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Internationalisierung der Unis : How do you do, Hausmeister?

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In den vergangenen Jahren stellte man sich vielerorts auf den Ansturm aus dem Ausland ein. „Schon bald nachdem in den neunziger Jahren die internationale Vermarktung des Bildungsstandortes Deutschland begann, haben wir die Servicestelle Interkulturelle Kompetenz eingerichtet“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Diese Servicestelle bietet unter anderem Schulungen für Mitarbeiter der Studentenwerke an. Stolz erzählt Meyer auf der Heyde von weiteren Erfolgen: Mietverträge für die Studentenwohnheime gebe es zum Teil schon auf Englisch. Den ausländischen Bewohnern stehen Bildwörterbücher auf Arabisch und Chinesisch zur Verfügung. Sie sollen ihnen helfen, Geräte zu bedienen und sich im Alltag zurechtzufinden. An einzelnen Hochschulen bieten die Studentenwerke soziale und psychologische Beratungen auf Englisch an. „Aber nicht flächendeckend“, sagt er.

Die Humboldt-Universität führte 2016 Englischkurse eigens für Mitarbeiter der Verwaltung ein. Solche Kurse gibt es inzwischen an vielen Hochschulen, oft flankiert von Workshops, in denen Angestellte ihre interkulturellen Kompetenzen schulen. Die Nachfrage ist groß. Doch von einzelnen Hochschulen ist auch zu hören, dass Mitarbeiter sich weigern, ihr Englisch zu trainieren oder die Sprache überhaupt zu erlernen. Manchmal sind es Ältere, die sich nicht mehr fit genug dafür fühlen. Es sind auch Menschen, die meinen, ihr Job sei ihnen sicher und sie brauchten ihre Kraft nicht mehr in eine Weiterbildung zu investieren. Es ist auch zu hören von Teamleitern, die solche Mitarbeiter mit freundlichen Worten zu motivieren versuchen, denn zum Erlernen einer Fremdsprache kann man kaum jemanden zwingen. Doch da die freundlichen Worte nicht immer fruchten, kann es vorkommen, dass ausländische Studenten an der Telefonvermittlung ihrer Hochschule verzweifeln. Ausländische Forscher benötigen dann die Hilfe ihrer deutschen Kollegen, wenn sie mit dem Hausmeister der Uni kommunizieren möchten.

Höflichkeit statt Verständnis

John Cardenas stammt aus Kolumbien und promoviert in Berlin über ein historisches Thema. Sein Doktorvater hat dieselbe Muttersprache wie er, Spanisch. An der Humboldt-Uni findet sich Cardenas auf Englisch zurecht. „Die Angestellten der Unibibliothek sprechen ein flüssiges Englisch“, lobt er. „Ich bekomme von der Univerwaltung gute Unterstützung.“ Die brauche er auch, denn der Kulturschock nach seiner Ankunft in Berlin sei groß gewesen. „Die Deutschen sind so ernst“, sagt Cardenas. Er würde den Small Talk vermissen, der in Lateinamerika üblich sei.

Ein Viertel der Studenten an der TU Chemnitz stammt aus dem Ausland. Mehr als 90 Nationen sind vertreten. „Wir haben viele Studierende aus Indien und China, besonders an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik“, sagt Gerd Strohmeier, der Rektor der TU Chemnitz. So wie viele andere Hochschulen bietet sie Studiengänge komplett auf Englisch an. Englischkurse für nicht-wissenschaftliche Hochschulmitarbeiter gibt es in Chemnitz schon seit 2009.

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