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Persönliches Training : Coach, ich hab zu viel Stress!

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Geerdet: Neben Sozialkompetenz und Selbstreflexion kann auch Yoga zum Coaching-Programm gehören. Bild: Stefan Finger

Ein persönlicher Trainer ist nur etwas für Sportler und Topmanager? Von wegen. Coaching ist jetzt auch an Business Schools angesagt.

          Triangeln und Tamburine erklingen im Mendelssohn-Haus in Leipzig. Eine Studentin der Handelshochschule Leipzig (HHL) versucht, ein Kommilitonen-Quartett zu dirigieren. Keine leichte Aufgabe. Der Hintergedanke der Übung an dieser privaten, staatlich anerkannten Business School ist die Analogie zwischen Unternehmensführung und Orchesterleitung und ist Teil des Coaching-Programms der HHL, das in drei Jahren rund fünfzig Studenten durchlaufen haben. Die hochmotivierten zukünftigen Leistungsträger planen eine Karriere, die gleich auf höherer Ebene beginnen soll.

          Der Befürchtung, den eigenen kompetitiven Vorteil durch die exklusive Ausbildung am Ende doch noch zu verlieren und in der Masse angehender Manager unterzugehen, begegnet man mit zusätzlicher Anleitung und Einordnung. Zudem mangelt es bei diesem Karriereweg an der Notwendigkeit, sich mühsam vom Tellerwäscher nach oben gearbeitet und dabei Schlüsselkompetenzen erlangt zu haben. Auch das Wissen, das früher etwa Kaufmannsfamilien der nächsten Generation weitergegeben haben, wird heute, da die beruflichen Aufstiege meist außerhalb solcher Dynastien erfolgen, durch Schulung oder eben durch eigene, bittere Erfahrung erworben.

          Für private Management-Schulen sind Coaching-Programme aber auch ein Marketinginstrument, mit dem sie sich in Zeiten der sogenannten Coachitis schmücken. Zudem verstehen sie die Herausbildung von überfachlichen Kompetenzen neben den Fachkenntnissen als Teil der Ausbildung. „Ein Abkühlbecken für überhitzte Sportler und ein Raum zur Besinnung auf das, was der Student wirklich will“, so nennt Timo Meynhardt, Professor für Wirtschaftspsychologie an der HHL, das Coaching-Programm an seiner Hochschule.

          Glaubwürdigkeit ist Teil des Lehrplans

          Um die formale Bildung in der Praxis – und dort im Austausch mit Menschen – anzuwenden, braucht der Manager in spe eben auch Sozialkompetenz. Wie gehe ich mit Mitarbeitern und Veränderungen um? Hinterfrage ich meine Leistungsbereitschaft kritisch? Wo sind die Grenzen der Selbstoptimierung? Kritik- und lernfähig zu sein, neue Perspektiven einnehmen zu können, achtsam gegenüber sich und anderen zu sein sind keine neuen Forderungen, sondern orientieren sich am Humboldt’schen Bildungsideal nach ganzheitlicher Ausbildung.

          „Wir können keinen zukünftigen Personaler auf die Berufswelt loslassen, ohne thematisiert zu haben, was Einstellungs- und Entlassungsgespräche für Menschen bedeuten“, sagt Meynhardt. Die Kompetenzen des Coaching-Programms an der HHL umfassen gesellschaftliche Achtsamkeit, Unternehmergeist, Glaubwürdigkeit und Selbstreflexion, die durch Gespräche mit einem Coach und durch Workshops angeregt werden sollen; in einem Auswahlverfahren werden die Teilnehmer bestimmt.

          Coaching nur im ersten Studienjahr

          Anders bei der European Business School (EBS) im hessischen Oestrich-Winkel am Rhein, hier können alle Studenten an dem Coaching-Programm teilnehmen, das von intern ausgebildeten Coaches geleitet wird. Seit nunmehr 20 Jahren bietet die EBS dies an, und die Hälfte der Studenten nimmt das Angebot wahr. Das Coaching-Programm der Schweizer Universität St. Gallen (HSG) wiederum – hier ist eine der größten wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten im deutschsprachigen Raum zu Hause – begleitet die Studenten nur im ersten Studienjahr. Rund sechzig von ihnen nehmen jährlich daran teil. Karriereberatung und auch psychotherapeutische Beratung können zusätzlich in Anspruch genommen werden.

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