boni gesetzlich gedeckelt sind, wird das meist auf die Fixgehälter draufgeschlagen. Der wahre Reiz am Investmentbanking sei jedoch ein anderer, erzählt der Berufsneuling Krader: „Selbst als Einsteiger bekommt man viel Verantwortung übertragen und hat eine steile Lernkurve.“ In der M&A-Abteilung, die zur Investmentbanking-Sparte gehört, bereitet er Übernahmen und Fusionen von Unternehmen vor. Zunächst wird der potentielle Kunde, so der Fachslang, „gepitcht“. Das bedeutet: In einem fiktiven Verkaufsgespräch müssen die Banker das interessierte Unternehmen mit Hilfe von Präsentationen und Marktanalysen vom eigenen Haus überzeugen und dann ein geeignetes Unternehmen zur Übernahme finden.

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