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Europäische Bildungsminister : Sorge wegen schlecht ausgebildeter Akademiker

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Lernen Akademiker in Europa das Richtige? Oder wären viele in einer Ausbildung besser aufgehoben? Bild: Cornelia Sick / F.A.Z.

Etwa 21 Prozent aller Europäer mit Hochschulabschluss arbeiten in Berufen, für die gar kein Studium nötig wäre. Das Thema alarmiert die Bildungsminister in Brüssel: Die akademische Bildung lasse zu wünschen übrig - vor allem in Spanien und Italien.

          In Europa besuchen immer mehr junge Menschen Universitäten - bekommen dort aber nicht immer das nötige Rüstzeug für den Arbeitsmarkt mit. „Die europäischen Bildungssysteme weisen ein strukturelles Problem auf“, heißt es in einem EU-Bericht der 28 europäischen Bildungsminister, der in dieser Woche Thema in Brüssel war. In dem Dokument unterstreicht die EU-Präsidentschaft unter anderem, dass derzeit 21 Prozent aller Europäer mit Hochschulabschluss in Jobs arbeiten, für die normalerweise kein Studium nötig ist.

          Die Zahl der Hochschulabsolventen zu erhöhen, sei zwar ein erklärtes politisches Ziel der EU, erläutert die Präsidentschaft. Anreize der Regierungen sowie angespannte Arbeitsmärkte in Krisenzeiten hätten tatsächlich dazu geführt, dass mehr Menschen sich für eine längere Ausbildung entschieden. Allerdings sei die Qualität der Schulen und Universitäten von Land zu Land sehr unterschiedlich. Außerdem passten Studieninhalte und die von potentiellen Arbeitgebern verlangten Fachkenntnisse vielerorts nicht zusammen.

          Insbesondere in Deutschland gibt es aktuell eine große Akademisierungsdebatte. Darin wird beklagt, dass ehemalige Lehrberufe verstärkt an die Unis und Fachhochschulen wandern und die Unternehmen immer schwieriger Auszubildende finden. Viele Arbeitgeber wünschen sich aber gerade Berufsanfänger mit dualer Ausbildung - anstelle etwa eines FH-Studiums.

          Spanische und italienische Uniabsolventen besonders schlecht

          Besonders schwierig ist die Situation laut EU-Fachleuten etwa in Spanien und Italien: Dort können Uniabsolventen im Durchschnitt weniger Kompetenzen vorweisen als Nichtstudierte aus bestimmten anderen Ländern, zum Beispiel den Niederlanden. Die EU beruft sich hier auf den „PIAAC“-Test der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der die Lese-, Mathematik- und Technikkompetenz von Erwachsenen ermittelt.

          Die europäischen Fachminister tauschten in der Debatte Ideen aus, wie sich die Praxisnähe der Ausbildung verbessern lasse. Es sei wünschenswert, Schülern und Studenten verstärkt Fähigkeiten wie Verhandlungsgeschick, Kenntnisse über Produktionsverfahren oder unternehmerisches Wissen beizubringen, so die EU-Präsidentschaft.

          Der belgische Wirtschaftsprofessor Frank Vandenbroucke gab in der Ministerrunde zu bedenken, dass es mit höheren Bildungsausgaben nicht unbedingt getan sei - wichtig sei es auch, viel besser zu kontrollieren, ob das Geld tatsächlich wirksam verwendet werde.

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