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Finanzwirtschaft : Mit Sicherheit ins Amt

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Während seines Praktikums haben sie im Finanzamt offensiv um ihn geworben. Denn von den wenigen Studenten, die sich für Steuerrecht interessieren, können sich noch weniger eine Karriere im höheren Dienst eines Finanzamts vorstellen. Wieso auch, könnte man meinen, wenn man in der Privatwirtschaft als Jurist doch viel Geld verdienen kann? Was die Verwaltung attraktiv mache, sei die Sicherheit, sagt Völker. Er ist erst 25 Jahre alt, für seine Dissertation und das zweite Staatsexamen braucht er noch einige Jahre. Und dann möchte er an eine Familiengründung denken. „Auf dem Amt ist man viel entspannter als ein selbständiger Rechtsanwalt, den ständig Existenzängste plagen“, sagt er, „und die Arbeitszeiten sind sehr viel angenehmer als zum Beispiel in einer Steuerkanzlei.“

Langweilig soll der Posten bitteschön nicht sein

Trotzdem ist er sich noch nicht sicher, ob er wirklich in die Verwaltung will. Im Referendariat will er deswegen noch einmal einige Monate Station im Finanzamt machen. Dann will er sich entscheiden. Denn langweilig soll er auch nicht sein, der sichere Posten. Und die Klischees vom langweiligen Beamtenjob stecken eben doch noch in den Köpfen. Dass man als Steuerinspektor im Finanzamt den ganzen Tag Zeitung liest, glaubt Völker aber nicht: „Ich bin mir sicher, gerade im höheren Dienst sind die Aufgaben anspruchsvoll und abwechslungsreich genug.“ Es seien vor allem Führungsaufgaben, die Juristen im Finanzamt übernähmen, sagt Cessy Kühl vom Finanzamt Passau. Wer als Steuerinspektor dort anfange, werde direkt Chef: Sachgebietsleiter, wie es im Beamtendeutsch heißt. Bestenfalls steigt man später bis zum Amtsleiter auf oder macht Karriere in einem Ministerium. Kühl ist Juristin und leitet im Finanzamt Passau nun eine Außenstelle.

So weit schaffen es die Diplom-Finanzwirte von der Fachhochschule für Finanzen nur selten. Zwar können sie aus dem gehobenen Dienst in den höheren Dienst aufsteigen, das gelingt aber nur wenigen. Florian Güttler, der - genau wie Lennart Domnick jetzt - auf Schloss Nordkirchen studiert hat, entschied sich deswegen, seinem Finanzamt den Rücken zu kehren. Zwar durfte Güttler dort schon kurz nach seinem Abschluss einen ganzen Verwaltungsbezirk übernehmen, für den er dann die Steuererklärungen bearbeitete, auf lange Sicht schien ihm das Finanzamt aber als eine berufliche Sackgasse.

Wer nicht im Finanzamt bleibt, muss die Studiengebühren zurückzahlen

Denn Güttler wollte sich mit internationalem Steuerrecht beschäftigen, und als ihn nach einem Jahr im Finanzamt ein Headhunter auf einem Karriereportal im Internet anschrieb, war klar, dass er sich bei den großen vier Steuerberatungsgesellschaften bewerben wollte. Auf den Kulturschock, den er dann erlebte, war er vorbereitet: „Mir war klar, dass das ein großer Schritt und vor allem ein ganz anderes Arbeiten ist“, sagt Güttler. Verwöhnt vom Amt, hat er lange überlegt, welches der vier großen Unternehmen ihm wohl die besten Arbeitsbedingungen biete. Denn auf die vier Bewerbungen folgten vier Vorstellungsgespräche - und vier Jobangebote. Eines nahm er an.

“Im Finanzamt habe ich die Steuererklärung vom Bäcker um die Ecke bearbeitet“, sagt Güttler. „Heute berate ich internationale Unternehmen und gehe mit den Chefs die Steuerfolgen ihrer Entscheidungen durch. Und zwar nicht nur für Deutschland, sondern auch für jedes andere Land, in dem das Unternehmen einen Sitz hat.“

Und der Wechsel in die freie Wirtschaft hat sich für Güttler auch finanziell gelohnt. Allein sein Monatsgehalt ist jetzt viel höher, die Boni kommen obendrauf. Einen Wermutstropfen gibt es aber: Alle Finanzbeamten im gehobenen Dienst, die nach ihrer Ausbildung an der Fachhochschule für Finanzen nicht mindestens vier Jahre beim Finanzamt bleiben, müssen die Kosten für das Studium zurückzahlen. Ein großes Problem sei das aber nicht, sagt Marcus Reif von Ernst & Young. Erst kürzlich habe er wieder mit einem jungen Diplom-Finanzwirt „eine Lösung gefunden“. An den Kosten für die Rückzahlung an das Land hat sich sein Unternehmen beteiligt und dem Beamten eine fünfstellige Ablösesumme gezahlt. Damit sich der Wechsel auch wirklich lohnt.

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