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Hochschulen der Bundeswehr : Kameraden im Hörsaal

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Tresckow

Seit 35 Jahren gibt es die beiden Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München. Auf keinen Fall wollen sie als Militärakademie gelten. Ihr Studienangebot erreicht höchstes Niveau. Aber kaum jemand weiß das.

          Die Bitte des Pressesprechers klingt eindringlich. "Tun Sie mir einen Gefallen!", fleht der Vertreter der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. "Schreiben Sie nicht ,Bundeswehr-Universität', sondern lieber ,Universität der Bundeswehr'. Das klingt doch schon viel besser." Auch sein Kollege in München macht auf dem Rundgang über den Campus schnell deutlich, was er nicht lesen möchte: "Verwenden Sie auf keinen Fall den Begriff ,Militärakademie' - damit haben wir nichts zu tun."

          Seit 1973, also inzwischen seit mehr als 35 Jahren, betreibt die Bundeswehr zwei Hochschulen: die Universität der Bundeswehr München mit rund 4000 Studenten und die etwas kleinere Helmut-Schmidt-Universität (HSU) in Hamburg. Dennoch haben es die Öffentlichkeitsarbeiter immer noch schwer. "Kommen Sie her", wünschen sich beide, "und machen Sie sich selbst ein Bild." Denn weder den Universitäten selbst noch dem Verteidigungsministerium oder der Bundeswehr ist es bislang gelungen, die Qualität ihrer Lehranstalten bekannt zu machen. Dabei müssen diese sich keineswegs verstecken: Die Studenten der HSU etwa haben bei einer Befragung der Internet-Community StudiVZ ihre Uni zu einer der beliebtesten Hochschulen Deutschlands gewählt, drei Fachrichtungen landeten sogar auf Platz eins.

          Uniformen sind nur am ersten Tag Pflicht

          Doch da haben eben die gewählt, die schon dabei sind. Draußen, das weiß auch Mario Müller, der in Hamburg Politikwissenschaften studiert hat, "haben viele keine Ahnung, dass man hier ganz normal studiert". Müller selbst entschloss sich 2004 dazu, sein Studium an einer Bundeswehr-Universität zu absolvieren - nicht ohne damit auf Widerstand zu stoßen. "Ich musste viele Gespräche führen, vor allem mit Mitschülern, und eine Menge Überzeugungsarbeit leisten", berichtet er.

          Denn was viele nicht wissen: Der Alltag an den Bundeswehr-Unis weicht kaum von dem anderer Universitäten ab - zumindest was die Inhalte betrifft. Uniformen sind nur am ersten Tag Pflicht, nämlich zur Immatrikulationsfeier. Danach bleibt es den Studenten - außer an den sogenannten militärischen Nachmittagen einmal im Monat - selbst überlassen, wie sie sich kleiden. Der Campus ist offen für Besucher, militärische Kleidung trägt hier kaum jemand.

          Geleitet werden die Universitäten der Bundeswehr, die wie alle anderen Universitäten auch einen Forschungsauftrag erfüllen, von zivilen Präsidenten, die vom akademischen Senat gewählt und vom Verteidigungsministerium ernannt werden. Auch das akademische Personal stammt zu fast 100 Prozent aus dem zivilen Bereich. Das ergibt sich schon allein daraus, dass die Studenten nach Beendigung ihrer Ausbildung zur Truppe zurückkehren.

          Lerninhalte wie an herkömmlichen Universitäten

          Entsprechend unterscheiden sich auch die Lerninhalte nicht von denen herkömmlicher Universitäten. Die wahrscheinlich einzige Ausnahme ist, dass die Studiengänge breiter gefächert sind - alle Studenten müssen fachfremde Kurse belegen, die prüfungsrelevant sind - und schneller absolviert werden müssen. Denn an den Universitäten der Bundeswehr wird in Trimestern gelernt. Es gibt also wesentlich weniger vorlesungsfreie Zeit, die Studiendauer ist kürzer. Dass die Studenten die Regelstudienzeit von vier Jahren (sieben Trimester für den Bachelor, fünf Trimester für den Master) offenbar nicht als Belastung empfinden, mag mit dem Betreuungsverhältnis zu tun haben, das hier wesentlich besser ist als an öffentlichen Hochschulen.

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