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Grünes Licht für Gesetzentwurf : Mehr Bafög für Meister und Erzieher

  • Aktualisiert am

Mehr Förderung für angehende Handwerksmeister Bild: dpa

Angehende Handwerksmeister, Techniker aber auch Erzieher können es beantragen: das Meister-Bafög. Künftig soll es deutlich steigen, wie das Kabinett nun beschlossen hat. Ein Schritt gegen zu viel Akademisierung?

          Angehende Meister und andere Fachkräfte sollen künftig mehr staatliche Fortbildungsförderung bekommen. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch grünes Licht für einen Gesetzentwurf zur Erhöhung des Meister-Bafög gegeben. Die Förderung wird zum Teil als Zuschuss, zum Teil als Förderung vergeben; Verbesserungen sind in beiden Bereichen vorgesehen.

          Wer die Abschlussprüfung etwa eines Meisterkurses besteht, soll künftig 30 Prozent seines Darlehens als „Erfolgsbonus“ erlassen bekommen. Bisher sind es 25 Prozent. Der Höchstbeitrag für Lehrgangs- und Prüfungskosten soll von 10.226 Euro auf 15.000 Euro steigen.

          Schon mit einer 2014 beschlossenen Bafög-Novelle wurde zudem festgelegt: Die Förderung zum Lebensunterhalt steigt für Alleinstehende ohne Kind zum 1. August 2016 von 697 auf 768 Euro. Einkommensfreibeträge für die Teilnehmer steigen von 255 auf 290 Euro.

          Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) lobte den Gesetzentwurf und hob dessen Bedeutung für die Zukunftsperspektiven von Studienabbrechern hervor: Die Durchlässigkeit zwischen Hochschule und Ausbildung sei bereits spürbar gewachsen. „So werden Studienabbrecher von den Kammern gerne in Betriebe weitervermittelt“, sagte sie. Ein Ausstieg aus dem Studium bedeute kein Versagen. Studienabbrecher bekämen durch eine berufliche Ausbildung neue Karrierechancen. „Mir ist wichtig, dass wir nicht nur die akademische, sondern auch die duale Ausbildung intensiv fördern", sagte Wanka. „Nun gehen wir mit dem Ausbau des Meister-BAföG einen entscheidenden Schritt weiter. Insgesamt bringen wir ein Millionenpaket für Aufstieg aus der dualen Ausbildung auf den Weg."

          Die Förderung können Fachkräfte und Handwerker erhalten, die sich auf einen Abschluss zum Beispiel als Handwerks- oder Industriemeister vorbereiten. Aber auch vergleichbare Fortbildungen können mit dem Meister-Bafög gefördert werden. So bilden angehende Erzieher mittlerweile die zweitgrößte Gruppe der Geförderten. Auch angehende Techniker, Fachkaufleute und Betriebsinformatiker können Meister-Bafög beantragen.

          Das Meister-BAföG gibt es seit 1996; seither wurden  1,7 Millionen berufliche Aufstiege gefördert. Allein 2014 erhielten rund 171.000 Menschen die Förderung.

          Mehr als 100 Millionen Euro Kosten

          Die neuen Verbesserungen werden einiges an Geld kosten: Zwischen dem für August 2016 geplanten Inkrafttreten der Reform bis 2019 werden die Neuerungen mit mehr als 100 Millionen Euro zu Buche schlagen.

          Nachdem die Reform das Kabinett passiert hatte, gab es auch schon erste kritische Stimmen. Für den Zentralverband des Deutschen Handwerks ist der nun beschlossene 30-Prozent-Erfolgsbonus nur ein kleiner Schritt. „Hier hätten wir uns als positiven Anreiz für den Führungsnachwuchs im Handwerk ein deutlicheres Zeichen gewünscht“, sagt Generalsekretär Holger Schwannecke. Im Gespräch waren 40 bis 50 Prozent.

          Der SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil sagte, er wolle Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren. Die Grünen-Ausbildungsexpertin Beate Walter-Rosenheimer sagte, Wankas Entwurf „kommt zu spät und greift zu kurz“.

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