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Doktorand mit 18 Jahren : „In der Schule war mir meistens langweilig“

  • Aktualisiert am

Marian Kogler Bild: MLU

Mit zweieinhalb Jahren konnte Marian Kogler lesen, mit 16 hatte er sein Diplom. Jetzt ist er der vermutlich jüngste Hochschuldozent in Deutschland. Interview mit einem Hochbegabten.

          Sie sind erst 18 Jahre alt, unterrichten seit diesem Semester als Doktorand aber schon an der Universität in Halle. Gibt es unter Ihren Zuhörern überhaupt Studenten, die jünger sind als Sie selbst?

          Das weiß ich nicht, ich habe die Studenten nicht danach gefragt. Aber falls es jüngere geben sollte, wären sie ihrer Zeit voraus. Die Übung zur Informatik-Vorlesung „Automaten und Berechenbarkeit“ ist eine Veranstaltung für Zweitsemester.

          So wie Sie. Waren Sie schon als Kleinkind an Computern interessiert?

          Nein. Mein Lieblingsfach war zuerst Chemie, Informatik lief eher nebenbei - bis mir eine Chemielehrerin die Freude an diesem Fach verdorben hat.

          Seit wann wissen Sie selbst über Ihre besondere Begabung Bescheid?

          Mit drei Jahren habe ich in einem Intelligenztest einen IQ von über 150 erreicht, das ist jenseits der Grenze zur Hochbegabung. Aber ich bin danach eigentlich genauso aufgewachsen wie andere Kinder - nur dass ich eben schon lesen, rechnen und schreiben konnte.

          Wie haben Sie so früh lesen gelernt?

          Das weiß ich auch nicht genau. Vermutlich durch Beobachtung, beim Fernsehen zum Beispiel. Und plötzlich konnte ich es - ich habe meinen Vater gefragt, warum meine Mutter auf einen Notizzettel für ihn „Achtung“ geschrieben hatte. Da war ich zweieinhalb Jahre alt.

          War Ihnen die Hochbegabung in Kindheit und Jugend eher Last oder Lust?

          Teils, teils. In der Schule hing das vor allem von den Lehrern ab. Manche sahen mich als einen Unruheherd an, ohne den sie weniger Arbeit hätten. In diesen Klassen haben mich dann auch manche Mitschüler gemobbt.

          Wie ließe sich das vermeiden?

          Alle Lehrer müssten über Hochbegabung Bescheid wissen. Und das Schulsystem müsste flexibler sein - damit Schüler je nach Begabung zum Beispiel in Mathematik auf höherem Niveau als in Geographie lernen können.

          War Ihnen in der Schule oft langweilig?

          Ja, deshalb war ich auch nie länger als drei Jahre am Stück in einer Klasse, bevor ich ein Jahr übersprungen habe. Ich wurde mit fünf Jahren eingeschult, drei Jahre danach kam ich aufs Gymnasium, zwei Jahre später wechselte ich auf eine bilinguale Schule. Und mit 13 Jahren habe ich nebenher angefangen zu studieren. Meine Matura, das österreichische Abitur, hatte ich mit 15. Ein Jahr später konnte ich das Bachelor-Studium abschließen, mit 17 das Master-Studium - in Österreich darf man sich dann „Diplomingenieur“ nennen.

          Und jetzt? Ist Ihnen immer noch langweilig, weil Ihre Studenten vielleicht nicht so schnell sind wie Sie?

          Nein. In der Lehre muss ich mich konzentrieren, um möglichst anschaulich zu erklären. Dafür habe ich kein Patentrezept, aber ein Ziel: Die Studenten sollen am Ende denken, dass der Stoff ja eigentlich ganz einfach ist.

          Warum sind Sie zur Promotion von der TU Wien nach Halle gewechselt? Angeblich sind doch die amerikanischen Elitehochschulen das Nonplusultra.

          In Halle wird auf meinem Spezialgebiet geforscht, mein Doktorvater ist darin sehr angesehen - und hier war gerade eine Stelle frei. Ein amerikanisches Ph.D.-Programm wollte ich nicht, weil sich darin viel aus meinem Master-Studium wiederholt hätte.

          Wann wollen Sie die Promotion abgeschlossen haben?

          Das kann schon in einem Jahr sein, was aber unwahrscheinlich ist. Eher in zwei oder drei Jahren.

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