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Damenverbindungen : Gemeinsam durch die gläserne Decke

  • -Aktualisiert am

Frauen fehlt oft das Zutrauen

Solche Hemmungen könnten mehr als vermeintliche verschwörerische Männerbünde dafür sorgen, dass Frauen in der Wirtschaft nur selten an die Spitze kommen. Dafür spricht zum Beispiel eine Umfrage des EWMD unter den wenigen weiblichen Aufsichtsräten und Vorständen: Deren Ansicht nach fehlen anderen Frauen nicht die Fähigkeiten für die Top-Jobs, sondern oft das Zutrauen in sie - und der Glaube an den eigenen Erfolg. „Um diese gläserne Decke im Kopf zu durchstoßen, hilft es ungemein, Vorbilder um sich zu haben“, unterstreicht Gruner. „Sie bestärken einen beim Karrieresprung und sagen: Du machst einen super Job - trau dich und spring!“

In 40 europäischen Städten arbeitet das Netzwerk daran, Frauen ins Top-Management zu befördern. Unternehmen nutzen den Zirkel mit seinen 800 Mitgliedern wiederum auf der Suche nach geeigneten Führungskräften. Damit die Weichen früh richtig gestellt werden, gibt es zudem ein EWMD-Mentoring für den Nachwuchs. Virginia Madukanya hat es genutzt, als sie beim Abschluss ihrer Promotion darüber nachdachte, wie es weitergehen soll - ob an der Uni, wie bisher in einer Personalberatung oder in einem anderen Unternehmen. Am Ende hat sich die Wirtschaftspsychologin für den Wechsel ins Talent-Management eines Lebensmittelkonzerns entschieden. „Meine Mentorin hat die richtigen Fragen gestellt, zum Beispiel, was eine Stelle für meine Ziele bietet“, lobt sie.

„Männer sind von klein auf gewohnt, um ihren Platz zu rangeln“

Rückhalt und Austausch im weiblichen Netz helfen auch gegen Entmutigungen kurz nach dem Berufseinstieg. „An der Hochschule zählen in erster Linie Leistung und Noten, um weiterzukommen“, sagt Angelika Wagner, die Leiterin des Expertinnen-Beratungsnetzes an der Universität Hamburg. In der Wirtschaftswelt ändern sich die Spielregeln. „Männer sind von klein auf gewohnt, um ihren Platz zu rangeln“, sagt die Sozialwissenschaftlerin. „Auf viele Frauen wirkt das, als hätten sie Tennis spielen gelernt und müssten sich nun auf dem Fußballfeld beweisen.“ Hinzu kommen Missverständnisse - wie jenes, dass Frauen aufgrund ihrer guten Leistung schon bemerkt würden. „Der Vorgesetzte hört indes nicht viel von ihren Erfolgen und wirbt auch nicht für ihren Namen“, warnt Wagner. Wer aber nicht bekannt ist, wird nicht gefördert - und bleibt nach zwei, drei Jahren im Beruf stecken, der Aufstieg endet an der vielbeklagten „gläsernen Decke“.

Damit Frauen die Mikropolitik in Unternehmen verstehen lernen, hat die Universität Hamburg jetzt das Förderprogramm Unica für Studentinnen und Doktorandinnen - vorerst nur der Sozialwissenschaften - ins Leben gerufen: Ausgesucht wurden 20 Kandidatinnen, die nicht nur mit Noten glänzen, sondern in Tests vorab Teamgeist und Durchsetzungswillen bewiesen haben. Im April beginnt das Projekt, an dem sich Unternehmen wie Unilever, Philipps oder Otto beteiligen. Workshops zur beruflichen Entwicklung, auch zur inneren Gelassenheit, gehören dazu.

Zugleich sollen erfolgreiche Managerinnen vier Jahre lang den Berufsstarterinnen zur Seite stehen: Bei der Wahl des Einstiegsjobs, beim späteren Umgang mit den informellen Regeln des Unternehmens und beim Verfolgen ihrer Karriereziele. „Unsere Mentorinnen kennen die Kniffe und wissen, wie man unsichtbare Hürden nehmen kann“, formuliert Jenny Rohde die Erwartungen. Auch von ihren Mit-Mentees verspricht sich die Psychologiediplomandin Impulse für den eigenen Werdegang. „Schließlich ist die Idee menschlich, sich gegenseitig zu unterstützen.“

Alte Herren , hohe Damen

- An den Universitäten im deutschsprachigen Raum gibt es derzeit schätzungsweise zwischen 40.000 und 60.000 aktive männliche Verbindungsmitglieder. Die Zahl der Ehemaligen, der Alten Herren, soll zwischen 250.000 und 500.000 liegen. Dem stehen rund 40 aktive Damenverbindungen mit ihren Hohen Damen gegenüber.

- Einige Damenverbindungen gehören dem Unitas-Verband an. Mehr dazu unter www.unitas.org.

- Jedes Jahr findes ein internationales Damenverbindungstreffen statt, 2010 in Köln.

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