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Informatik in Kaiserslautern : Diplom mit Dracula

Bild: Tresckow-Alaro

Die Pfalz ist bekannt für ihren Wald und ihre Fußballtradition. Bessere Aussichten für die Zukunft hat das „Computer Science Cluster“, das hier entstanden ist. Sogar einen Papst gibt es dort.

          Auf der Fensterbank des Professors steht eine Mitra. Seit 1991 lehrt Detlef Zühlke an der Universität Kaiserslautern. Seine Haare sind weiß geworden im missionarischen Streit für den Brückenschlag zwischen seinem Fach Maschinenbau, der Elektrotechnik und der Informatik. Zum Papsthut aus Papier, den ihm Mitarbeiter gebastelt haben, passt das gut. "Usability Papst" steht darauf. In Zühlkes Credo ist Anwendbarkeit das erste, Interdisziplinarität das zweite Kapitel. "Komplexe Planung, etwa wenn es um neue Produktionsanlagen geht, ist nur abstrahiert zu bewältigen", sagt er. "Informatiker sind das, anders als Maschinenbauer, seit Jahren gewöhnt."

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie Sciencefiction lesen sich die Begriffe auf dem Papier: Das "Zentrum für Mensch-Maschine-Interaktion" hat Zühlke in Kaiserslautern gegründet, auch dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) gehört er an. Doch ihm geht es um alles andere als Wolkenkuckucksheime. Maschinen und Fabriken "made in Germany" sind sein Metier. Kein Techniker wird in Zukunft zur Wartung mehr seinen Laptop einstöpseln müssen, davon ist er überzeugt. Ein Mobiltelefon wird genügen.

          In der „Smart Factory“

          In der "Smart Factory", einer von Zühlke initiierten Teststrecke für moderne Fertigungstechnik, ist das schon Realität. Neun Maschinenmodule stehen in der Halle, jedes passt exakt auf eine Europalette. "Das ist unsere Spielwiese für neue Technologien", sagt Zühlke. Der Beispielprozess "Seife nach Kundenwunsch färben, abfüllen und beschriften" zeigt, wie flexibel sich Maschinen steuern lassen, wenn Informationen per Bluetooth-Signal gesendet und abgerufen werden. Damit das schnell und sicher geschieht, braucht diese Fabrik Informatiker - da ist sie, die Praxistauglichkeit, ja Unvermeidbarkeit für die Produktion, der sich die Computer- und Datenexperten in Kaiserslautern verschrieben haben.

          Ausgerechnet Kaiserslautern. Die Kleinstadt im strukturschwachen Pfälzer-Wald ist ein denkbar unspektakulärer Standort für Hochtechnologie. Der Universität fehlt das Tamtam der in der Exzellenzinitiative erfolgreichen Hochschulen, obwohl sie seit Jahren zu den besten Adressen für Informationstechnik in Deutschland zählt. Im Windschatten des öffentlichen Interesses ist so zwischen Kaiserslautern und Saarbrücken ein südwestdeutsches "Computer Science Cluster" entstanden. An der Trippstadter Straße, die hinauf zur Universität führt, steht es in voller Blüte: Auf dem einstigen Gelände eines Rangierbahnhofs haben das DFKI, das Institut für Oberflächen- und Schichtanalytik und die Fraunhofer-Institute für Experimentelles Software-Engineering sowie für Techno- und Wirtschaftsmathematik Neubauten bezogen, einen Steinwurf vom Uni-Campus. Dort sind zudem das Institut für Verbundwerkstoffe und das Max-Planck-Institut für Software-Systeme zu Hause.

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