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Studium in Spitzbergen : Forschen im arktischen Eis

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Willkommen ist, wer an der Heimatuniversität mindestens anderthalb Jahre eine Naturwissenschaft studiert hat. Etwa 500 Studierende können hier an den Lehrstühlen für Arktische Biologie, Geophysik, Geologie und Technologie ihre Gastsemester absolvieren. Studiengebühren erhebt die Unis nicht, die Kosten für Verwaltung, Wohnheimplatz und Verpflegung aber müssen die Studierenden selbst tragen. Ein breitangelegtes Sicherheitstraining ist obligatorischer Teil des Studienplans: Eisbären-Abwehr mit Hilfe von Gewehr und Schreckschusspistole inklusive.

Und so ist die Studentenschaft ein Mikrokosmos von Arktisfans vor allem aus Europa und den Vereinigten Staaten, aber auch aus Trinidad-Tobago und Malawi, aus Äthiopien, Nepal und Venezuela. „Expeditionen sind bei uns verpflichtend für alle“, sagt Jenssen. „Feldforschung in der hohen Arktis - das kann niemand besser anbieten als wir. Allein schon darum, weil unsere Universität ihren Standort mittendrin hat.“ Kältegestählt, orientierungssicher und versiert im Umgang mit Schusswaffen, hat hier schon manch ein Jungakademiker die Weichen gestellt für eine Karriere in der abgeschotteten Welt der Polarinstitute und konzerneigenen Forschungsabteilungen.

Hochwertige Laborausstattung, Kooperationen aller Art

Sozusagen als kognitives Überlebenstraining gilt unter Studierenden Professor Aleksey Marchenkos Seminar „Eismechanik für Ingenieure“. Auf diesem Fachgebiet gilt der gebürtige Russe als eine Koryphäe. Er liebt es, die Seminartafel in gestochener Kreideschrift mit komplexen mathematischen Formeln vollzuschreiben. Bei ihm lernen die Studierenden etwa, den Einfluss von gefrierendem Wasser auf Pipelinerohre zu berechnen - in Druck und Metallausdehnung, unter den Bedingungen von Salz- und Süßwasser, onshore und offshore. Auf Spitzbergen hat Marchenko, der Professor für Eismechanik, einen nahezu idealen Standort für seine Polarstudien gefunden, und das nicht nur, weil seine Ehefrau Nataly ebenfalls an seinem Lehrstuhl arbeitet. An hochwertiger Laborausstattung und Kooperationsprojekten aller Art herrscht kein Mangel: Und was der Staat Norwegen nicht finanziert, das wird von Statoil, Shell oder Gasprom bezuschusst.

Wenn der Wind um das Uni-Gebäude heult und die Dunkelheit vor den Hörsaal-Fenstern nicht enden will, dann treffen sich die Studierenden gerne in einer der Sitzecken mit knautschigen Polstern. Hier erholen sich etwa Eva aus Kanada, Rinat aus Russland und Carl Magnus aus Norwegen von ihren Seminaren. „Für mich als Kanadierin ist das Studieren hier vergleichsweise preisgünstig“, sagt die Geologie-Studentin Eva. Sie spezialisiert sich gerade auf Risikomanagement bei Küstenerosion: „Bei uns gibt es kaum Möglichkeiten, dieses Thema unter arktischen Realbedingungen zu erforschen.“

Rinat absolviert schon seinen dritten Studienaufenthalt auf Spitzbergen. Er forscht zum Thema Kollisionswahrscheinlichkeit von Eisbergen mit Bohrplattformen und Schiffen. Seine Feldstudien sieht er als Karrieresprungbrett in die Rohstoffindustrie. Doch es ist mehr als das: „Spitzbergen ist wie ein Magnet: Wer einmal hier gewesen ist, den zieht es immer wieder zurück.“ Und dann geraten alle vier ins Schwärmen: über Skilaufen und Motorschlittenfahren in grandioser Landschaft, über das Studentenleben in der internationalen Community. Und sogar über das, was man auf Spitzbergen unter Nachtleben versteht. Tatsächlich kann Longyearbyen mit einem hochkarätigen Livemusik-Programm aufwarten, in Bezug gesetzt zur exorbitant weiten Anreise der Musiker und der wenigen Menschen, die als Zuhörer in Frage kommen.

Auch in Grönland wird geforscht

Spitzbergen ist nicht die einzige Lehreinrichtung im ewigen Eis. Das 2001 gegründete Netzwerk Arktis-Universität, eine Kooperation zwischen Hochschulen und Forschungsinstituten aus Kanada, Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Russland, Schweden und den Vereinigten Staaten, soll Bildung und Forschung in der Polarregion fördern. Hier können Studierende den Bachelor im Fach Polarwissenschaft (Bachelor of Circumpolar Studies) erwerben (Informationen unter uarctic.org). Zum kommenden Wintersemester wollen die Universitäten Grönland (Ilisimatusarfik), Nordland in Norwegen (UiN), Akureyri (Nord-Island) und Island zusätzlich den Masterstudiengang „West Nordic Studies, Governance and Sustainable Management“ einführen, der die Herausforderungen der sich schnell wandelnden Rahmenbedingungen der Arktis thematisieren soll (westnordicstudies.net). Grönlands einzige Universität Ilisimatusarfik mit Sitz in der Hauptstadt Nuuk bietet speziell für nichtskandinavische Studierende Lehrveranstaltungen aus den Bereichen Sozial-, Kultur- und Geschichtswissenschaft auf Englisch, ebenso Gastsemester und Forschungsaufenthalte.

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