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Prognosen : Die Fußball-EM - eine Wissenschaft für sich

  • -Aktualisiert am

Deutsche Fußballfans in einem französischen Café. Bild: AFP

Mathematiker, Statistiker, Ökonomen - auf einmal tummeln sich an den Universitäten Fußball-Prognostiker. Alle wollen das Ergebnis der EM vorhersagen.

          Natürlich können auch Tiere als Orakel für den Verlauf eines großen Fußball-Turniers herhalten. Schließlich erlangte der Krake Paul während der WM 2006 in Deutschland eine gewisse Berühmtheit, und der Pinguin Flocke hat sich für die gerade begonnene Europameisterschaft in Frankreich auch schon warm gelaufen. Aber so ganz will die Wissenschaft den zoologischen Ratgebern das Feld nicht überlassen. Gleich mehrere deutschsprachige Hochschulen haben deshalb vor dem Turnier eine Prognose über den Verlauf vorgestellt - ein Spielfeld für Mathematiker, Statistiker und Informatiker.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Goethe-Universität in Frankfurt am Main zum Beispiel verspricht eine „wissenschaftlich fundierte Prognose“, wagt sich dann aber doch nicht allzu weit vor. Mathematiker der Uni haben in ihrem Prognosemodell drei Faktoren herangezogen - historische Ergebnisse inklusive des Torverhältnisses, die Rangliste des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) und den aktuellen Mannschaftswert - und die Wahrscheinlichkeit eines Turniergewinns errechnet. Demnach dürften Deutschland (15,84 Prozent), Spanien (15,57) oder England (10,15) das Endspiel gewinnen. Wer mag, kann unter fussballmathe.de auch selbst am Prognosemodell und den Parametern herumbasteln.

          Die Fachhochschule des Mittelstands in Köln und die International School of Management in Frankfurt sind dagegen etwas entschlossener bei ihrem Blick in die Zukunft. Sie sagen konkret voraus: Polen erreicht überraschend das Halbfinale, Österreich immerhin das Viertelfinale, das Halbfinale bestreiten Polen gegen England und Deutschland gegen Frankreich, das Finale Deutschland gegen England. Auch hier flossen Daten wie die Rangliste des Europäischen Fußball-Verbands (Uefa), der Marktwert der Mannschaften oder die Zahl der erzielten Tore in der EM-Qualifikation ein. Allerdings versichern die Autoren, dass auch „zusätzliche Sondereffekte und Zufallsfaktoren einbezogen“ wurden - auch wenn nicht ganz klar wird, welche das sind.

          Österreich als Gruppenerster?

          An der Technischen Universität Wien war immerhin ein vorbelasteter Autor am Werk: Hardy Hanappi vom Institut für Stochastik und Wirtschaftsmathematik ist nämlich der Sohn des früheren österreichischen Nationalspielers Gerhard Hanappi, der in den fünfziger Jahren als einer der besten Spieler der Welt galt und mit Österreich 1954 WM-Dritter wurde. Hanappi junior nahm für seine Computersimulation die Daten aller Länderspiele seit 2012, an denen die EM-Mannschaften beteiligt waren, und legte Parameter für jeden einzelnen Mannschaftsteil - Torwart, Abwehr, Mittelfeld, Angriff - fest. Jedes Gruppenspiel sei dann am Computer „Minute für Minute durchsimuliert“ worden, „und zwar tausendmal hintereinander“.

          Die K.-o.-Spiele will Hanappi noch abwarten, um danach seine Computeralgorithmen auf den neuesten Stand zu bringen, für die Gruppenspiele aber haben er und seine Mitarbeiter sich schon festgelegt. Zwei Ergebnisse: Österreich qualifiziert sich als Gruppenerster für das Achtelfinale, Deutschland nur als Gruppenzweiter. Statistiker der Universität Innsbruck schließlich haben sich bei ihrer Prognose - anders als alle anderen Hochschul-Orakel - an den Quoten von Buchmachern orientiert. Auch sie legen sich schon früh fest: Der Sieger aus Frankreich gegen Deutschland im Halbfinale spielt im EM-Endspiel gegen Spanien - und Spanien verliert.

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