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Uni-Leben : Seilschaften für Anfänger

  • -Aktualisiert am

Karriere- und netzwerkorientierte Vereinigungen gibt es unter den Hochschulgruppen zuhauf. Bild: dpa

Viele stolpern durchs Studium – ohne Idee, was danach kommen soll. Hochschulgruppen versprechen Hilfe. Aber wie nützlich sind sie?

          BWL oder Jura? Massenstudiengänge an Massenuniversitäten erfreuen sich ununterbrochener Beliebtheit. Mehr als 320.000 Studenten haben im vergangenen Jahr ein Studium in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften begonnen – mehr als in jeder anderen Fächergruppe. Die Konsequenz: überfüllte Hörsäle und Studenten, die sich oft alleingelassen fühlen. Das sorgt für Frustration. Zugleich ist die Liste an möglichen Berufen nach einem wirtschafts- oder rechtswissenschaftlichen Studium herausfordernd lang. Gegen teils hohe Kosten versprechen private Business und Law Schools eine Alternative: enge Verbindungen zu Unternehmen sowie übersichtliche Klassen und intensive Betreuung wie sonst nur an der Schule. Stehen Studenten an staatlichen Einrichtungen, zumal an Massenuniversitäten, im Vergleich dazu regelrecht im Abseits? Nicht unbedingt. Dort versprechen Hochschulgruppen Orientierung und Unterstützung.

          Alexander Brauch studiert Jura an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, so wie mehr als 4000 weitere Studenten an seinem Fachbereich. Zu Beginn seines Studiums habe er nicht wirklich gewusst, was ihn erwartet. „Das geht vielen so“, sagt er. Diese Unsicherheit, was da kommt, betreffe aber nicht allein das Studium. Vom späteren Berufsleben hätten viele ebenfalls keine konkrete Vorstellung. „Die Praxis kommt einfach zu kurz“, sagt er. Während seiner Einführungswoche im Studium ist Brauch auf „Elsa“ gestoßen, eine europaweite Vereinigung für Jurastudenten – beim Weihnachtsmarktstammtisch der Frankfurter Hochschulgruppe. Die Mitglieder hat er beim Glühweintrinken kennengelernt. „Da waren Studenten aus höheren Semestern dabei, die schon kurz vor ihrem Examen standen. Die haben viel über das Studium und mögliche Nebenjobs erzählt – das hat wirklich sehr geholfen.“

          Von den Studenten, die zwischen 2007 und 2009 ein Jurastudium aufgenommen haben, hat knapp jeder Vierte das Studium wieder abgebrochen – Studiengang- und Hochschulwechsler nicht eingerechnet. Das zeigen Berechnungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus dem Jahr 2014, die die Ursachen von Studienabbrüchen in Jura untersucht haben. Die Gründe für einen Abbruch sind demnach meist komplex. Aber stattliche zwei Drittel der Studenten nannten den Wunsch nach praktischen Tätigkeiten als einen von mehreren Gründen – nur Schwierigkeiten, das Lernpensum zu bewältigen, spielten eine größere Rolle. Eine Umfrage der Unternehmensberatung EY ergab zudem, dass Studenten vor allem Praktika, Berufserfahrung und Kontakte als wichtig für ihre Karriere ansehen. Sind die Universitäten diesen Studenten also häufig zu akademisch und nicht praxisorientiert genug?

          Kontakte sind alles – für beide Seiten

          Brauch ist dieser Meinung und arbeitet mit seiner Hochschule daran, dass sich das – zumindest für „Elsa“-Mitglieder – während des Jurastudiums in Frankfurt ändert. Der 21-Jährige ist inzwischen Präsident der örtlichen Hochschulgruppe, die knapp 600 Mitglieder zählt. Mit mehr als 50 000 Mitgliedern ist der Verband laut eigenen Angaben die weltgrößte Vereinigung von Jurastudenten. Aber wer steckt hinter dem Verein? Die Partner von „Elsa“ sind Kanzleien, Beratungsunternehmen wie KPMG oder EY sowie Banken wie die Commerzbank. Aber auch das Bildungsministerium, der Deutsche Anwaltverein und die ARD. „Elsa“ sieht sich selbst als „Möglichkeit, sich zu engagieren und weiterzubilden“. Für die Partner ist der Verein auch ein Recruiting-Pool, voll ambitionierter Jungjuristen. Die Gastvorträge und Besuche von Kanzleien, die die Frankfurter Hochschulgruppe gemeinsam mit Partnerunternehmen organisiert, findet Brauch besonders hilfreich, „gerade für Studenten, die noch in der Orientierungsphase sind“. Diese Veranstaltungen zeichneten ein realistischeres Bild von der Arbeitswelt, als Vorlesungen und Seminare es könnten – und sie verschafften wertvolle Kontakte.

          Doch nicht alle Hochschulgruppen sind vornehmlich karriereorientiert. So sind auch die meisten Parteien mit Studenteninitiativen an Universitäten vertreten. Auch gibt es ehrenamtliche Zusammenschlüsse, die sich für wohltätige Zwecke oder eine gemeinsame Sache einsetzen.

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