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Bologna-Reform : Die Wirtschaft ist mit dem Bachelor zufrieden

Feierlaune: Bachelor-Absolventen des Fachbereiches Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt Bild: Irl, Maria

Die Unternehmen sehen keine Verschlechterung durch den neuen Studiengang. Aber Studenten und Dozenten klagen.

          Seit die deutschen Hochschulen vor rund zehn Jahren begonnen haben, die Studiengänge auf Bachelor und Master umzustellen, reißt die Kritik an der Bologna-Reform nicht ab. Vor allem Studenten und Dozenten beklagen, die akademischen Freiräume seien zu stark beschnitten worden. Kritisiert wird auch, dass die Studierenden nach dem ersten Abschluss, dem Bachelor, nicht ausreichend für einen Beruf qualifiziert seien - obwohl es ein Hauptziel der Reform gewesen sei, Studenten in kürzerer Zeit auf das Berufsleben vorzubereiten.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          In diese Kritik will allerdings eine Gruppe so nicht einstimmen: die deutsche Wirtschaft. Rundum zufrieden mit der Hochschulausbildung sind freilich auch die Unternehmen nicht. Doch können sie nicht erkennen, dass Bachelor-Absolventen schlechter qualifiziert sind als die früheren Diplomabsolventen. Zwei Drittel der Unternehmen seien mit dem Bachelor zufrieden, zitiert Kevin Heidenreich vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) aus einer Umfrage seiner Organisation aus diesem Jahr. Damit sei die Zufriedenheit in den vergangenen Jahren weder gefallen noch gestiegen. „Schon vor der Bologna-Reform waren zwei Drittel der Unternehmen mit den Hochschulabsolventen zufrieden“, erklärt Heidenreich.

          Das bedeutet jedoch nicht, dass die Wirtschaft keine Kritik an der Hochschulausbildung übt. Schon seit vielen Jahren bemängelt sie die Praxisferne des Studiums. Das haben zum Beispiel in einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, der mehr als 50.000 kleine und mittelgroße Unternehmen vertritt, fast 60 Prozent der Unternehmen beklagt. Ein ähnliches Bild ergibt die DIHK-Umfrage: Wenn sich die Unternehmen in der Probezeit von Hochschulabsolventen trennen, dann vor allem weil diese das theoretisch Gelernte nicht in die Praxis umsetzen können. Mangelndes Fachwissen steht auf der Liste der Trennungsgründe hingegen erst auf Platz 5.

          Professoren beklagen „Schmalspurstudium“

          Trotz der nur verhaltenen Kritik an der Bologna-Reform ist die Wirtschaft mit der Umstellung der Studiengänge nur bedingt zufrieden. DIHK-Bildungsexperte Heidenreich beklagt, dass die Reform in vielen Hochschulen immer noch hakt. „Zu viele haben einfach die alten Inhalte übernommen, zu wenige haben entrümpelt“, sagt er. Außerdem bedauert er, dass vor allem an Fachhochschulen Praxissemester gestrichen worden seien. Für die neue Studienstruktur findet Heidenreich hingegen viel Lob: Der große Vorteil liege im „Dazwischen“, dem Raum zwischen Bachelor und Master, erklärt er. Den werden nach seiner Überzeugung immer mehr Akademiker gut zu nutzen wissen: „Sie werden nach dem Bachelor in den Beruf einsteigen, ein paar Jahre arbeiten und dann berufsbegleitend einen Master machen.“ Tatsächlich bieten immer mehr Unternehmen berufsbegleitende Masterprogramme an.

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