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Bunte Hochschulen : Wie die Uni der Zukunft tickt

Buntere Unis: Akademisch interessierte Flüchtlinge beim Deutschkurs an der Uni Vechta Bild: dpa

Der demografische Wandel und die vielen Flüchtlinge: Das werden die neuen Herausforderungen für Deutschlands Universitäten. Beim Hochschulsymposium an der LMU München gab es viele Diskussionen rund um diese Themen.

          An der Universität Leipzig gibt es zur Zeit 12 Prozent internationale Studierende, avisiert sind 15 Prozent. „Es wird bunter werden“, sagt die Rektorin Beate A. Schücking. Natürlich widerspricht ihr niemand auf dem Podium in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort tauschen sich Wissenschaftler über den „demografischen Wandel und seine Auswirkungen auf die Universität der Zukunft“ aus. Und fast alle hätten ähnliche Entwicklungen referieren können. Neben dem digitalen Lernen und Publizieren ist der Wandel der Studierendenschaft eines der Topthemen des XI. Hochschulsymposiums der Hanns Martin Schleyer Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung mit der LMU.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Mit den Vorhersagen ist das so eine Sache: All die Prognosen, die Zahl der Studenten werde aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge zurückgehen haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Immer mehr junge Menschen drängen an die Hochschulen. „Prognosen haben nie gestimmt“, stellt Dieter Lenzen fest, unter anderem, „weil dann reagiert wurde“. Der Präsident der Universität Hamburg kritisiert die Unüberschaubarkeit der Hochschulausbildungen und hält nichts davon, Physiotherapie an der Uni zu unterrichten. „Wir brauchen dringend eine Binnendifferenzierung des Hochschulsystems.“ Als Beispiel nennt er die Handelskammer Hamburg, die 900 Studenten ausbilde und den Bachelor vergebe. Aus Gesprächen wisse er, dass das für Eltern nicht unterscheidbar sei. „Da muss sichtbar sein, wo der Unterschied ist. Wenn am Ende jeder einen Bachelor hat, ist er wertlos.“ Ludger Wößmann, der das Zentrum für Bildungsökonomie leitet, stimmt zu, „Differenzierung offenzulegen“. Er sieht vielfältige Ausbildungswege aber positiv: „Wir sehen in allen Studien, dass Bildungsjahre angerechnet werden und ein bis zu zehn Prozent höheres Einkommen auf dem Arbeitsmarkt erzielen.“ Ob das allerdings mit dem Hochschulbild in Einklang zu bringen ist, das Peter Strohschneider zeichnet, ist fraglich. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft mahnt, die Universität als „intellektuelle Veranstaltung und Lebensform“ zu stärken.

          Schließlich bleibt noch eine weitere große Frage offen: Was wissen wir über Flüchtlinge? Wie viele an die Hochschulen kommen, sei im Moment „nicht seriös zu beantworten“, so LMU-Präsident Bernd Huber. Wößmann warnt davor, sich Illusionen zu machen. Weniger als zehn Prozent der Flüchtlinge verfügten über eine Hochschulausbildung. Und die liege meist unter dem Niveau, „was wir hier haben“. Die große Herausforderung laute, Kinder und Jugendliche schneller in unser Schulsystem zu integrieren: „Das ist eine große Chance.“ Auch für eine erfolgreiche Integration von Studenten sei Sprache der Katalysator, fasst Schücking zusammen: „Wir sollten Systeme entwickeln, wie man in kurzer Zeit Deutsch lernt.“ Das allerdings dauert. „Und es ist nicht billig“, so Lenzen.

          Wie polarisiert die Debatte ist, zeigt die Diskussion im Nachgang: Während ein junger Mann im Publikum die Gelegenheit nutzt, sein idealistisches Einschreibungs-Projekt für Flüchtlinge an der Uni zu bewerben, argwöhnt ein älterer Professor, wie es denn überhaupt um die „Bildungswilligkeit dieser Migranten“ bestellt sei.

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