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Digitalisierung : Mehr Ordnung im Datenwust

  • -Aktualisiert am

Berge von Daten fallen an den Unis an: Aber wohin damit? Bild: dpa

Wissenschaftler und Studenten an Universitäten befragen Haushalte, vermessen Körperzellen oder analysieren historische Schriften. Bei allem fallen Daten an. Aber wohin bloß damit?

          Klaus Schäfers ist Elektroingenieur - und eine Art Künstler. Er produziert täglich Bilder, aber nicht mit Pinsel und Stift. Schäfers und seine Kollegen am European Institute for Molecular Imaging (EIMI) an der Universität Münster nutzen für ihre Kunstwerke Geräte mit solch schwerfälligen Namen wie Positronen-Emissions-Tomograph. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler daran, die Bildgebungsverfahren solcher Tomographen zu verbessern. Egal ob die Maschine gerade eine Maus oder einen Menschen vermisst: Das Ziel der Forscher ist es, die Körperzellen und deren Funktionen so genau wie möglich abzubilden.

          Bei den molekularen Fotoshootings kommen täglich 50 bis 100 Gigabyte an Daten zusammen. Die Forscher müssen die riesigen Bilddateien dann so speichern, dass alle Kollegen im Münsteraner Exzellenzcluster „Cells in Motion“ (CiM) sie finden und damit arbeiten können: Mathematiker und Physiker, aber auch Mediziner, Biologen und Informatiker brauchen zuverlässig Zugriff auf die Bilder. Datenmanagement sei deshalb das A und O, sagt Schäfers: „Ich bin kein gelernter Datenmanager, aber die Bilddaten zu sortieren und so abzulegen, dass alle Kollegen sie wiederfinden können, gehört einfach zu meiner täglichen Arbeit.“ Anders wäre die interdisziplinäre Zusammenarbeit unmöglich.

          Forschungsdaten existieren, seit es Forschung gibt. Aber mit dem technischen Fortschritt sind die Daten, die Wissenschaftler erheben, auswerten und archivieren, immer häufiger digital. Die Münsteraner Tomographen-Bilder existieren als Datei auf einem Server. Auch Sozialwissenschaftler führen Umfragen mitunter online durch - solche Informationen sind von vorneherein elektronisch gespeichert. Sogar Geisteswissenschaftler arbeiten immer häufiger mit digitalisierten Texten - „Digital Humanities“ heißt das dann. Und so wachsen auch in der Wissenschaft die Datenberge - und Akademiker stehen vor der gleichen Frage wie Manager in der Wirtschaft: Wie bekommt man „Big Data“ bestmöglich in den Griff?

          Experimente und Geld mit bisherigen Daten sparen

          Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fordert seit Jahren, dass sogenannte Forschungsprimärdaten, also die reinen Zahlen, Zitate und Fakten, mindestens zehn Jahre auf geeigneten Speichern verfügbar sein sollen. Das würde der guten wissenschaftlichen Praxis dienen: Wissenschaftler können ihre eigenen Schlussfolgerungen gegenüber Kollegen einfacher belegen, wenn die Datenbasis mit ein paar Klicks zugänglich ist. Nicht zufällig fordern immer mehr wissenschaftliche Journale die Rohdaten an, aus denen Wissenschaftler die publizierten Ergebnisse gewonnen haben - das geht heute schnell, man braucht ja nur ein paar Dateien. Außerdem steigen die Möglichkeiten zur sogenannten Nachnutzung der Daten. Forscher könnten sich manch ein Experiment sparen, wenn die Daten für andere Forscher zugänglich auf Servern liegen würden, anstatt in Laborbüchern in einem Archivregal zu verstauben. Es ist nicht zuletzt ein Kostenfaktor: Experimente kosten Geld, vor allem, wenn sie mit teuren Geräten gemacht werden, wie es oft in den Naturwissenschaften passiert.

          Solche Möglichkeiten eröffnen sich aber nur, wenn jemand die anfallenden Daten managt. Das heißt: Jemand muss dafür sorgen, dass sie strukturiert und einheitlich abgelegt werden. Und jemand muss entscheiden, wer Zugang zu den Daten erhält. Wissenschaftler werden durch die Digitalisierung also auch zu Verwaltern digitaler Archive.

          Der Münsteraner Forscher Schäfers ist mit der Zeit in die Aufgaben eines Forschungsdatenmanagers hineingewachsen und kümmert sich freiwillig um dieses Thema: „Am Institut gab es einfach keinen, der die Expertise schon mitgebracht hätte“, sagt Schäfers. Also eignete er sich die nötigen Kompetenzen selbst an. Er hilft den Kollegen heute bei allen Fragen zum Speichern und Wiederfinden, zu Formaten und Dateinamen. Er kümmert sich um die Planung der technischen Infrastruktur, er erklärt, welche Bilder wo und mit welchen Metadaten abgelegt werden müssen.

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