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Forschung : Schnurstracks an die Spitze

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Eine Auszeichnung nach der anderen: Prof. Dr. Birgit Liss Bild: Archiv

Frauen an der Spitze der Wissenschaft, das ist ein durchaus populäres Thema, zu dem es von der weiblichen Warte aus freilich noch immer selten Positives zu berichten gibt. Für Birgit Liss trifft das Gegenteil zu.

          Frauen an der Spitze der Wissenschaft, das ist ein durchaus populäres Thema, zu dem es von der weiblichen Warte aus freilich noch immer selten Positives zu berichten gibt. Für Birgit Liss trifft das Gegenteil zu. Die junge Biochemikerin ist die diesjährige Preisträgerin des mit einer Million Euro dotierten Alfried-Krupp-Preises für junge Hochschullehrer, einem der inzwischen begehrtesten deutschen Nachwuchspreise in den Naturwissenschaften.

          Gegen zweiunddreißig männliche und fünf weibliche Spitzenwissenschaftler hat sie sich mit ihrer Arbeit in der Parkinson-Forschung durchgesetzt. Ein neuer Glanzpunkt einer Bilderbuchlaufbahn: Schon mit vierundzwanzig Jahren hatte sie ihr Diplom als Biochemikerin in der Tasche, vier Jahre später folgte die Promotion über absterbende Nervenzellen bei Parkinson-Syndrom mit "summa cum laude". Als Postdoktorandin ging sie an die Universität Oxford. Dann erhielt sie Rufe zur Juniorprofessorin von den Universitäten Berlin und Marburg, der sie den Zuschlag gab. Im April 2007, mit fünfunddreißig, wurde sie schließlich ordentliche Professorin für Allgemeine Physiologie in Ulm. Alles findet sich also bei ihr früh, was großen Forschern zu Ruhm und Ehre gereicht: viele Stipendien, vornehmlich von britischer Seite, Publikationen in beachtlicher Zahl und eine Auszeichnung nach der anderen. 2002 kürten sie die Verlage Burda und Johnson & Johnson zur "Frau des Jahres".

          Was treibt sie an?

          Eine ungemein attraktive Frau im Wissenschaftsbetrieb - was treibt sie an? Was sie selbst über sich und ihren Werdegang erzählt, mutet wunderbar klischeebehaftet an: Aufgewachsen im überschaubaren Schafflund bei Flensburg in Schleswig-Holstein, aus soliden und ebenso überschaubaren Verhältnissen stammend - der Vater Arbeiter, die Mutter Hausfrau -, beginnt sie früh, sich mit Naturwissenschaftlichem zu befassen. Das elterliche Medizinlexikon legt dafür den ersten Grundstein. Es folgt das Abitur in Mathematik und Biologie. Im Akademischen gefördert worden sei sie von zu Hause aus nicht, bei der Wahl des Berufes habe man ihr freie Hand gelassen. Brot sollte er bringen und auch Freude, so lautete das elterliche Credo. Die Leidenschaft entwickelt sich später von selbst.

          Unter ihrer Ägide betreiben im Moment fünf junge Leute Grundlagenforschung an dopaminproduzierenden Nervenzellen von Parkinson-Kranken. Einige dieser Zellen sterben im Krankheitsverlauf ab, was die Schüttellähmung hervorbringt, andere aber nicht. Warum? Die Hoffnung der Forscherin: Irgendwann dieses große und gefürchtete Leiden des Alters gezielt therapieren zu können. Selbstverständlich wolle sie irgendwann auch eine Familie gründen. Aber sie habe stets das getan, was ihr gerade am Herzen gelegen habe. Sie habe stets den geraden Weg gesucht. Öl in die Flamme der Frau-Familie-Kind-Karriere-Debatte jedenfalls will sie nicht gießen.

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