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Familie und Beruf : Lara fiebert, Mama verliert ein Jahr

  • -Aktualisiert am

Junge Eltern haben es an den Hochschulen nicht leicht Bild: dpa

Sechs bis sieben Prozent der Studierenden haben Kinder. Doch die Hochschulen öffnen sich nur langsam einer neuen Familienpolitik. Betreuungsmöglichkeiten fehlen allerorts. Eine Kinderkrankheit kann eine kleine Katastrophe sein.

          „Manchmal“, sagt Jana Pringsheim, „ist es schon zum Verzweifeln.“ Dann zum Beispiel, wenn die Anmeldung für ein wichtiges Seminar oder eine Prüfung genau einen halben Tag lang möglich ist. Und zwar genau an dem halben Tag, an dem Lara morgens mit hohem Fieber aufwacht. Wenn Prüfungen, an denen man aus demselben Grund nicht teilnehmen kann, erst im übernächsten Semester wiederholt werden können. Oder wenn man aus einem Seminar "schlicht rausgeschmissen wird", weil man zwei Termine verpasst hat.

          Sechs bis sieben Prozent aller Studenten in Deutschland haben ein oder mehrere Kinder. Eine Zahl, die mittlerweile schon fast seit Jahrzehnten konstant ist. Dennoch, so zeigen über denselben Zeitraum wiederkehrende Studien, wurden sie im Uni-Alltag bislang kaum wahrgenommen. Als das in Hannover ansässige Hochschul-Information-System HIS Ende 2002 Studenten nach der Lebenssituation von Studierenden befragte, konnte bei einigen Statements knapp die Hälfte der Befragten ohne Kind überhaupt keine Angabe zu den Belangen ihrer Kommilitonen mit Kind machen. "Die sind selbst so mit dem Studium beschäftigt", klagt eine studierende Mutter aus Bremen, "das interessiert die einfach nicht."

          Sechs Stunden fehlen fürs Lernen

          Dabei ist die Situation von Eltern auch an der Hochschule alles andere als einfach, wie unter anderem eine Befragung von 63 Vätern und 210 Müttern an der Universität Oldenburg ergab. 55 Prozent fühlten sich durch das Kind stark eingeschränkt, 32 Prozent immerhin noch mittelstark. Und auch andere Studien zeigen, dass sich das Studium von Eltern problematischer gestaltet als von kinderlosen Studienkollegen. 14 Prozent der Kinderlosen, aber 47 Prozent der Studierenden mit Kindern unterbrechen laut einer gemeinsamen Erhebung von HIS und Deutschem Studentenwerk (DSW) ihr Studium mindestens einmal. Und das keineswegs nur für Erziehungszeiten, sondern oft auch um Geld zu verdienen. Darüber hinaus steht ihnen aber auch während des Studiums weniger Zeit zu Verfügung: Mit 28 Stunden pro Woche investieren sie rund sechs Stunden weniger ins Lernen, wobei die verlorene Zeit dabei keineswegs dem Nachwuchs zugutekommt, sondern ebenfalls fürs Geldverdienen draufgeht.

          "Aus eigener Leistung", findet Heinrich Prinzhorn, sei das eigentlich kaum zu schaffen. Der 22 Jahre alte Vater eines einjährigen Sohnes studiert in Göttingen Chemie. Weil auch seine Freundin bis vor kurzem noch studierte und außerdem einen Großteil ihres Lebensunterhaltes bei Obi an der Kasse verdienen musste, mussten die Großmütter helfen.

          17 Krippen hat sie abgeklappert

          Dabei sind die Finanzen alleine noch nicht einmal das Problem, wie Beate Mittring betont, Referentin am Studentenwerk München und zuständig für die Beratung von Schwangeren und Studenten mit Kind. Auch wenn das vielbeschrieene Kinder-Bafög immer noch nicht in die Tat umgesetzt ist. Dennoch gibt es zahlreiche Transferleistungen, die zumindest dann gezahlt werden, wenn beide studieren oder jemand alleinerziehend ist. Das weit größere Hindernis, sagt Mittring, "ist auch und gerade für Studenten die Kinderbetreuung".

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