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Britische Eliteunis : Insel der Seligen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. / Tresckow

Britische Eliteunis gelten als die besten in Europa. Auch viele Deutsche zieht es nach dem Abitur auf die Insel. Aber auch dort ist nicht alles Gold, was glänzt. Oft brauchen Studenten eine große Portion Selbstbewusstsein - und Durchhaltevermögen.

          Aron Leimbach aus Frankfurt wusste genau, was nach dem Abitur kommen sollte. „Ich wollte auf jeden Fall ins Ausland. Und ich wollte sehen, ob ich gut genug bin.“ Gut genug für Oxford, hieß das. „Ich habe überhaupt nicht erst mit anderen Hochschulen verglichen“, sagt Leimbach. Stattdessen schrieb er sich für den Bachelor in Philosophie, Politik und Wirtschaft ein. Leimbach ist damit einer von vielen: Die Zahl der deutschen Studenten im Vereinigten Königreich steigt kontinuierlich - und auch im Rest der Welt sind die Hochschulen auf der Insel begehrte Studienorte.

          Auf Platz eins einer vielbeachteten Rangliste des Fachblattes „Times Higher Education“ (THE) beispielsweise thront zwar Harvard in den Vereinigten Staaten, doch auf dem zweiten, vierten und zweimal auf dem fünften Platz sind britische Hochschulen gelistet: Cambridge (2), University College of London (4), Imperial College London und Oxford (beide 5). Der „Times“ mögen englischsprachige Hochschulen besonders naheliegen, der Abstand bis zu den renommiertesten deutschen Universitäten ist dennoch beachtlich: Die TU München rangiert auf Platz 55, die Uni Heidelberg auf Platz 57.

          „Die britischen Universitäten sind zweifellos die angesehensten in Europa“, sagt auch Gero Federkeil vom deutschen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Allerdings hält er vom THE-Ranking methodisch nicht sehr viel. „Die Kriterien und Vorgehensweise sind nicht gut nachvollziehbar.“ Deshalb arbeite das CHE selbst an einer Weltrangliste für Universitäten, in der Deutschland vermutlich besser abschneiden werde. Eine vom CHE erstellte Europa-Rangliste etwa führt in der Spitzengruppe 36 britische, 29 deutsche und 13 französische Universitäten. „Der Unterschied zwischen englischen und deutschen Einrichtungen ist nicht so groß“, sagt Federkeil.

          „Die Betreuung ist einmalig“

          Was Aron Leimbach berichtet, der inzwischen schon seit drei Jahren in Großbritannien studiert, klingt jedoch ganz anders. „Es war der große Name und das Tutoriensystem in Oxford, das mich überzeugt hat“, berichtet er. In Oxford tragen Bachelor-Studenten manchmal allein, maximal zusammen mit vier Kommilitonen ihrem Dozenten mindestens einmal in der Woche ihre Arbeit vor. Von Massenabfertigung keine Spur. „Die Betreuung ist einmalig“, schwärmt der Einundzwanzigjährige. „Wenn ich nachts eine Mail an einen Professor schreibe, habe ich am nächsten Morgen eine Antwort.“

          Außerdem schwärmt Leimbach von der Ausstattung der Traditionshochburg. Die Bodleian Bibliothek ist nach der British Library in London die größte im Königreich; jedes in Englisch publizierte Buch soll hier erhältlich sein. „Es ist mir noch nie passiert, dass ich ein Buch nicht bekommen habe.“ Ob es das Betreuungsverhältnis, die Bücherversorgung oder einfach nur die Weltsprache Englisch ist, die deutsche Studenten über den Kanal lockt, verraten die Daten der britischen Higher Education Statistics Agency nicht - aber dass ihre Zahl stetig zunimmt: von 11.440 im Jahr 2003/4 auf 13.625 im Jahr 2007/8. In Oxford machen die deutschen Studenten nach den Briten die größte europäische Gruppe aus.

          Gero Federkeil vom CHE erklärt dies mit einer ganzen Reihe von Faktoren. „Britische Universitäten verfügen schon lange über eine größere Autonomie. Sie konnten besser eine strategische Entwicklung einschlagen“, sagt er. Außerdem verfügten Oxford und Cambridge dank ihres Stiftungsvermögens über eine Ausstattung, die weit von der deutschen Universitätsrealität entfernt sei. Nur an Geld und Zahlen lasse sich der Vorsprung jedoch nicht festmachen. „Ein großer Vorteil ist das englische Mentorensystem.“

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