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Debatte über Akademisierung : Müssen bald alle Menschen studieren?

  • -Aktualisiert am

Immer mehr Studenten - kann das wirklich gut sein? Bild: dapd

Mehr Schulen, mehr Abiturienten, mehr Lehrer und mehr Akademiker. Die Bildungsexpansion ist beispiellos. Fachleute streiten, wie lang sie weitergeht. Und wozu.

          Immer mehr Menschen haben immer höhere Bildungsabschlüsse. So geht die Entwicklung in Deutschland seit hundert Jahren. Kann es immer so weitergehen? Nein. Denn der Endpunkt wäre der Zeitpunkt, an dem jeder Akademiker ist. Die radikale Frage, die sich zur Zukunft der Bildungsexpansion stellt, lautet also: Werden eines Tages alle studieren dürfen? Oder müssen?

          Der Bildungshistoriker Hans-Elmar Tenorth von der HU Berlin meint, eine solche Egalisierung sei „vielleicht sogar unausweichliche Konsequenz der historischen Entwicklung“. Das schreibt er in der neuen Streitschrift „Die Akademiker-Gesellschaft“ aus dem Beltz Verlag, in der Fachleute darüber nachdenken, ob es gut wäre, wenn bald alle studierten.

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          Die Bildungsexpansion dauert - noch - an. Vor wenigen Jahren erlangten erstmals mehr als die Hälfte der deutschen Schulabsolventen die Hochschulreife. Die Zahl der Abiturienten stieg in nur 20 Jahren rasant: Von 1992, als noch 186.158 junge Menschen das Abitur machten, auf 305.172 in 2012. Politiker aller Parteien wollen die Abiturientenquote weiter erhöhen. Schleswig-Holsteins parteilose Bildungsministerin Waltraud Wende zum Beispiel kündigte an, in ihrem Land solle sie von 45 Prozent auf mehr als 50 Prozent steigen.

          Die Organisation OECD fordert schon lang eine weitere Erhöhung auch der Studierendenzahlen. Während in Deutschland knapp die Hälfte eines Jahrgangs (2005: erst 36 Prozent) studierten, sind es im OECD-Schnitt gut 60 Prozent. Im Vergleich zu 2005 gelang trotzdem ein Sprung nach vorn: Damals lag die Quote in Deutschland noch bei 36 Prozent.

          Die geburtenschwachen Jahrgänge sind angekommen

          Doch die Geschwindigkeit des Ausbaus von Schulen und Hochschulen ist nicht mehr so groß, wie sie von 1960 bis in die frühen Achtzigerjahre war, als überall im Land neue Gymnasien, Gesamtschulen und Universitäten gebaut wurden. Zumindest nicht, was die Schulen betrifft. Hier unterrichten derzeit zwar mehr Lehrer mehr Schüler als je zuvor. Doch die geburtenschwachen Jahrgänge sind angekommen. Grundschulen werden geschlossen, ihre Gesamtzahl geht seit Jahren gegen den Trend zurück. Hier gibt es, demographisch bedingt, schon heute einen Bildungs-Rückbau. Er wird in wenigen Jahren die Gymnasien und dann die Hochschulen erreichen. Es sei denn, die jungen Leute sind länger in der Bildungsfabrik - also der Abitur- und Akademikeranteil steigt weiter an.

          Die Entwicklung beklagen etwa die Handwerksverbände, weil sie kaum mehr talentierte Bewerber für Ausbildungsplätze fänden. Eine „Expansionsphobie“ nennt solche Warnungen der Hochschulforscher Ulrich Teichler. Auch der Geschäftsführer des Forschungsinstituts CHE und Vorstand der Bertelsmannstiftung Jörg Dräger gibt sich in der Streitschrift als Befürworter des Trends. Er sei Resultat der individuellen Wünsche junger Menschen: „Kein Bildungspolitiker oder Wirtschaftsvertreter wird sich dauerhaft dem individuellen Drang nach höherer Bildung entgegenstellen können.“

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