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Die Öko-Studiengänge : Umweltschutz 2.0

Thomas Meuser ist von den Zukunftschancen seiner künftigen Absolventen unverdrossen überzeugt, der große Bewerberstrom blieb in Iserlohn zunächst jedoch aus: Maximal 35 Erstsemester hätte die Hochschule im vergangenen Oktober aufnehmen können, vergeben wurden mangels geeigneter Bewerber nur zwölf Plätze. Die Studiengebühren von rund 22.000 Euro für sechs Semester lässt Meuser als Erklärung nicht gelten. „Wir konkurrieren mit Fächern wie Medienwirtschaft oder Sport- und Eventmarketing“, sagt er stattdessen. „Das klingt in den Ohren vieler Abiturienten verlockender.“

Die zweite Generation von Studiengängen

Tatsächlich gilt es offenbar nicht nur die zweite Generation des Umweltschutzes zu entdecken, sondern auch eine zweite Generation von Studiengängen, die Umweltmanager ausbilden sollen. Denn als die erste grüne Welle in den achtziger und neunziger Jahren durch die Hochschulen schwappte, galt es beim Umweltschutz erst in zweiter Linie ans Geldverdienen zu denken, wenn überhaupt. Gefragt waren fast ausschließlich Tüftler und Techniker.

So werden von den rund 250 Studiengängen mit einem Bezug zu den erneuerbaren Energien, die der Wissenschaftsladen Bonn in Deutschland gezählt hat, mehr als vier Fünftel von den Ingenieurwissenschaften angeboten, nur magere 5 Prozent von den Wirtschaftswissenschaften. Nicht immer stecke hinter dem grünen Etikett auch ein entsprechender Inhalt, bemängelt Theo Bühler vom Wissenschaftsladen, der auch die Job- und Bildungsmesse in Gelsenkirchen organisiert. „Das Angebot wurde zum Teil schneller ausgebaut als die Lehrkapazität.“ So gebe es in Deutschland nur 30 Vollzeitprofessuren, die explizit der Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft gewidmet seien. Noch nicht professionell genug ist seiner Ansicht nach auch die Personalarbeit in vielen Unternehmen der Branche. „Vor fünf Jahren war das Thema meistens noch ein Feierabendgeschäft“, berichtet er. „Das ändert sich nun. Die Branche ist schließlich keine Nische mehr.“

Ein internationales Geschäft

Ein Vorreiter dafür ist das Mainzer Unternehmen Juwi, das als Projektentwickler für alle Sorten der „Erneuerbaren“ auftritt. In Gelsenkirchen präsentieren sich die Juwi-Referenten betont geschäftsmännisch: Christoph Breuer, der Personalchef des Unternehmens, trägt einen dunklen Anzug, ein Hemd und eine orangefarbene Krawatte - das „corporate image“ stimmt. Knapp 90 Prozent der Neueingestellten von Juwi seien Akademiker, überschlägt Breuer bei seiner Präsentation im Konferenzsaal der Wissenschaftsarkaden. Seine Worte kommen gut an im Publikum: Vor zu viel Routine müsse sich niemand fürchten, weil sich Wind-, Sonnen- und Wasserprojekte munter abwechselten. Und für den internen Qualifikationsbedarf habe das Unternehmen ein eigenes Fortbildungszentrum für Quereinsteiger.

„Ich bin Ingenieur, was muss ich können, um bei Ihnen anfangen zu können?“, fragt ein Zuhörer. Breuers Antwort kommt ohne Zögern: „Sprachen, Sprachen, Sprachen - und Sprachen.“ Der Umweltschutz 2.0 ist ein spannendes internationales Geschäft, so lautet seine Botschaft. Auch Sören Trautmann hat sie gehört: Er hat seine Diplomarbeit bei Juwi geschrieben. Ein Stellenangebot war bislang jedoch nicht die Folge. Vielleicht liegt das aber auch einfach am gestiegenen Konkurrenzdruck: Viele Abtrünnige oder Abservierte aus der kriselnden Automobilindustrie suchen derzeit nach besseren, grüneren Aussichten. „2008 hatten wir noch knapp 400 Bewerbungen im Monat“, berichtet Breuer. „In diesem Februar waren es 1200.“

Grüne Studien

- Eine Übersicht der Studiengänge mit Bezug zu den erneuerbaren Energien hat der Wissenschaftsladen Bonn erstellt: www.jobmotor-erneuerbare.de

- Einen Einblick in die Branche gibt das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien auf seiner Internetseite: www.iwr.de

- Berater, Manager und Ingenieure für die Solarenergie will die TU Berlin in ihrem neuen Masterstudiengang „Global Production Engineering for Solar Technology“ ausbilden; auf die Kombination von ökonomischer, technischer, naturwissenschaftlicher und juristischer Kompetenz setzt das neu gegründete Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung in Kassel. Auf eine langjährige Erfahrung mit Umweltmanagement-Studiengängen können die Universitäten in Lüneburg und Trier verweisen.

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