https://www.faz.net/-gyl-8h9n4

Frankfurt School of Finance : „Zum Sprung an die Spitze wären 50 Millionen Euro nötig“

  • Aktualisiert am

Was war entscheidend für den Aufschwung der Frankfurt School?

Treiber war unser Stiftungsrat mit 1a-Adressen aus der Bankenwelt. Aber es gab auch andere Zeiten: Unter Josef Ackermann etwa gingen die großen Fördergelder der Deutschen Bank eher an die Goethe-Universität, nicht an uns. Wir waren damals zuständig für die klassische, traditionelle Bildung im Bankenbereich. Eine strahlende Reputation brachten wir nicht mit. Persönlich waren wir protestantisch-sachorientiert und haben einfach unsere Aufgaben erledigt. Dass Exzellenz und Markenbildung eine große Rolle in der Bildung spielen, kam bei uns erst später an.

So wie es für Business Schools wie Harvard und andere, die längst eigene Marken sind, selbstverständlich ist?

Natürlich. Dabei ist es für Studenten gar nicht so schwer, ein Studium in Harvard zu bestehen, also durchzukommen. Schwer ist es, angenommen zu werden.

War der Wettbewerbsgedanke unter den Business Schools immer schon da?

Dieses Vergleichen, das Erstellen von Rankings, ist relativ neu. Wie lange brauchen Absolventen einer Hochschule, um nach dem Abschluss ein Jobangebot zu bekommen? Wie viel Prozent eines Jahrgangs sind drei Monate nach dem Abschluss beschäftigt? Das sind sehr Business-School-typische Fragen. Aber Studenten, vielmehr ihre Eltern, investieren bei uns auch einiges. Sie müssen sich immer wieder fragen: Warum soll ich pro Jahr 14.000 Euro Studiengebühren bezahlen, wenn ich um die Ecke, etwa an der Uni Gießen, kostenlos studieren kann? Bei uns kommen am Ende des Studiums 40 000 bis 50 000 Euro zusammen.

Warum gehen so viele diesen Schritt?

Wir sind ein reiches Land. Viele sind bereit, diese Gebühren zu bezahlen, um ihren Kindern neben der guten Ausbildung ein besonderes Gemeinschaftserlebnis und hervorragende Karriereperspektiven zu ermöglichen. Das findet man an einer öffentlichen Massen-Uni nicht. Es gibt in allen Schichten den Trend, gegenüber der Vermassung an einer öffentlichen Hochschule der Kunden- und Studentenorientierung einer kleineren privaten Uni den Vorzug zu geben. Insbesondere in Massenfächern wie VWL und BWL wird an den öffentlichen Unis viel Energie ins Überleben gesteckt - statt in die Förderung. Anders als wir in Deutschland sind die Engländer und auch die Amerikaner perfekt darin, Bildung und Lernen als positive Erfahrung bei Studierenden zu gestalten.

Dürfen sich Ihre Studenten als Elite fühlen?

Das ist zweischneidig. Hochschulen wie wir haben den Touch des Elitären, da müssen wir aufpassen. Unsere Studenten müssen auch nach links und rechts sowie nach unten gucken und nicht nur die Ellenbogen ausfahren. Das ist nicht immer ganz leicht. Die haben wahnsinnig viel Energie, sie sind ehrgeizig und wollen etwas erreichen.

Welche Rolle spielen die Professoren im Wettbewerb der Business Schools?

Eine entscheidende. Es wird genau beobachtet: Welcher Wissenschaftler geht wohin, welche Business School konnte wen gewinnen? Wenn ein Star, also ein sehr renommierter Wissenschaftler, wechselt, führt dies zu Netzwerkeffekten. Der Star zieht andere nach. Man erhofft sich Vorteile, etwa Unterstützung bei Veröffentlichungen in guten wissenschaftlichen Zeitschriften. Denn sie sind die entscheidende Währung für forschungsstarke Professoren. Auch dies ist ein neues Phänomen: Gute Veröffentlichungen sind ein zentraler Maßstab.

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.