https://www.faz.net/-gyl-utbd

Firmenkontakte und Lebensberatung : Von Frau zu Frau zum Job

  • -Aktualisiert am

Wie sie wohl nach oben kommt...? Bild: fotolia.com

Was macht aus Frauen Führungspersönlichkeiten? Und welche Unternehmen würden sie fördern? Eine neue kleine Jobmesse in Frankfurt versucht, Antworten zu vermitteln. Kein leichtes Unterfangen.

          Freitag im Arabella-Sheraton in Frankfurt. Drei Schilder weisen den direkten Weg durch die Lobby in den ersten Stock zur Konferenz-Ecke. Eine Jobmesse, neudeutsch: „Career Forum“. Und zwar für Frauen in Führungspositionen oder kurz davor, die einen „rigorosen Auswahlprozess“ durchlaufen haben, so die Übersetzung aus dem Business-Karriere-Englisch des Anbieters. Wer dessen Homepage studiert, hat ein Bild davon, welcher Frauentyp hier auflaufen soll: Toughe, zielorientierte BWLer-Innen im dunklen Nadelstreif und breitem Stand, straffem Lächeln, den Chefsessel fest im Blick.

          Die Realität sieht bunter aus. Neugierige. junge Frauen Ende 20 bis Mitte 30, beileibe nicht nur in blauer Business-Uniform, unter anderem Juristinnen, Naturwissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen, Medizinerinnen und - natürlich - jede Menge Betriebswirtinnen, klemmen sich an Stehtische auf der Suche nach dem Überblick: vier international agierende Firmen und ein paar renommierte Job-Vermittler warten auf Talente. Die Begrüßung durch den Veranstalter, dem internationalen Job- und Ausbildungsnetzwerker QS, ist freundlich und vor allem englisch. Das angelsächsische Idiom als Lingua Franca der internationalen Geschäftswelt sei enorm wichtig auf dieser Messe, betont die freundliche Organisatorin. Die jungen Frauen, die allermeisten von deutschen Unis, FHs und anderen privaten Ausbildern oder Arbeitgebern in Deutschland nach Frankfurt gereist, wagen es trotzdem auf Deutsch, untereinander und mit den Firmen an den Ständen, was Professionalität und Internationalität aber nicht zu schaden scheint.

          Scheinbar handverlesen

          276 scheinbar handverlesene junge Frauen wurden eingeladen, gekommen waren sie nicht alle. Geschätzte 120 verbrachten den Nachmittag zwischen Geschäftspräsentationen, Vorträgen zu Life-Coaching und Gesprächen mit den Firmen an den Ständen. Manche der Damen waren kurzfristig aufgefordert worden, doch „noch eine Freundin“ mitzubringen. „Da fühlte ich mich dann gar nicht mehr so exklusiv“, kommentierte eine Diplomkauffrau enttäuscht. Zudem hatten sich auch einige Geschäfts-Jungmänner unter die zukünftigen Karrierefrauen gemischt, die „mitgebrachten Freunde“?

          „Recruiters from A-list companies“ hatte QS versprochen, immerhin vier - Deutsche Bank, Accenture, Cisco und L'Oréal - waren da und gesprächsbereit. Der Berater Capgemini hatte kurzfristig abgesagt. Zu wenig, fanden viele der jungen Frauen, auch wenn die meisten mit denen, die da waren, wohl gute, konstruktive Gespräche führen konnten. Die QS-Homepage habe da mehr versprochen, moniert eine Biochemikerin. Aber das QS-Forum, noch frisch auf dem deutschen Jobmessen-Markt, wollte bewusst als kleine Messe antreten und neben den konkreten Kontakten zu den Unternehmen noch etwas anderes vermitteln, nämlich den spezifischen Frauenblick auf die Business-Karriere. Von Unterstützung der Frauen bei ihrer Entwicklung und einer „Work-Life-Balance“ mit Hilfe dieser Messe spricht Daniela Scakanova von QS.

          Was also macht Frauen zu Führern, wie können sie sich positionieren und mit welchen spezifischen Problemen bei ihrer Karriere müssen sie rechnen. Drei Workshops, für die man sich schon bei der Anmeldung entscheiden sollte, und die dann doch letztlich offen waren, diskutierten das Thema. Ein guter Ansatz, fanden die Teilnehmerinnen, doch je älter sie waren, desto weniger zeigten sich beeindruckt von dem, was dabei herauskam. „Nichts, was man eigentlich nicht schon gehört hat“, befand eine 36-Jährige, die mit ihren fünf Jahren Berufserfahrung in fester Anstellung zu den Senioras gehörte. Was ihr fehlten, waren die „klassischen Führungsfrauen“, von deren Persönlichkeit und Erfahrung frau als Nachwuchskraft profitieren kann. Sie hatte gehofft, sagt die Kauffrau mit MBA, die derzeit für eine Wirtschaftprüfungsgesellschaft arbeitet, „dass solche Frauen uns hier Rede und Antwort stehen“. Eine promovierte, 30-jährige Biochemikerin pflichtet ihr bei: „Ein bisschen lau“, eine Referentin habe doch glatt am Ende ihr Buch verkaufen wollen.

          „Wir müssen uns doch gegenseitig pushen“

          Weitere Themen

          Mehr Elektro, weniger Hostessen

          Rundgang über die IAA : Mehr Elektro, weniger Hostessen

          Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung wollen sich Mercedes, Opel, BMW und andere Hersteller von ihrer klimafreundlichen Seite zeigen – und sparen an Platz. Doch auch sonst ist vieles anders als in früheren Jahren.

          IAA, VDA, SPD

          F.A.Z.-Hauptwache : IAA, VDA, SPD

          Peter Feldmann veröffentlicht seine Rede zur IAA online, nachdem er bei der Ausstellungseröffnung nicht eingeplant worden ist. VDA-Chef Mattes tritt zurück und sorgt damit für weitere Unruhe im Verband. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Topmeldungen

          Klimapaket der Regierung : Worauf sich die Koalition geeinigt hat

          Die Spitzen der Koalition haben sich auf eine Klimastrategie geeinigt. Künftig müssen für CO2-Ausstoß Zertifikate gekauft werden, der Plan einer CO2-Steuer ist dafür vom Tisch. Für Bürger sollen im Gegenzug einige Entlastungen kommen.
          Millionen Zuschauer wollen die Fußball-Nationalmannschaft spielen sehen. Doch auf welchem Sender können sie das künftig?

          Telekom kauft alle Live-Rechte : Fußball-EM 2024 erstmals ohne ARD und ZDF

          Die Telekom hat sich die Live-Rechte an allen 51 Spielen der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland im Jahr 2024 gesichert. Das hat die F.A.Z. exklusiv erfahren. Damit gehen die Öffentlich-Rechtlichen Sender ARD und ZDF erstmals leer aus.

          Verfassungsschutz bei Youtube : Humor gegen Dschihadismus

          Nordrhein-Westfalens Verfassungsschutz will den Salafismus dort bekämpfen, wo er bisher freie Hand hatte: in der Youtube-Welt der Jugend. Ein Satire- und ein Informationsformat klären über das Thema auf.
          In einem Bierzelt wie diesem kam es auf der Münchner Wiesn zum sexuellen Übergriff.

          Übergriff auf dem Oktoberfest : Wiesn-Grabscher zu Geldstrafe verurteilt

          Im vergangenen Jahr kam es auf dem Münchner Oktoberfest zu einem sexuellen Übergriff, bei dem ein Mann einer Frau an Brust und Gesäß griff. Kurz vor Beginn des diesjährigen Fest ist nun das Strafmaß verkündet worden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.