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Internationalisierung der Unis : How do you do, Hausmeister?

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Seit 2013 trainieren sie auch ihre interkulturelle Kompetenz. „Im Kurs wird erläutert, dass in Indien das gesprochene Wort oft mehr gilt als das geschriebene“, nennt der Pressesprecher der TU, Mario Steinebach, ein Beispiel. „Deshalb kommen oft Studierende aus Indien allein oder in der Gruppe in die Verwaltung, um schriftlich mitgeteilte Entscheidungen noch einmal zu hinterfragen beziehungsweise zu diskutieren.“ Während deutsche Studenten auf die Frage, ob sie alles verstanden hätten, ehrlich mit Ja oder Nein antworten, würden Studierende aus China auch aus Höflichkeit mit „Ja“ reagieren. Es könne aber auch bedeuten, dass sie die Frage überhaupt gehört haben, sagt Steinebach. „Hier empfiehlt es sich, genauer und wiederholt nachzufragen.“

Auslandsaufenthalte für Fortgeschrittene

Auch David Glowsky von der Humboldt-Universität kennt solche Situationen. Der Mitarbeiter der Stabsstelle Internationalisierung hat die Englischkurse für die nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter mit organisiert und weiß, dass es oft um Zwischentöne geht. Daher üben Kursteilnehmer in Rollenspielen Situationen, die für ihren Alltag typisch sind – und auch das Schreiben von dienstlichen E-Mails. Die Englischdozentin Alexine Good ist nach vielen Jahren in der Hauptstadt eine profunde Kennerin der Berliner Seele. Der rauhe Ton mancher Berliner würde viele Ausländer abschrecken, erzählt sie in perfektem Deutsch: „Berliner verschwenden keine Worte, die sie nicht nützlich finden.“ Aus ihrer Heimat ist Good anderes gewöhnt: „Auf Englisch darf man nie etwas Negatives sagen, ohne sich dafür zu entschuldigen.“ Man müsse immer dazu sagen: „I am sorry! I am afraid! Unfortunately.“ Alexine Good trainiert solche höflichen Sätze mitsamt der korrekten Betonung in ihren Kursen immer wieder. Denn wenn ausländische Studenten und Forscher ungefiltert auf die Berliner Tonart treffen, besteht nach ihrer Beobachtung die Gefahr eines unmittelbaren Rückzugs: „Die drehen sich einfach um und gehen. Die denken: Wenn alle hier so sind, dann schaffe ich es einfach nicht.“ Eine Mitarbeiterin der Bibliothek bestätigt: „Mir ist auch schon aufgefallen, dass wir oft ohne Floskeln vor uns hin reden. Aber das ist gewiss nicht böse gemeint.“ Bei manchen Fragen auf Englisch sei sie froh, dass sie sie überhaupt beantworten könne.

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg verleiht nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern, die sich weiterbilden, seit dem Herbst 2016 ein Zertifikat namens „Admins going global“. Es existiert in einer Basisversion und einer für Fortgeschrittene. Für die Basisversion müssen Teilnehmer einen Sprachkurs und ein interkulturelles Training absolvieren. Für die Fortgeschrittenen ist zusätzlich ein Auslandsaufenthalt vorgesehen, etwa zu einer Fachtagung. Wenn eine Hochschule so etwas anbietet, ist das ein kompliziertes Unterfangen, denn es muss Etliches geklärt werden – von Versicherungsfragen bis hin zu der Frage, wer den Mitarbeiter in der Zwischenzeit daheim vertritt. Doch in Erlangen-Nürnberg klappt das gut. „Die meisten Mitarbeiter fahren ins europäische Ausland“, erzählt die Personalentwicklerin Berrin Tezcan. „Das Zertifikat hat den Vorteil, dass die Kolleginnen und Kollegen intern und extern ein Dokument vorlegen können, das ihre Leistungen bescheinigt.“

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