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Graduiertenschulen : Doktoranden in der Defensive

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Zwei Doktoranden am Institut für Experimentelle Physik der Uni Leipzig Bild: dpa

Graduiertenschulen sind ein alternativer Weg zur Promotion. Doch nun könnte vielen von ihnen das Geld ausgehen.

          Es war ein Segen für die deutsche Hochschullandschaft, als die Bundesregierung im Jahr 2005 eine ambitionierte Vision verkündete: Deutschland sollte in der Forschung eine Spitzenrolle einnehmen. Dazu förderte sie mit Hilfe der sogenannten Exzellenzinitiative besonders gute Universitäten mit etwa 500 Millionen Euro im Jahr. Und so haben sich im Zuge dessen auch die ersten Graduiertenschulen gegründet – rückblickend eine Erfolgsgeschichte der Exzellenzinitiative. Denn sie hat ein völlig neues Konzept für die Förderung von Doktoranden entworfen: Promovierende werden nicht mehr nur von einem Doktorvater oder einer Doktormutter begleitet, sondern gleich von ganzen Studiengruppen aus demselben Fachgebiet. Seither sind 45 Graduiertenschulen in Deutschland entstanden. Die Universitäten können ihren eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs auf diese Weise deutlich besser fördern, sagen Befürworter des Konzepts. Jedes Jahr hat jede dieser Graduiertenschulen etwa eine Million Euro für ihre Lehre erhalten. Aber dieses Erfolgsmodell steht vor einer ungewissen Zukunft.

          Denn von Oktober 2019 an wird die Bundesregierung den Instituten kein Geld mehr zur Verfügung stellen. Den Stopp der Gelder hatte eine Expertenkommission im Januar 2016 empfohlen, die von den Wissenschafts- und Finanzministern von Bund und Ländern beauftragt worden war. Sie argumentiert: Graduiertenschulen gehören mittlerweile an den meisten deutschen Universitäten zum Standard und brauchten deshalb keine gesonderte Förderung mehr. Inzwischen ist die Bundesregierung dieser Empfehlung gefolgt: Im Oktober 2019 läuft die Förderung aus. Und von Januar bis Oktober 2019 bekommen die Graduiertenschulen nur noch 30 Prozent des bisherigen Geldes. Danach sollen die Doktoranden-Schmieden auf eigenen Füßen stehen.

          Den Schulen bleibt also noch ein Jahr, bis die Förderung ausläuft. Viele von ihnen wird das vor Probleme stellen. Sie befürchten, dass sie dann deutlich weniger Doktoranden als bisher betreuen können. Die meisten werden gezwungen sein, ihr umfangreiches Forschungsprogramm zu kürzen – dazu zählen Auslandsreisen, Seminare und Forschungsstellen für ausländische Wissenschaftler. Fragt man bei den Graduiertenschulen nach, muss jede Schulleitung woanders Abstriche machen. Gewiss ist nur, dass sie nicht mehr im selben Umfang wie bisher arbeiten können. An der Graduiertenschule der Technischen Universität Dresden zum Beispiel wird die ausbleibende Förderung vor allem in der personellen Ausstattung spürbar werden. „Wir können künftig weniger Stellen in der Verwaltung anbieten, obwohl der Aufwand derselbe bleiben wird“, sagt die Programmkoordinatorin Arantxa Sánchez Fernández. „Auch eine Reihe von Qualifizierungs- und Unterstützungsmaßnahmen für unsere Promovierenden wie zum Beispiel die Co-Finanzierung von internationalen Kongressbesuchen werden sich erheblich reduzieren.“

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