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Indische Ingenieure : Attraktiv trotz Nachhilfe

Indische Fachkräfte sind zahlreich vorhanden und trotzdem im Auswahlprozess nicht immer leicht zu identifizieren Bild: dpa

Die richtigen indischen Ingenieure einzustellen ist nicht leicht. Die Bewerbungen sind zahlreich, die Unis von durchaus unterschiedlicher Qualität. Der lange Auswahlprozess lohnt sich aber für deutsche Unternehmen.

          Tausende bewerben sich, wenn wir nur eine einzige Personalanzeige schalten“, sagt Jörg Straßburger, der Geschäftsführer des Chemiekonzerns Lanxess in Indien. Schon das Finden der richtigen Ingenieure ist eine Herausforderung im Land der knapp 1,3 Milliarden Menschen. „Wir schalten für eine erste Auswahl Headhunter ein. Am Ende dieses Prozesses treffen wir selbst dann aber noch mal sechs bis acht Kandidaten je ausgeschriebener Stelle, bevor wir uns entscheiden.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Bei einem Wirtschaftswachstum von knapp 9 Prozent jährlich in Indien und einem Zuzug der internationalen Konzerne auf den Subkontinent haben es indische Ingenieure derzeit leicht, eine Stelle zu finden. Allerdings sind die Hürden hoch: Denn schon die Schulen, erst recht die Universitäten sieben brutal aus. Nur die Allerbesten, manchmal nur zwei oder drei von 100.000 Bewerbern, schaffen es auf eines der berühmten Indian Institutes of Technology (IIT). „Wer von dort kommt, ist echt gut. Nach solchen Bewerbern halten wir Ausschau, auch mit eigenen Präsentationen dort“, sagt Straßburger. Allerdings seien auch die IIT gut organisiert und forderten Unternehmen auf, Monate im Voraus um die künftigen Mitarbeiter zu werben.

          Eine echte Alternative

          Unter dem Strich bestätigen die deutschen Unternehmen, dass die indischen Ingenieure eine echte Alternative bieten. Ihre Kosten liegen zu Beginn nur bei etwa einem Drittel der Deutschen. Zumal ein deutscher Ingenieur sich seine Entsendung ausgerechnet nach Indien teuer bezahlen lässt. „Hier in Indien ist die Hälfte der Bevölkerung jünger als 20 Jahre“, sagt Armin Bruck, Geschäftsführer der indischen Tocher Siemens Ltd. „Die sind alle heiß darauf, bei einem ausländischen Konzern zu lernen, zu arbeiten, sich mit Technik zu beschäftigen.“ Allerdings warnt Bruck davor, die Qualifikation der Bewerber zu überschätzen. „Indien zählt 400 Hochschulen und 20.000 Colleges. Das klingt gut. Aber sie produzieren meist nicht die Qualität, die wir brauchen.“ Deshalb schult Siemens nach: „Es dauert etwa eineinhalb Jahre, um indische Hochschulabgänger so weit auszubilden, dass sie auf dem richtigen Stand sind“, sagt der Siemens-Chef. Solcher Aufwand wird nicht immer entlohnt. Denn Inder haben gelernt, dass der Markt derzeit für sie spielt. Manche wechseln schon nach einem Jahr. Aufschläge von 30 Prozent auf das Gehalt für jeden Sprung sind dabei die Regel - die Verlockung also ist groß.

          „Schein und Wirklichkeit liegen bei indischen Ingenieuren manchmal weit auseinander“, sagt Jochen Mast und stößt damit in dasselbe Horn. Der Mercedes-Ingenieur, der in Stuttgart studiert hat und heute in Chennai für Daimler arbeitet, trifft eine feine Unterscheidung: „Indische Kollegen, die in Europa oder Amerika ausgebildet wurden, sind exakt auf dem selben Stand wie wir, da merken sie keinen Unterschied. Bei den hier in Indien Ausgebildeten ist die Produktivität geringer.“

          Brücken schlagen zu den Indischen Mitarbeitern

          Vielfach fehle es an der Grundlagenausbildung, daran, eine Schraube berechnen zu können oder eine Schweißnaht. „Oft müssen sie auch noch lernen, Verantwortung zu übernehmen, wagen, etwas Neues zu denken und dann dafür einzustehen“, sagt Mast. „Kämen sie frisch nach der Uni in Indien nach Deutschland, würden sie wohl in ein Loch fallen.“ Lanxess-Chef Straßburger hat Unterschiede auf anderer Ebene ausgemacht: „Die Inder sind daran gewöhnt, viele Zuarbeiter zu haben. Wir müssen unseren indischen Ingenieuren erst beibringen, auch mal selbst eine Kopie zu machen oder ihren Arbeitsplatz aufzuräumen - die denken oft, das werde für sie erledigt.“

          Einig ist sich aber das deutsche Trio, dass die indischen Ingenieure für ein ausländisches Unternehmen extrem wichtig seien - und das nicht nur aus den offensichtlichen Kostengründen: „Sie haben eine Schlüsselposition, denn sie schlagen die Brücke zu den indischen Mitarbeitern“, sagt Daimler-Mann Mast. „Die Mühe, sie weiter auszubilden, lohnt sich auf jeden Fall.“

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