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Digitale Bildung : „E-Learning ist ein Stiefkind“

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Präsenzvorlesung mit Zettel und Stift: Digitales Lernen ist an deutschen Hochschulen noch nicht sehr populär. Bild: ZB

In der digitalen Bildung geht es an deutschen Hochschulen im Vergleich zu amerikanischen oder russischen Unis wenig voran, sagt Christoph Igel. Er beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit dem Thema E-Learning - und erklärt im Interview die Gründe.

          Sie forschen seit Ende der neunziger Jahre zum Thema digitale Bildung. Damals hatten nur wenige Studierende einen PC, heute nutzen sie Computer und Internet täglich. Hat sich das E-Learning also durchgesetzt?

          Nicht wirklich. Lange Zeit sind wir davon ausgegangen, dass Lerntechnologien die Präsenzlehre an den Unis ersetzen würden. Bislang nutzen viele Hochschulen die digitalen Möglichkeiten aber bestenfalls, um Lerninhalte als statische Präsentationen in Form von PDFs zum Herunterladen ins Netz zu stellen. Dabei wird nicht bedacht, dass gerade junge Menschen heutzutage vor allem Smartphones und Tablets nutzen, auf denen Inhalte viel interaktiver und spielerischer dargestellt und Videos oder Apps zum Lernen sehr einfach genutzt werden können. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass es auch an den Studierenden selbst liegt, dass das Thema digitales Lernen an deutschen Hochschulen bislang eher stiefmütterlich behandelt wird.

          Warum?

          Weil sie es schlichtweg nicht einfordern. Die Annahme, E-Learning würde die heute mit Studium und Job zeitlich stark beanspruchten Studenten ansprechen, die sich dadurch den Besuch von Vorlesung und Bibliothek sparen, hat sich nicht bewahrheitet - im Gegenteil: E-Learning wird von Studierenden vor allem ergänzend zur Präsenzvorlesung und zur Vorbereitung auf Klausuren genutzt. Auch die These, junge Menschen im ländlichen Raum würden aufgrund schlechter Infrastruktur digital studieren, um sich weite Wege zu sparen, scheint nicht zu greifen. In Flächenstaaten wie Amerika, Russland, China oder Australien ist E-Learning wesentlich weiter verbreitet als in Deutschland, wo wir über kurze Wege und ein dichtes Netz an Präsenzhochschulen verfügen. Zudem sollte man nicht unterschätzen, wie wichtig soziale Kontakte gerade für Studienanfänger sind. Anschluss an andere finden sie im Präsenzstudium natürlich leichter.

          Möchte jemand trotzdem rein digital studieren, worauf sollte er bei der Wahl des Studiengangs achten?

          Prof. Dr. Christoph Igel leitet das Center for Learning Technology im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

          Manche Studiengänge haben hohe Präsenzteile mit Kontakt zu anderen Studierenden, andere absolviert man eher am Computer mit virtuellen Tutoren. Es ist also wichtig zu überlegen, ob man Einzelkämpfer ist oder den Austausch mit anderen will. Auch sollte man prüfen, ob ein Studiengang zu einem staatlich anerkannten Abschluss führt und ob er akkreditiert ist. Ein weiteres Qualitätskriterium kann die Empfehlung eines Fach- oder Berufsverbandes sein. Gerade bei berufsbegleitenden Studiengängen kann das ein Gütesiegel sein.

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