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Frauen in der Biologie : Dem Mäuse-Gen auf der Spur

Bild: F.A.Z. - Tresckow

Immer mehr Frauen studieren eine Naturwissenschaft. Auch wenn sie gut sind: Karriere ist schwierig. Einige Hochschulen fördern Wissenschaftlerinnen. So wie das Europäische Molekularbiologische Labor in Heidelberg.

          Melina Schuh verbringt viele Stunden gut gelaunt im Kellergeschoss des EMBL vor dem Computer. Hierauf spielt sie Bilder, die ihr ein konfokales Mikroskop liefert. Durch dieses Lichtmikroskop können virtuelle optische Schnitte durch ein Objekt erzeugt werden. Dank ausgefeilter Software werden diese Schnittbilder dann zu einer räumlichen Darstellung zusammengesetzt. Im Blick hat die Doktorandin die Entwicklung von Maus-Eizellen. Sie betrachtet Aufnahmen von dünnen Schnitten innerhalb der Eizelle. Melina Schuh will wissen, wie eine befruchtungsfähige Eizelle entsteht, und zwar anhand eines Organismus, der mit dem des Menschen verwandt ist. Wenn die Stipendiatin, die in Bayreuth Biochemie studiert hat, über das Thema ihrer Doktorarbeit spricht, ist ihr die Faszination anzumerken. Und auch die Freude darüber, eine Doktorandenstelle in der "Gene Expression"-Gruppe im EMBL ergattert zu haben.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          European Molecular Biology Laboratory heißt das international vernetzte Forschungsinstitut auf dem Heidelberger Boxberg, das 1974 gegründet wurde und inzwischen von 19 westeuropäischen Staaten und Israel unterstützt wird. Das Forschungslabor verfolgt vier Ziele: Es betreibt Grundlagenforschung in der Molekularbiologie. Wissenschaftler in den Mitgliedstaaten können die Geräte und Datenbanken für ihre Forschung nutzen. Mitarbeiter und Studenten werden ausgebildet. Und schließlich werden hier neue Geräte für die biologische Forschung entwickelt. Das Hauptlabor befindet sich in Heidelberg, weitere Standorte sind Hamburg, Grenoble, das italienische Monterotondo und das britische Hinxton. Kurzum, das Labor ist eine erste Adresse für Wissenschaftler geworden.

          Und auch für Wissenschaftlerinnen. Um junge Frauen zu einer Forscherinnenkarriere zu ermutigen, gehen die Mitarbeiterinnen gezielt in Schulen, Universitäten und laden Schüler zu sich ein (siehe Kasten). Das scheint trotz respektabler Zahlen notwendig. Zwar sind längst die meisten neuen Biologen weiblich, ähnlich sieht es in der Chemie aus, und auch in der Mathematik stellen Frauen die Mehrzahl der Absolventen. Weitaus geringer ist allerdings der Frauenanteil bei der Physik, der Informatik und in den Ingenieurwissenschaften und fächerübergreifend vor allem dann, wenn es um renommierte Positionen geht: Mit einem Professorinnen-Anteil von nur 5,9 Prozent an Universitäten rangiert Deutschland ziemlich weit hinten im internationalen Vergleich. In Finnland sind es laut EU-Statistik 18,4 Prozent und in der Türkei sogar 21,5 Prozent.

          Optischer Schnitt durch die Mause-Eizelle: Melina Schuh

          Karrierestart mit Fruchtfliegen

          Ob Melina Schuh später einmal eine Professur anstrebt, das weiß sie noch nicht. Glasklar fest steht aber, dass sie in der Forschung bleiben möchte. "Akademisches Forschen macht mir ganz viel Spaß. Für mich ist es ein großes Geschenk, an der Basis des Lebens etwas anschauen zu können." So wie bei den Ovarien von Mäusen. Die 26-Jährige untersucht, wie die Chromosomenverteilung bei der Befruchtung zustande kommt, ein noch wenig erforschter Mechanismus, der - wenn er denn durchleuchtet ist - später helfen kann, Chromosomendefekte zu verhindern oder Gründe für eine Unfruchtbarkeit zu erkennen.

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