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Bologna-Reform : Studienzeitverkürzung? Fehlanzeige

Sitzen bleiben: Mit der Bologna-Reform sollte die Studienzeit verkürzt werden. Doch viele Studenten lassen sich anscheinend nicht hetzen - im Gegenteil. Bild: dpa

Mit der Bologna-Reform sollte per Beschluss die Studienzeit verkürzt werden. Dass das nicht klappen wird, daran gab es seitens der Kritiker keine Zweifel. Sie wurden nun bestätigt.

          Unter den Zielen der Bologna-Studienreform ist eines unwahrscheinlicher als das andere. Wie man ausgerechnet bei Studienzeitverkürzung, die - entgegen der inzwischen etablierten Legende - durchaus eines der Ziele der Reform war, zu einer erhöhten Mobilität zwischen Hochschulen und gar einer grenzüberschreitenden kommen wollte, war schon immer unerfindlich.

          Dass sich die Studienzeit per Beschluss reduzieren lässt, daran bestanden ebenfalls seit jeher große Zweifel. Schon 2008 ergab sich aus den Zahlen der Hochschulrektorenkonferenz, dass die Studierenden bis zum Master durchschnittlich 11,7 Semester benötigten, während sie in den damals noch weitergeführten alten Studiengängen (mit Diplom, Magister, Staatsexamen) im Durchschnitt 10,4 Semester verweilten.

          Der Wissenschaftsrat war voreilig

          Jetzt liegen, nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Zahlen aus einzelnen Bundesländern vor, die zeigen, dass die Regelstudienzeit von zumeist sechs Semestern bis zum Bachelorabschluss überall überschritten wird: In Nordrhein-Westfalen etwa lag die durchschnittliche Studiendauer im Jahr 2013 bei 8,64 Hochschulsemestern, in Berlin bei 7,8 Semestern. Ende September dieses Jahres wird das Statistische Bundesamt die offiziellen Zahlen für das Jahr 2013 vorlegen.

          Erste Erfolge bei der Studienzeitverkürzung meinte noch 2009 der Wissenschaftsrat melden zu können, als eine Durchschnittsdauer von knapp sechs Semestern beim Bachelor errechnet wurde. Das war voreilig.

          Denn damals studierte nur ein geringer Anteil aller Studenten im neuen System und offenbar eher die schnellen, die als kleine Gruppe im neuen Modell eventuell auch mehr Zuwendung fanden. Inzwischen sind es fünf- bis sechsmal so viele Absolventen, und die Zahlen werden belastbar.

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