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Akademisierung : Assistenten für die Ärzte

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Wäre Entlastung für die Ärzte nicht schön? Zum Beispiel beim Blutdruckmessen. Bild: dpa

Alle klagen über viel zu wenig Personal in den Medizinberufen. Jetzt soll sogar eine ganz neue Hochschule Abhilfe schaffen – und ein bislang nur wenig bekannter Beruf.

          „Dass es zu wenig qualifiziertes Personal und Fachärzte gibt, spüren meine Kollegen und ich im Klinik- und Praxisbetrieb täglich“, sagt Mohammed Natour, Leiter der Heidelberger Praxisklinik für Innere Medizin und Kardiologie. Er ist Teil eines Ärzte-Netzwerks, das in Heidelberg eine private Hochschule für Medizinische Assistenzberufe gründen will. „Wir können als Ärzte nicht immer nur kritisieren und fehlendes Personal beklagen. Wir wollen zeigen, dass wir ein großes Problem als Gemeinschaft lösen können.“ Die neue Hochschule soll zum Sommersemester 2020 starten – getragen von einer eigens gegründeten Genossenschaft. Ein Novum in Deutschland.

          Die Hochschule verfolge keine kommerziellen Absichten, sagt Natour, durch Kooperationen mit Praxen und Kliniken soll es keine Gebühren für Studenten geben. Der erste Studiengang ist der Physician Assistant (PA), also Arztassistent. Diesen dreijährigen Bachelor können medizinische Fachkräfte anstreben, die eine Ausbildung in einem Gesundheitsberuf hinter sich haben – etwa zum Rettungssanitäter, Physiotherapeut oder Pfleger. Absolventen sollen im Klinik- und Praxisalltag vor allem Ärzte entlasten, indem sie Aufgaben unter Weisung übernehmen.

          Damit steht der PA für die politisch gewollte, aber nur langsam fortschreitende Akademisierung von Gesundheitsberufen. Ist er in Amerika, den Niederlanden und Großbritannien längst etabliert, steckt er in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Den Bachelor gibt es hierzulande seit 2005. Den Anfang machte die Steinbeis-Hochschule Berlin. Dort hat Sven Seelisch studiert und vor sechs Jahren sein Studium zum PA abgeschlossen. Der 48-Jährige sitzt im Vorstand der Deutschen Gesellschaft der Physician Assitants (DGPA) und arbeitet an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt am Main. Er ist ausgebildeter Krankenpfleger, hat danach Pflegewissenschaften studiert, um sich beruflich weiterzuentwickeln und sagt: „Die Pflege hat es in Deutschland nicht geschafft, ihren eigenen hochqualifizierten Mitarbeitern Perspektiven zu bieten und sie im Beruf zu halten.“ Mit Unterstützung seiner Klinik studierte er abermals und wurde PA. „Damit bin ich glücklich“, sagt er. Neben ihm arbeiten zwei weitere PAs in der Klinik.

          Gesundheitsberufe mehr an der Hochschule lehren

          Etwa 750 bis 800 ausgebildete PAs wie Seelisch gibt es nach Angaben der DGPA in Deutschland, etwas weniger sind derzeit in dem Studiengang eingeschrieben. Den bieten mehr und mehr Hochschulen an – derzeit sind es zehn, weitere befinden sich in der Akkreditierung. Ohnehin sollen Gesundheitsberufe in Zukunft vermehrt an Hochschulen gelehrt werden, dafür hat sich schon 2012 der Wissenschaftsrat ausgesprochen. Von 2020 an sollen Hebammen ausschließlich an Hochschulen ihr Handwerk lernen. Auch Studiengänge in Pflege und Therapie werden deutschlandweit vermehrt angeboten, etwa an der HSG Bochum, der ersten staatlichen Hochschule für Gesundheitsberufe. Dort gibt es Bachelor-Studiengänge in Pflege, Ergotherapie, Hebammenkunde und Physiotherapie. Auch Master-Studiengänge bietet die Hochschule an.

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