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Blogprojekt Moot Court : Der härteste Test für angehende Juristen

  • -Aktualisiert am

Das Münchener Studierenden-Team auf seinem Weg zum Moot Court in Washington. Bild: Privat

Der Moot Court in Washington gilt als härtester Wettbewerb für angehende Juristen. Für FAZ.NET berichtet eine Gruppe Jurastudenten aus München vom „Internationalen Gerichtshof“ und ihren Erlebnissen in Amerika.

          Diese Woche wird für rund 600 Jurastudenten aus über 90 Ländern besonders spannend. Sie alle haben sich in Washington eingefunden, um gegeneinander anzutreten. Dort findet seit 1959 jedes Jahr die Endrunde des Philip C. Jessup International Law Moot Court statt. Der Jessup Moot Court ist ein internationaler Wettbewerb, bei dem Jurastudierende zwei fiktive Staaten in einem Streit vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) vertreten. Die Studierenden agieren dabei wie echte Anwälte, indem sie Schriftsätze schreiben und ihre Argumente vor Gericht vortragen.

          Mahja Afrosheh (23) studiert im achten Semester Jura an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Den Moot Court in Washington sieht sie als gute Gelegenheit, um während des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln.

          Als Richterinnen und Richter treten Anwälte, Professoren und ehemalige Jessup-Teilnehmer auf. Der diesjährige Fall dreht sich vor allem um Massenüberwachung und Terrorismusbekämpfung. Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden sind dies viel diskutierte Themen, die allerdings juristisch noch größtenteils ungeklärt sind.

          Seitdem der Fall im September veröffentlicht wurde, haben sich meine Teamkollegen und ich intensiv mit diesen Themen beschäftigt. Monatelang haben wir uns mit den aufgeworfenen Problemen beschäftigt. Wir haben stundenlang diskutiert, Nächte durchrecherchiert und am Ende hagelte es dennoch immer wieder nur Kritik von unseren Coaches. Dies führte zu einigen verzweifelten Abenden, an denen wir uns fragten, ob wir den Erfolg des letztjährigen Moot Court Teams wiederholen könnten. Ende Februar sind wir schließlich mit gemischten Gefühlen in die deutschen Vorausscheidungen gegangen, an denen 21 Teams aus ganz Deutschland teilgenommen haben. Als wir dann erfahren haben, dass wir uns als zweitplatziertes Team qualifiziert haben und daher nach Washington fliegen würden, war die Freude riesig! Dies machte unsere Finalniederlage schnell vergessen. Es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass sich all die harte Arbeit ausgezahlt hat.

          Dennoch hielt die Reise in die Vereinigten Staaten für mich noch eine kleine Hürde bereit. Da ich neben der deutschen auch die iranische Staatsangehörigkeit besitze, musste ich zunächst ein Visum beantragen. Dass ich sechs Monate lang während meiner Recherche fast täglich das Wort „Terrorismus“ googelte, hat die Sache wahrscheinlich nicht besser gemacht. Die Angst, dass ich das Visum nicht bekommen und der Traum von Amerika doch noch platzen könnte, verflog während meines Besuchs im amerikanischen Generalkonsulat in München jedoch schnell. Das Visumsgespräch war unkompliziert – der Jessup Moot Court war den Konsulatsmitarbeitern bereits bekannt.

          Damit konnte die Reise für uns alle starten! Außer uns fliegen aus Deutschland die Teams der Bucerius Law School Hamburg und der Ruhr-Universität-Bochum mit nach Washington D.C. Der besondere Geist des Jessup Moot Court, von dem die Coaches uns schon so oft erzählt hatten, wird uns schon am Flughafen klar. Dort begegnen wir dem Bochumer Team und ein paar Jessup-Richtern. Wir alle fliegen mit derselben Maschine von München aus in die Staaten.

          Internationaler geht es kaum

          Nach einem fast zehnstündigen Flug waren wir endlich da! Allerdings mussten wir uns zunächst durch die Grenzkontrolle und den Zoll navigieren. Dies nahm einige Stunden in Anspruch. Die anschließende Autofahrt vom Flughafen ins Hotel hat dies wiedergutgemacht und ließ uns unseren Jetlag schnell vergessen. Wir sind am Kapitol, am Pentagon und am Lincoln Memorial vorbeigefahren – alles Schauplätze, die ich bisher nur aus Serien wie „House of Cards“ kannte. Dass der Wettbewerb hier in Washington stattfindet, macht das Ganze noch beeindruckender. Diese Stadt, in der täglich Weltpolitik gemacht wird, lässt die bis dahin fiktiven juristischen und politischen Fragen schlagartig viel realer wirken.

          Etwas schockiert waren wir, als wir kurz vor der Ankunft im Hotel dutzende Obdachlose sahen. Solch eine sichtbare Armut ist man aus Deutschland nicht gewohnt. Das hält einem auch die Schattenseiten der Vereinigten Staaten vor Augen.

          Im Hotel merkte man sofort, dass wir uns die Zimmer überwiegend mit anderen Jessup-Teams teilen. Wir begegneten bereits beim Einchecken angehenden Juristen aus Kuwait, Island, Finnland und den Vereinigten Staaten. Die Internationalität des Wettbewerbs wurde uns so abermals bewusst. Besonders Clemens, für den dies der erste Trip in die Staaten ist, freut sich, in den nächsten Tagen Washington und den „American Way of Life“ zu entdecken.

          Nachdem wir unser Gepäck im Hotel abgeladen hatten, gingen wir erst mal typisch amerikanisch Burger essen und Milchshakes trinken. Dabei besprachen wir unsere Pläne für die nächsten Tage und ließen die ersten Eindrücke Revue passieren. Wir freuen uns schon darauf, in den nächsten Tagen viele weitere Teams aus dem Rest der Welt kennenzulernen. Bei so vielen neuen Erfahrungen könnte man fast vergessen, dass wir nicht zum Urlaub hier sind – sondern um im Wettbewerb zu überzeugen.

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