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Bildung offline : Berufsschulen hinken bei Digitalisierung hinterher

Berufsschule: Häufig ist das Lernen kaum digital. Bild: dpa

Viele Berufsschulen sind offline, die duale Ausbildung verpasst die Digitalisierung. Eine Studie malt deshalb ein düsteres Zukunftsbild.

          Die Duale Berufsausbildung, die betriebliche Praxis und Schulunterricht verzahnt, gilt als Erfolgsrezept des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Jedes Jahr schließen gut 500.000 angehende Fachkräfte ihre Lehre in einem der mehr als 300 Ausbildungsberufe in Industrie, Handwerk und Dienstleistungswirtschaft ab. Doch ausgerechnet die Berufsschulen als tragende Säulen dieses Systems sind mit ihrem Unterricht nach Erkenntnissen der Bertelsmann-Stiftung nicht auf der Höhe der Zeit - sie „hinken beim Thema Digitalisierung hinterher“. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Stiftung.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          So verfügt etwa nur gut jede dritte der 9000 Berufsschulen über einen brauchbaren drahtlosen Internetzugang („W-Lan“), ermittelten die Forscher. 40 Prozent der Berufsschulen haben gar kein W-Lan. Zwar habe „das Youtube-Video die DVD abgelöst“, würden Unterrichtsmaterialien heute „auch im PDF-Format statt als Fotokopie bereitgestellt“. Doch die didaktischen Möglichkeiten des Einsatzes moderner digitaler Lernhilfen würden bisher nicht annähernd ausgeschöpft.

          Gleiches gelte aber für die ebenfalls untersuchten Ausbildungsbetriebe. Während unter den Berufsschulleitern immerhin 62 Prozent digitalen Lernformen - darunter etwa Selbstlernprogrammen und elektronischen Tests - grundsätzlich eine hohe strategische Bedeutung beimaßen, waren es unter den betrieblichen Ausbildungsleitern nur halb so viele. Der Studie zufolge setzten 32 Prozent der Betriebe Selbstlernprogramme und 18 Prozent internetgestützte Trainings ein.

          Unter großem Modernisierungsdruck

          Angesichts der Digitalisierung der Wirtschaft („Industrie 4.0“) bei zugleich sinkenden Ausbildungszahlen sehen die Forscher das Berufsbildungssystem unter großem Modernisierungsdruck. Im vergangenen Jahr hatte die Zahl der Ausbildungsanfänger mit 522.000 Jugendlichen einen Tiefstand erreicht, 41.000 angebotene Lehrstellen blieben unbesetzt. Ursachen sind zum einen der demographische Wandel und zum anderen eine zunehmende Neigung junger Menschen, ein Studium anstelle einer praxisorientierten Berufsausbildung anzustreben.

          Berufsschulen und Betriebe stünden daher vor der dringenden Aufgabe, ihre Attraktivität zu steigern, folgert die Studie. Digitales Lernen sei dabei nicht nur als „Imagefaktor“ anzusehen. „Für viele Industrie- und Wirtschaftsbereiche sind Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung unter dem Stichwort ,Industrie 4.0‘ von immenser Bedeutung.“

          Als Haupthindernis für einen stärkeren Einsatz digitaler Lehr- und Lernformen macht die Studie einen Mangel an Kompetenzen und Ressourcen aus. So gab gut die Hälfte der Berufsschullehrer an, dass ihnen das Angebot an Lernmaterialien zu unübersichtlich sei. Zudem schrecke der zusätzliche Zeitaufwand ab, der für den Einsatz neuer Methoden nötig sei ebenso wie für den Einsatz der erforderlichen Technik - soweit diese vorhanden ist. Das Alter der Berufsschullehrer scheint indes kein großer Hinderungsgrund zu sein: Lehrkräfte mit mehr als zehnjähriger Berufserfahrung setzten sich in der Befragung sogar stärker für digitale Lernformen ein als jüngere Kollegen, die schon im Internetzeitalter aufgewachsen sind.

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