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Duales Studium : Souverän in zwei Welten

Bild: Tresckow

Duale Angebote verbinden ein Studium mit intensiven Praxiserfahrungen. Die Ausbildung ist anstrengend. Der Berufseinstieg gelingt danach aber fast von allein.

          So läuft es normalerweise ab: Zuerst kommt das Studium, dann das Traineeprogramm. Doch muss das so sein? Nein, meinten der Schraubenhersteller Würth und die Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Die Unternehmen sind mit dem Vorschlag an uns herangetreten, das Studium durch ein Traineeprogramm anzureichern“, erzählt Ulrich Brecht, Dekan am Campus Schwäbisch Hall der Hochschule Heilbronn. Der Hochschule gefiel die Idee, gemeinsam mit den Unternehmen konzipierte man ein solches Programm. Nun werden die ersten zehn Studenten daran teilnehmen. Sie werden nicht weniger Zeit an der Fachhochschule verbringen als andere Studenten; die Praxisphasen finden nämlich in den Semesterferien statt. Es hätten schon weitere Unternehmen Interesse an dem Angebot angemeldet, berichtet Brecht. Das wundert ihn nicht: „Die Studenten sind über zweieinhalb Jahre immer wieder im Betrieb, da lernt man sie wirklich kennen.“

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Studienbegleitende Traineeprogramme sind ein kleinerer Teil des großen Angebots an dualen Studiengängen, das inzwischen in Deutschland existiert. Daneben gibt es Studiengänge, in denen kann man ein Studium mit einer Lehre verbinden. In anderen Programmen verbringen Studenten die Hälfte ihres Studiums in ein und demselben Unternehmen und durchlaufen dort verschiedene Bereiche. Inzwischen gibt es hierzulande mehr als 900 duale Studiengänge. Die ersten wurden vor mehr als dreißig Jahren an den Berufsakademien in Baden-Württemberg eingerichtet. Seit etwa drei Jahren erleben duale Angebote in ganz Deutschland einen Boom. So stieg nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung 2010 das Angebot an dualen Studiengängen um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr; die Steigerung war dreimal höher als im Jahr 2009.

          Maßnahme gegen Praxisferne

          Nicht nur die Abiturienten, die sich in großer Zahl auf diese Studiengänge bewerben, auch die Unternehmen wünschen sich mehr solcher Programme. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) vom Herbst 2010 haben viele Unternehmen beklagt, dass ein großer Teil der Studenten, auch die fachlich hervorragenden, das Gelernte nur unzureichend anwenden könnten. Das war der wichtigste Grund, warum sich Unternehmen nach der Probezeit wieder von Mitarbeitern trennten. Nach Auffassung des DIHK wirkt sich negativ aus, dass bei der Umstellung auf die sechssemestrigen Bachelor-Studiengänge Praxissemester weggefallen sind. Eine besonders geeignete Maßnahme gegen die Praxisferne der Absolventen wäre nach Meinung der befragten Unternehmen ein größeres Angebot an dualen Studiengängen. Einige beklagten jedoch, dass die Hochschulen zu wenig über Studienmöglichkeiten informierten und dass es in ihrer Nähe keine Hochschule mit einem passenden Fächerspektrum gebe.

          Für Baden-Württemberg dürfte dies freilich weniger gelten. Dort haben sich vor zwei Jahren die Berufsakademien zur Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) zusammengeschlossen. An acht Standorten bietet sie gemeinsam mit 9000 Partnerunternehmen 80 Studiengänge in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Sozialwesen an. Mit 26 000 Studenten ist die DHBW die zweitgrößte Hochschule des Bundeslandes. In den nächsten Jahren werde man wohl zur größten heranwachsen, sagt DHBW-Sprecher Benjamin Godde. Wer an der DHBW studiert, hat sich zuvor bei einem Unternehmen beworben, das ihn für die Zeit seines sechssemestrigen Studiums angestellt hat. Dafür wird jeden Monat ein Gehalt gezahlt, das je nach Branche und Unternehmen zwischen 400 und gut 1000 Euro beträgt. Im Wechsel verbringen die Studenten drei Monate an der Hochschule und drei Monate im Unternehmen und haben am Ende eineinhalb Jahre Praxiserfahrung und einen Bachelor-Abschluss in der Tasche.

          Nur zehn Prozent brechen ab

          Godde wirbt für das Studium. Die Abbrecherquote betrage nur 5 bis 10 Prozent. 85 Prozent der Absolventen fingen direkt nach dem Studium in ihren Unternehmen an. Unter den übrigen 15 Prozent überwiegten diejenigen, die noch andere Pläne hätten. Dass man mit einem Abschluss an der DHBW Karriere machen kann, steht für Godde außer Frage. Sogar bis ganz an die Spitze eines Konzerns könne man gelangen, sagt er. „Einer unserer ersten Absolventen ist Bernhard Schreier, der Vorstandsvorsitzende von Heidelberger Druck.“ Schreier hat sein Maschinenbau-Studium an der Berufsakademie Mannheim mit eineinhalb Jahren Praxiserfahrung in dem Unternehmen verbunden, dessen Chef er heute ist.

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