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Geschenke für Erstsemester : Fahrrad statt Tütensuppe

Zur Uni radeln: In Kamp-Lintfort gibt es zu diesem Zwecke ein Fahrrad von der Hochschule gestellt Bild: dpa

Computer, Fahrräder, Bahncards: Manche Hochschulen beschenken ihre Erstsemester. Nicht Großzügigkeit steckt dahinter, sondern der harte Kampf um Studienanfänger.

          Kamp-Lintfort am Niederrhein ist eine alte Bergarbeiterstadt. Kurzzeitig bekannt wurde sie allenfalls im Jahr 2006 durch die Insolvenz des Handyherstellers BenQ, die zur Schließung des Kamp-Lintforter Werks führte. Neben der alten Zeche Friedrich-Heinrich, in der bis 2012 tatsächlich noch Kohle gefördert wird, prägen Gewerbegebiete das Stadtbild. Drei plattenbauartige Hochhäuser, im Volksmund die „drei weißen Riesen“ genannt, verschandelten lange die Kulisse. Immerhin: Die Hochhäuser werden abgerissen, 2010 soll der letzte „Riese“ verschwunden sein. Als Studienort macht aber auch diese Kosmetik die Stadt nicht gerade zur ersten Wahl.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das dachten sich wohl auch die Gründer der neuen Fachhochschule Rhein-Waal, die zur Hälfte in Kamp-Lintfort und zur anderen Hälfte im abgelegenen Kleve residiert. In diesem Wintersemester öffnet sie ihre Pforten. Wer entscheidet sich schon für eine unbekannte Hochschule in der Mitte von Nirgendwo? Die Verantwortlichen gingen das Problem mit einer Marketingstrategie an: Sie boten den Erstsemestern Sachprämien an und versuchten, damit möglichst oft in die Schlagzeilen zu kommen. Der Text in der „Bild“-Zeitung etwa klang wie bestellt: „1. Hochschule lockt Studis mit Geschenken“, hieß es darin. Ein Fahrrad, einen Laptop und ein iPhone verspreche die FH ihren Erstsemestern. Über dem Artikel prangt ein Foto von einer hübschen Blondine, mit Handy am Ohr und Notebook auf den Knien.

          Ganz einhalten konnte die Hochschule ihr Versprechen am Ende jedoch nicht. „Wegen der Wirtschaftskrise haben wir nicht so viele Sponsorengelder einwerben können wie geplant“, gibt Vizepräsident Martin Goch zu. Nun bekommen die Studenten keine iPhones, beim Fahrrad und Laptop bleibt es. Wirklich geschenkt sind diese Sachen auch nicht: Weiterverkaufen ist verboten; wer sich exmatrikuliert, muss seine Prämie zurückgeben. Je Student gibt die Fachhochschule für die Lockangebote mehr als 650 Euro aus; das Geld stammt von Sponsoren.

          Buhlen um Erstsemester

          Rhein-Waal ist nicht die einzige deutsche Hochschule, die auf diese Weise um Erstsemester buhlt: Zuletzt machte die Universität Paderborn Furore, indem sie Netbook-Computer im Wert von einer Million Euro an ihre Studienanfänger verteilte, um ihnen Zugang zu einer neuen elektronischen Universitätsplattform zu ermöglichen. Auch hier zahlen Sponsoren aus der Wirtschaft. „Studiengebühren dafür herzunehmen ist absolut tabu“, versichert Universitätspräsident Nikolaus Risch.

          Mit einem etwas anderen Angebot lockt die Universität Potsdam. Hier erhalten Erstsemester, die neu in die Region ziehen, eine Bahncard 50. Normalerweise kostet die Karte je Student 115 Euro, was sich für die Uni auf gut 75 000 Euro je Semester läppern würde. Die Bahn schießt zwar etwas Geld zu, über die Summe haben Bahn und Hochschule aber Stillschweigen vereinbart. Die Uni Potsdam verrät nur so viel: Mehrere zehntausend Euro Staatsgeld aus dem Hochschulpakt werden je Semester dafür ausgegeben.

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