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Hochschulreform : Was von Bologna bleibt

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Die Studenten müssen es auslöffeln: Von manchem Ziel der Bologna-Reform ist nach ihrer Meinung nicht viel übriggeblieben. Bild: Getty

Vor zwanzig Jahren wurde die Hochschullandschaft umgebaut. Gute Idee, oder? Das Rezept zur Verbesserung von Europas Unis schmeckt nicht jedem.

          Sophia ist sauer. Das Gespräch mit dem Prüfungsamt ist nicht so verlaufen, wie sie es sich erhofft hatte. Jetzt steht fest: Sie schafft ihr Studium der Kunstgeschichte nicht in der Regelstudienzeit von sechs Semestern. Die Bachelor-Arbeit wird sie auf das nächste Wintersemester verschieben müssen. Eigentlich keine große Sache. Was macht ein Semester schon aus? „Es ärgert mich total“, sagt sie trotzdem. „Jeden Tag stehe ich um 8 Uhr auf, gehe in die Uni und dann zur Arbeit. Komme spätabends heim und stehe total unter Stress. Und jetzt schaffe ich mein Studium nicht mal in der Regelstudienzeit.“

          Sophia (die anders heißt, aber anonym bleiben möchte) ist 21 Jahre alt und das Kind italienischer und ukrainischer Einwanderer. Ihr Abitur machte sie wegen des G8-Systems mit 17, das letzte Semester verbrachte sie in Florenz. Wenn sie ihren ersten akademischen Grad in der Tasche hat, wird sie 22 Jahre alt sein. Darüber kann Juri Soljaris nur schmunzeln. Er ist 32 Jahre alt und seit 12 Jahren an der Universität in Frankfurt eingeschrieben. 2006, als er anfing, konnte man noch auf Magister und Diplom studieren. Da war die Bologna-Reform schon beschlossene Sache, steckte aber noch in den Kinderschuhen.

          Als sich die Bildungsminister der vier größten Mitgliedstaaten der EU – also Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien – vor etwas mehr als zwanzig Jahren trafen, um anlässlich der 800-Jahr-Feier der Pariser Universität Sorbonne den Grundstein für einen immer noch andauernden Prozess zu legen, hatte man vor allem eines im Sinn: die europäischen Hochschulen zu stärken. Die exzellente Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten hatte Europas Universitäten an den Rand gedrängt. Im Zuge des Bologna-Prozesses, der 1999 besiegelt wurde, sollten ein paar grundlegende Veränderungen ihren Weg in den europäischen Hochschulraum finden. Bachelor und Master lösten Magister und Diplom ab, Studieninhalte und die Zeit, sich diese anzueignen, wurden in eine internationale ECTS-Währung, ein Kreditpunktesystem, übersetzt. Dadurch sollten die Studieninhalte vergleichbarer gemacht werden. Studierende sollten leichter die Universitäten wechseln können, am besten über nationale Grenzen hinweg. Und sie sollten durch die Verkürzung der Studiendauer und die Etablierung stärker arbeitsmarktkonformer Studiengänge früher und schneller in den Arbeitsmarkt entlassen werden. Die Harmonisierung des europäischen Hochschulraumes sollte konkurrenzfähigen Nachwuchs produzieren. So die Theorie.

          „Geld musste reinkommen“

          Nathalie Schäfer sitzt im Vorstand des fzs, des Dachverbandes von rund 90 Studentenvertretungen in Deutschland mit etwa einer Million Studenten. Der Verband steht den Ergebnissen von Bologna kritisch gegenüber. „Diese Regelstudienzeit, die eingeführt wurde war ursprünglich mal eine Handlungsmöglichkeit“, sagt sie. „Ein Studium muss in einer gewissen Semesterzahl studierbar sein. Was sich aber daraus entwickelt hat, ist die Vorstellung einer maximalen Studienzeit. Man muss in den sechs Semestern fertig sein. Oder in acht mit Verlängerung. Ansonsten gibt es auch kein Bafög mehr.“ Juri Soljaris von der Uni Frankfurt hat nur zu Beginn seines geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Studiums Bafög bezogen. Weil das Einkommen seiner Eltern zu hoch war, wurde es auf etwa 60 Euro gekürzt.

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