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Mehr Geld, andere Rückzahlung : Das bringt die Bafög-Reform

Bis zum Start des Wintersemesters ist es noch etwas hin, um seinen Bafög-Antrag kann man sich trotzdem schon kümmern. Bild: dpa

Die Anzahl der Bafög-Bezieher geht seit Jahren zurück. Nun will die Regierung eine Trendwende herbeiführen. Damit können Studierende künftig rechnen.

          Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 518.000 Studenten erhielten im Jahr 2018 Bafög, das waren 39.000 beziehungsweise 7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Abwärtstrend hält mittlerweile seit 2013 an. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will nun mit einer Bafög-Reform gegensteuern. Diese ist seit dem 1. August in Kraft und setzt an verschiedenen Punkten an. So steigt der Förderhöchstsatz im Jahr 2020 von monatlich 735 Euro auf 861 Euro.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zudem wird der Wohnzuschlag für Bafög-Empfänger, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, von derzeit 250 Euro auf 325 Euro angehoben. Auch die Freibeträge für das Einkommen der Eltern werden erhöht, wodurch mehr Studierende überhaupt erst Anspruch auf Förderung erhalten und wieder andere mehr Geld bekommen sollen. Die Anhebung erfolgt über drei Jahre gestaffelt: im ersten Schritt 2019 um 7 Prozent, 2020 um 3 Prozent und 2021 nochmals um 6 Prozent.

          Erleichtert wird darüber hinaus die Rückzahlung der Fördersumme. Generell gilt weiterhin, dass die Hälfte der individuellen Förderbeträge als zinsloses Darlehen gewährt wird, das naturgemäß zurückzuzahlen ist. Maximal beläuft sich diese Summe aber „nur“ auf 10.010 Euro. Zuvor waren es 10.000 Euro. So müssen fortan nach Beendigung des Studiums im Höchstfall 77 Monate lang 130 Euro zurückgezahlt werden. Diese Rate kann auch reduziert werden, wenn die Einkommenssituation es nötig macht. Wer das Darlehen auf einmal oder in größeren Schritten tilgen will, erhält auch weiterhin einen prozentualen Nachlass. Die Rückzahlungspflicht erlischt nach 20 Jahren, wenn man „trotz allen Bemühens“ während dieser Zeit finanziell nicht in der Lage war, die entsprechende Summe aufzubringen.

          Bafög-Rechner bieten Orientierung

          Das Bundesbildungsministerium gibt sich optimistisch, dass die neuen Regeln zu einem Anstieg der Bafög-Bezieher führen werden. Es rechnet damit, dass es in zwei Jahren „über 100.000 Bafög-Geförderte im Jahresdurchschnitt mehr geben wird als ohne die Reform“. Die Opposition ist naturgemäß weniger angetan von den Neuerungen. Grünen-Politiker Kai Gehring sagte, die „mutlose Novelle“ reiche nicht aus. Fördersätze und Freibeträge müssten in diesem Semester um mindestens zehn Prozent angehoben werden und danach automatisch und regelmäßig steigen. Ähnlich äußerte sich die hochschulpolitische Sprecherin der Linken, Nicole Gohlke.

          Unabhängig von der Reform sollten angehende Studierende bei dem Thema Bafög noch einige grundsätzliche Dinge auf dem Schirm haben: „Bafög wird erst von dem Monat an gezahlt, in dem es beantragt wird“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks.

          Wer einen Antrag stellen will, sollte sich also rechtzeitig vor dem Start des Wintersemesters darum kümmern. Zumal auch weiterhin diverse Dokumente einzureichen sind, die man erst mal zusammenstellen muss. Damit am Ende nichts fehlt und sich die Auszahlung nicht verzögert, bieten viele Studierendenwerke Checklisten an. Zur grundsätzlichen Orientierung eignen sich auch Bafög-Rechner im Internet. Alle Faktoren für die Berechnung berücksichtigen diese allerdings nicht. Generell empfehlen die Studierendenwerke, ruhig einen Antrag zu stellen – selbst wenn die Fördersumme letztlich vielleicht nur im zweistelligen Bereich liegt. Das könne sich im Laufe des Studiums ja auch ändern, so die Argumentation.

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