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Mobilgeräte an der Uni : Kuli schlägt Computer

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Elektronische Störenfriede? In den Hörsälen prägen (noch) die Computer das Bild. Bild: dpa

Sind Smartphones und Tablets an Hochschulen Fluch oder Segen? Kritiker malen ein düsteres Bild und klagen über geistig abwesende Studenten. Dabei verweisen sie auf erstaunliche Zahlen.

          Lachende junge Leute, überzeugte Unternehmer und engagierte Dozenten: so wirbt der Studiengang „Digitale Medien - Medienmanagement und Kommunikation“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mannheim mit einem Videoclip für sich. Dabei müsste das Drehbuch längst neu geschrieben werden. Etwa an der Stelle, wo die Studierenden an blitzblank aufgeräumten Arbeitstischen sitzen - ohne Stift und Papier, nur das geöffnete silberne Notebook vor sich. Oder wo die Studentin Linda lobt, dass man sich stets kostenlos alle Medien ausleihen könne. Denn beides gehört der Vergangenheit an. Inzwischen nämlich hat Gerald Lembke, der Leiter des Studiengangs, zusammen mit seinem Kollegen Ingo Leipner das Buch „Die Lüge von der digitalen Bildung“ verfasst - und die Notebooks wieder einkassiert.

          „Wir haben den Studierenden I-a-Hardware zur Verfügung gestellt“, sagt Lembke, „vom ersten Vorlesungstag an.“ Alles nur von Apple, finanziert zunächst über Studiengebühren, dann über Kompensationsmittel. Nur das Beste also für die zukünftigen Marketingmanager und Medieninformatiker. „Die digitale Elite“ nennt er diese Klientel - auch wenn sich deren digitale Kompetenzen selbst in Lehrveranstaltungen bisweilen auf das Daddeln und Chatten beschränkten. Kurzum, es gab mit der Zeit immer mehr Beschwerden über Konzentrationsschwächen, Unruhe und nachlassende Leistungen. „Die 20- bis 25-Jährigen haben oft nicht die digitale Kompetenz, die wir von ihnen erwarten“, sagt Lembke, der parallel zu seiner Lehrtätigkeit für sein Buch Studienergebnisse verglich. Die Ergebnisse waren ernüchternd.

          „Da läuft etwas paradox“, sagt der Professor. „Auf der einen Seite haben wir die Begeisterung für Erklärvideos, für sogenannte Massive Open Online Courses und E-Learning. Auf der anderen Seite gibt es keine Studie, die belegen könnte, dass der Einsatz digitaler Medien den Lernprozess fördert.“ Lembke organisierte also eine Versammlung für Studenten, auf der er seine Erkenntnisse vorstellte - und die Konsequenzen daraus. „Die Dual-Studierenden haben nicht nur eine Anwesenheitspflicht gegenüber den Partnerunternehmen, sie sollen auch die höchstmöglichen Lerneffekte erzielen“, begründete er seine Entscheidung, die bereitgestellten MacBooks zurückzufordern.

          Facebook lief so gut wie immer, Excel so gut wie nie

          Die Studenten murrten, die Systemadministratoren wollten es genau wissen und stellten fest: Facebook lief so gut wie immer, Excel so gut wie nie auf den Geräten. „Das Kernproblem ist die unkontrollierte Nutzung“, sagt Lembke. „Die Verlockung, sich durch Social Media ablenken zu lassen, ist riesig. Das ist auch mit 35 oder 45 Jahren nicht viel anders.“ Mit dem Unterschied, dass man von Erwachsenen - erst recht, wenn sie sich zur Elite zählen - Reflexion und Selbstregulation erwarten darf: „Reife heißt doch, dass ich abschätzen kann, was für mich effektiv ist und was nicht - und etwa den Instant Messenger in der Arbeitszeit abschalte“, sagt Rudolf Kammerl. Der Medienpädagoge beschäftigt sich mit der Digitalisierung von Unterricht und Bildung und kennt die neuesten Studienergebnisse. „Unterrichtsferne Laptopnutzung ist kontraproduktiv“, sagt er. Wenn etwa Studenten ihre Geräte dafür nutzten, um Google, Youtube und Facebook zu durchstöbern, schnitten nicht nur sie selbst in Tests schlechter ab, sondern ihre Tischnachbarn gleich mit. Ablenkung ist offenbar ansteckend. Das Ergebnis mag nicht weiter verwundern, war aber dennoch mehrere Studien wert, um sich von der Mär vom studentischen Multitasker zu verabschieden.

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