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Hochschule 4.0 : Die Uni der Zukunft

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Schöner studieren: Die Stararchitektin Zaha Hadid hat an der Wirtschaftsuniversität Wien die Moderne schon mal in die Bildungslandschaft transportiert. Bild: Picture-Alliance

Digitale Ausstattung, Architektur, Inhalte: Fachleute skizzieren mit viel Phantasie und Ehrgeiz die Hochschule 4.0. Aber inwieweit kann Bildung eigentlich durch ein Computerprogramm ersetzt werden?

          Nach dem Ende seines Vortrags bedankt sich Paul Kim und fragt seine Zuhörer in Berlin: „Und, wer hat sich bei Smile angemeldet und eine Frage gestellt?“ Es waren wohl nicht allzu viele bei dieser großen Bildungskonferenz, auf der Kim gesprochen hat. „Menschen ändern ihre Gewohnheiten nicht sehr schnell“, lautet die Erklärung des renommierten Bildungsforschers Kim von der Stanford-Universität in Kalifornien. Und dies klingt nicht enttäuscht, sondern wissenschaftlich rational. Kim ist nicht nur Forscher, sondern auch Gründer von Smile (Stanford Mobile Inquiry-based Learning Environment), einer Plattform, die es mittlerweile in 20 Ländern gibt und die auf den Austausch von Wissen setzt. Studenten und Schüler können während des Lernens Inhalte, die sie nicht verstehen, mit dem Mobiltelefon fotografieren, in einer Gruppe posten, dazu Fragen stellen und - auch nach dem Unterricht noch - diskutieren. Für Forscher Kim ist das die Zukunft des Lernens. „Technologie kann Neues möglich machen“, sagt er. „Aber ohne Inhalte und Pädagogik bleibt neue Technik Spielerei“.

          Die Digitalisierung der Universität ist im vollen Gange, und sie weckt nicht nur hoffnungsfrohe Erwartungen. Denn es geht dabei um weit mehr, als Schulen und Universitäten mit Tablets oder elektronischen Tafeln auszustatten. Wie sehen Lernräume und Universitäten der Zukunft genau aus? Welche Rolle soll der Campus als Ort noch haben? Werden Bibliotheken überflüssig, wenn die Literatur digitalisiert ist? Und werden Vorlesungen überhaupt noch besucht, wenn man sie auch im Internet anhören kann? Fragen über Fragen.

          „Jede Hochschule sollte ihre eigene digitale Agenda entwickeln, um die Möglichkeiten der Digitalisierung auf ihr eigenes Profil zuzuschneiden“, sagte Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bildungsministerium, kürzlich in Berlin. Und die deutschen Hochschulen reagieren. Sie wollen mit neuen digitalen Strategien auf die immer vielfältigere Studentenschaft eingehen. Dies geht aus einem Thesenpapier hervor, das eine Expertenrunde aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in Berlin vorgestellt hat. Maßgeblich beteiligt war die Hochschulrektorenkonferenz, ein Dachverband mit fast 300 Mitgliedern. Die Digitalisierung biete „Möglichkeiten, die noch nicht ausgeschöpft werden“, heißt es. Lehre, die nicht nur in Hörsälen und Seminarräumen stattfindet, ermögliche zum Beispiel „flexible Studienzeiten und individuellen Lernprozess“.

          15 Millionen Menschen studieren bei Coursera

          Wilhelm von Humboldt hätte wahrscheinlich an dieser Art der Digitalisierung Gefallen gefunden - er wollte schließlich Bildung für möglichst viele Menschen. Und es tut sich auch schon einiges. An vielen Hochschulen werden virtuelle Kurse aufgebaut, Studienanfänger mit Apps durch ihr Studium begleitet. „Soziale-Netzwerk-Kanäle lassen neue Lernmöglichkeiten entstehen“, sagt Paul Kim von der kalifornischen Eliteuniversität. Auch Technologieunternehmen könnten Studenten helfen, ihre Selbstregulierung zu stärken. An der Online-Hochschule Coursera zum Beispiel studieren 15 Millionen Menschen. Im Vergleich: In Deutschland sind es nur etwas weniger als 3 Millionen. Im vergangenen Jahr wurden fast 2 Milliarden Dollar in sogenannte „Education-Technology-Start-ups“ investiert. Bei allen Unternehmungen und Initiativen ist das Ziel identisch: möglichst viele unterschiedliche Menschen zu erreichen, und das digital.

          Eine ähnliche Entwicklung hat in Deutschland die Fernuniversität Hagen schon seit vielen Jahren durchgemacht. Etwa 1300 Studenten schrieben sich im ersten Semester vor 40 Jahren ein, gegen Bezahlung natürlich. Die Lehrmaterialien kamen als Studienbriefe mit der Bundespost, und für Präsenzveranstaltungen gab es 14 Studienzentren. Heute sind es 29. Hinzu kommen Standorte in der Schweiz, Österreich und Ungarn. Mehr als 75.000 Studenten waren im Sommersemester 2015 immatrikuliert. Inzwischen läuft der Unterricht oft online ab. Auf einer Plattform gibt es Vorlesungsvideos und virtuelle Klassenzimmer. Auch eine digitale Bibliothek ist vorhanden.

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