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Hochschule : Die Rückkehr der Besten

  • -Aktualisiert am

Viele ausgewanderte Wissenschaftler kehren zurück Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Schlechte Bezahlung, veraltete Ausstattung - deutsche Hochschulen waren unattraktiv für Nachwuchsforscher. Das hat sich geändert. Der Appetit deutscher Wissenschaftler auf ihre Heimat wächst.

          Christopher Barner-Kowollik und seine Frau waren sehr zufrieden: Gerade war der 35 Jahre alte Chemiker aus Göttingen zum Direktor eines Forschungszentrums an der renommierten Universität in Sydney aufgestiegen. Er glaubte, sein berufliches Glück gefunden zu haben – bis die Uni Karlsruhe anfing, um ihn zu buhlen. Im neu gegründeten, mit Geld aus der Exzellenzinitiative gespeisten Karlsruher Institut für Technologie sollte er eine Führungsposition übernehmen. Barner-Kowollik bestieg den Flieger, um mit der Universitätsleitung zu verhandeln. „Ob meine Gehaltsforderung oder die Ausstattung, die haben mir alle Wünsche erfüllt und sogar meiner Frau eine Stelle am Fraunhofer-Institut vermittelt“, berichtet der Wissenschaftler. Zusammen mit allen seinen Mitarbeitern wechselte er von Down Under ins Badische.

          „In Deutschland gab es einen bemerkenswerten Reformschub, der von den Universitäten selbst ausging“, beschreibt Sabine Behrenbeck, Referatsleiterin beim Wissenschaftsrat, den Grund dafür. Neu geschaffene Stellen und Zukunftskonzepte ziehen nun jene Nachwuchswissenschaftler an, die einst aus ihrer Heimat geflüchtet sind. „Deutschland braucht sich nicht zu verstecken“, sagt auch Katja Simons, die das Wissenschaftler-Netzwerk „Gain“ in New York leitet, das deutschen Forschern in Amerika eine Rückkehr schmackhaft machen will. Der Appetit der Wissenschaftler auf ihre Heimat wächst. „Die neuen Möglichkeiten sind für viele ein guter Anlass, dort wieder arbeiten zu wollen“, sagt Simons.

          Gerade erschienen Berichte noch dramatisch

          Dabei waren die Berichte über den vemeintlichen Wissensverlust noch vor kurzem dramatisch. Deutschland blutet aus, die Leistungsträger flüchten, das waren die Schlagzeilen. Deutlich waren auch die Zahlen: Das Statistische Bundesamt vermeldete 2006 die höchste Abwanderung Deutscher seit mehr als 40 Jahren. „Wir befinden uns in einer migratorisch suizidalen Situation“, befand der Migrationsforscher Klaus Bade. Er kritisierte vor allem fehlende Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten für Nachwuchswissenschaftler, eine unflexible Besoldung und einen hohen Verwaltungsaufwand. „Die haben die Schnauze voll und gehen.“

          Davon ist an den Hochschulen nicht mehr viel zu spüren. „Mit der Exzellenzinitiative hat sich eine neue Dynamik in den Hochschulen entwickelt“, sagt Sabine Behrenbeck. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro fließen dank der Exzellenzinitiative in ausgewählte Universitäten. Das Karlsruher Institut für Technologie beispielsweise erhielt schon in der ersten Förderrunde 96 Millionen Euro – jedenfalls genug, um Wissenschaftler aus Australien einzukaufen.

          Für Nachwuchsforscher hat sich sehr viel getan

          Was der neue Wettbewerb der Hochschulen für junge Forscher bedeutet, hat auch Katja Schmitz erlebt. Kurz vor der ersten Förderrunde der Exzellenzinitiative ist die heute 30 Jahre alte Chemikerin nach Harvard gezogen, um dort zu promovieren. Bei ihrem ersten Heimatbesuch Anfang 2007 war sie überrascht. „Vor allem für Nachwuchsforscher hat sich in kürzester Zeit sehr viel getan, während beispielsweise die Bewilligungsquoten für Forschungsprojekte in Amerika auf Talfahrt waren“, sagt sie. Inzwischen arbeitet sie wie Christopher Barner-Kowollik mit einer eigenen Forschungsgruppe an der Universität Karlsruhe. „Bei uns haben die Forscher größere Freiheiten“, begründet Christina Beck von der Max-Planck-Gesellschaft die neue Anziehungskraft des Wissenschaftsstandorts Deutschland. „Ganze Institute können sich einem Thema widmen. Außerdem besteht in Amerika ein größerer Druck, Drittmittel einzuwerben.“ Vielerorts wurden neue Programme für ausgewanderte Nachwuchsforscher aufgelegt: Nordrhein-Westfalen gewährt vier Rückkehrwilligen ein Budget von 1,25 Millionen Euro, um über fünf Jahre eine Forschungsgruppe an einer Uni ihrer Wahl aufzubauen. Und die Helmholtz-Gemeinschaft hat in den vergangenen Jahren mehr als 46 Millionen Euro für Jungforscher bereitgestellt.

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