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Gap Year nach dem Abitur : Mut zur Lücke!

  • -Aktualisiert am

Wer ein Gap Year macht, möchte meist gern etwas Sinnvolles tun: Unser Bild zeigt eine Müllsammelaktion am Strand. Bild: plainpicture/Lumi Images/Dario S

Ferne Länder sehen, bedrohte Tiere retten, Sprachen lernen: Ein Gap Year zwischen Abitur und Studium ist beliebt und oft nützlich für den weiteren Lebensweg. Manche Angebote allerdings sind völlig überteuert oder wenig sinnvoll für die Karriere.

          Die Lücke zwischen Abi und Studium, in der Familie Brößling ist sie Pflichtprogramm. „Die Kinder kommen durch das G8-Abi sehr jung aus der Schule und haben angesichts des steigenden Rentenalters noch genug Zeit, etwas anderes zu machen, als gleich zum Studium zu rennen“, erklärt Mutter Katja Brößling, warum ihre Kinder nach der Schule einen Freiwilligendienst antreten sollen. Die Betriebswirtin zeigt sich offen für die Zukunftspläne der Kinder, ob Ausbildung oder Studium. Was genau es werden soll, dürfen sie selbst bestimmen – solange sie vorher ein Jahr lang bewiesen haben, dass sie auf eigenen Beinen stehen können. „Ich finde dieses Jahr unglaublich praktisch für die jungen Leute“, sagt sie. „Sie können sich ausprobieren. Ohne den Druck, gleich wieder im ersten Semester eine Leistung abliefern zu müssen.“

          Brößlings Sohn ist gerade 18 geworden und wird ab September einen Bundesfreiwilligendienst in der Seehundauffangstation in Norden-Norddeich absolvieren. Die Tochter hat noch ein Jahr bis zum Abi, sie will sich politisch engagieren, am liebsten in Frankreich, und fragt gerade bei Parteiorganisationen im Nachbarland an. Zwischendurch hatte die 16-Jährige auch mal mit einer Auszeit in Neuseeland geliebäugelt, aber ihre Eltern hatten ziemlich schnell deutlich gemacht, dass das Jahr selbst finanziert werden muss – und möglichst gesellschaftlich sinnvoll sein soll: „Die Kinder sollen lernen, dass die Gesellschaft und Gemeinschaft für einen da ist und man auch etwas zurückgeben muss“, sagt die Social-Media-Beraterin und Mitbegründerin der Online-Plattform „she works“.

          Seehunde retten, abgeschieden mit anderen Freiwilligen zusammenwohnen oder möglichst viel von der Welt entdecken und sie hier und da ein wenig besser machen – für die unterschiedlichen Zielvorstellungen junger Schulabgänger gibt es inzwischen einen Begriff: das „Gap Year“, ein Lückenjahr also. Aber mit Pause und Nichtstun hat es wenig zu tun: „Es geht um die Phase zwischen zwei Lebensabschnitten, die eine neue Erfahrung mit sich bringt, über eine längere Zeit andauert und häufig mit einem Auslandsaufenthalt junger Menschen in Verbindung gebracht wird“, sagt die Geographin Manuela Bauer. Die Wissenschaftlerin schließt gerade ihre Promotion über „Gap-Year-Reisen“ ab und hat typische „Gappers“ befragt, wie sie sagt. Auszubildende nach der Lehre, Studierende zwischen Bachelor- und Masterabschluss, Abiturienten.

          „Ich habe Angebote gesehen, da schlackerten mir die Ohren“

          „Die Schulabgänger sind die zahlenmäßig größte Gruppe“, sagt Bauer. Schon die Altersverteilung ihrer Erhebung macht es deutlich: 18,9 Jahre alt waren die Probanden im Schnitt, als sie ihre Reise antraten. Um diese jungen Erwachsenen ohne Berufserfahrung oder Studienabschluss für sich zu gewinnen, sie mit Papieren wie Arbeitsvisum und Krankenversicherung zu versorgen oder sie vor Ort zu betreuen, sei ein „Gap-Year-Markt“ entstanden, der regelrecht mit der Auszeit nach dem Schulabschluss wirbt, so Bauer. Ein Beispiel dafür ist die Auszeitberatung von Stefanie Reschke in Aumühle bei Hamburg. „Explorientation“ nennt die Britin ihr Angebot, das sich an junge Schüler richtet: „Die sind oft noch minderjährig, wenn sie die Schule verlassen, und wissen nicht, was sie machen sollen. Aber es soll etwas Konstruktives sein.“

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