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Doppelbelastung : Studium mit Kind - wirklich kein Problem?

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Zwischen Filius und Philosophie: Julian Arnold mit seinem Sohn Henri auf dem Campus Westend der Goethe Universität, ehemals Wirkungsstätte von Theodor Adorno. Bild: Frank Röth

Das Kind schon während des Studiums bekommen. Eine gute Idee? Da hat man noch viel Zeit und wenige Verpflichtungen. Aber manche Fächer sind für junge Eltern die reinste Zumutung.

          Emilie kam im vierten Semester, und sie war ein Wunschkind, obwohl beide Eltern noch studierten. Ihr Papa Martin hat es nie bereut, dass die Kleine mitten im Politik-Bachelor zur Welt kam. Martin ist 24. Nach der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks gehört er zu jenen fünf bis sechs Prozent in Deutschland, die während ihres Studiums ein oder mehrere Kinder großziehen. Bei rund 2,7 Millionen Studenten, die aktuell in Deutschland eingeschrieben sind, dürfte Martin aus Bamberg also einer von etwa 160.000 jungen Eltern an den Hochschulen hierzulande sein.

          Die absolute Zahl junger Mütter und Väter an der Uni hat in den vergangenen Jahrzehnten mit der Zahl der Studenten zugenommen. Sie ist aber auch prozentual leicht gestiegen. Woran das liegt, können Studentenwerke und Unis nur mutmaßen. Studien, die hierzu verlässliche Informationen liefern, gibt es nicht. Eine Erklärung - ganz ohne empirische Grundlage - ist, dass sich die jetzige Generation ihren Lebenslauf nicht mehr vorschreiben lässt. Erst Studium, dann Arbeit und dann Familie - das traditionell lineare Modell passt für viele junge Menschen nicht mehr ins Lebenskonzept. Den „Masterplan“ gibt es für die meisten ohnehin nicht. Auch mit Familie studiert es sich ganz verschieden. Obwohl die Herausforderungen durchaus ähnlich sind.

          Geld ist immer ein Thema. Auch bei Emilies Eltern in Bamberg. Beide werden von ihren Elternhäusern unterstützt, zusätzlich gibt es Bafög, Elterngeld, Wohngeld, das volle Programm. Er jobbt auch noch nebenbei. „Wir kriegen das Geld ganz gut rein“, sagt Martin. Wie es dann mal ohne Elterngeld aussieht, wird man sehen. So, wie es jetzt ist, funktioniert es jedenfalls ganz gut. „Man kann mit Kind auch seine Millionen loswerden“, sagt Martin. „Aber man kann auch günstig wegkommen.“ Clever sparen ist angesagt. Bei der Kleidung zum Beispiel stöbern er und seine Frau gern auf dem Markt, ob jemand Gebrauchtes abgeben kann. „Die Kleine wächst so schnell raus, die Sachen sind eh keine drei Monate getragen“, sagt er. Und im Vergleich zu neu Gekauftem sind die Chemikalien schon ausgewaschen. Als Student sei man es ohnehin gewohnt, ein bisschen sparsamer zu sein als andere. Allerdings: „Es braucht auch das entsprechende Elternhaus. Man muss mit Geld auch umgehen können.“

          „Stunden so gelegt, dass immer einer zu Hause ist“

          Das Haushaltsbuch ist eine Sache. Die viel größere Herausforderung ist es, alles zeitlich unter einen Hut zu bekommen. Ein Krippenplatz kam für die jungen Eltern nicht in Frage. Auch wenn es ein entsprechendes Angebot vom Studentenwerk gibt. „Die Kleine ist jetzt acht Monate. Wir wollten sie noch nicht weggeben“, sagt Martin. „Wir haben unsere Stunden so gelegt, dass immer einer zu Hause ist.“ Er hat Emilie auch schon mit in die Vorlesung genommen. „Dann setze ich mich halt hinten an die Tür und gehe raus, wenn sie was sagt.“ Dozenten ließen sich bislang jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Das Brabbeln des Kleinkinds sorge zumeist für allgemeine Erheiterung. Bis jetzt funktioniere alles problemlos. Martin liegt zeitlich noch immer im Rahmen - und zwar auch, weil er ein Erziehungssemester genommen hat, als seine Tochter zur Welt kam. „Ich durfte Punkte machen, wie ich es für richtig hielt. Es zählte aber nicht als Fachsemester“, sagt er. Martin wird seinen Abschluss in diesem Sommer in der Regelstudienzeit erreichen.

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